Wirtschaft

Kassen fördern Impfgegner Wurmmittel-Irrsinn in den USA

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Viele US-Amerikaner lehnen eine Impfung ab, schlucken allerdings ein Anti-Wurmmittel.

(Foto: REUTERS)

Impfgegner schwören auf ein vermeintliches Corona-Wundermittel: Ivermectin. Auch in den USA schießen die Verkäufe für das Präparat nach oben, obwohl die Arzneimittelbehörde eindringlich vor der Einnahme warnt. Und was machen die Krankenkassen? Sie erstatten die Kosten für Ivermectin-Rezepte.

Ivermectin ist ein Anti-Wurmmittel für Tiere und zur Behandlung von Covid-Infektionen völlig ungeeignet. Das ändert allerdings nichts daran, dass sich Impfgegner weltweit das Mittel besorgen und in Selbstversuchen einnehmen, um eine Ansteckung zu vermeiden oder sich nach einer Infektion selbst zu therapieren.

In den USA führt das zu einer absurden Situation: Während die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA vor einer Einnahme von Präparaten mit Ivermectin warnt, erstatten Krankenversicherungen Impfgegnern einen Großteil der Kosten für dieser Medikamente.

Eine in der Fachzeitschrift "Journal of the American Medical Association" (JAMA) veröffentlichte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Versicherer in einer Augustwoche des vergangenen Jahres Kosten von rund 2,5 Millionen Dollar übernommen haben. Auf das Jahr hochgerechnet subventionieren US-Krankenkassen damit Ivermectin-Selbstversuche mit knapp 130 Millionen Dollar.

"Die Forschungsergebnisse zeigen, dass Versicherer Ivermectin-Medikamente stark subventionieren, obwohl sie ökonomischen Erkenntnissen zufolge keine Kosten für wirkungslosen Therapien übernehmen sollten", so die Autoren der Studie von der Universität von Michigan.

Die Forscher gehen davon aus, dass die Summe sehr viel höher ist als ihre Schätzung. Denn in ihrer Untersuchung ist das Gesundheitsfürsorgeprogramm Medicaid für sozial Schwächere nicht berücksichtigt, das jeweils von den einzelnen Bundesstaaten organisiert wird.

"Hört auf"

Für die Studie haben die Forscher Datensätze zwischen dem 1. Dezember 2020 und dem 31. März 2021 ausgewertet. Rund 5 Millionen stammen von Privatversicherten. Rund 1,2 Millionen von US-Amerikanern, die über Medicare versichert sind - also einem Programm, das vor allem älteren Menschen zugutekommt.

Das Robert-Koch-Institut warnt vor heftigen Nebenwirkungen des Mittels, es ist in Deutschland nicht zur Behandlung von Covid-Infektionen zugelassen. Ivermectin wird hauptsächlich in der Tiermedizin eingesetzt, um Pferde, Rinder, Schafe oder Schweine zu entwurmen. Manchmal wird es auch gegen Humankrankheiten eingesetzt, die ebenfalls durch Parasiten verursacht werden. Auch bei Krätze kann es zum Einsatz kommen.

Für die Gesundheitsbehörde dürfte das Verhalten der Krankenversicherungen und Ärzte frustrierend sein. "Du bist kein Pferd. Du bist keine Kuh. Ernsthaft, an alle: Hört auf", twitterte die FDA im vergangenen August und zählte mögliche Nebenwirkungen auf, die nach der Einnahme auftreten können: Hautausschlag, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen, Schwellungen am ganzen Körper, Krampfanfälle, Leberentzündungen (Hepatitis) und mehr.

Quelle: ntv.de

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