Kushner plant Luxus-DomizilZehntausende Albaner protestieren gegen US-Immobilienprojekt

Nicht nur der US-Präsident versucht überall auf der Welt Immobilienprojekte umzusetzen. Auch sein Schwiegersohn will bauen - ein Luxusferienressort in Albanien. Das bringt Zehntausende in der Hauptstadt Tirana auf die Straße. Sie fürchten um ein Naturschutzgebiet.
In Albanien formiert sich Widerstand gegen ein Immobilienprojekt des Schwiegersohns von US-Präsident Donald Trump. Tausende Menschen demonstrierten am Dienstagabend in der Hauptstadt Tirana gegen die geplante 1,4 Milliarden Euro teure Luxus-Ferienanlage der Investmentfirma Affinity Partners von Jared Kushner, der mit einer der Töchter von Trump verheiratet ist. Der in kein politisches Amt gewählte Kushner nimmt für die US-Regierung wichtige diplomatische Aufgaben wahr. So ist er führend an den Verhandlungen zur Beendigung der Kriege in der Ukraine und in Nahost beteiligt.
Geplant ist der Bau an einem unberührten Küstenstreifen nahe dem Naturschutzgebiet Vjosa-Narta an der Adria. Die Demonstranten versammelten sich vor dem Büro von Ministerpräsident Edi Rama und trugen aufblasbare Flamingos und Schilder mit Aufschriften wie "Die Nation steht nicht zum Verkauf" und "Ich will kein Albanien wie Dubai". Umweltschützer befürchten die Zerstörung von Hunderten Hektar unberührter Strände, die unter anderem Flamingos und Meeresschildkröten als Lebensraum dienen.
Rama will das Projekt auf jeden Fall realisieren: "Es gibt absolut keine Chance, dass die Investition gestoppt wird, solange ich hier bin." Es sei wichtig, dass Albanien ein gastfreundliches Land bleibe und Investoren nicht mit Feindseligkeit begegnet werde. Die Entwickler versprachen ihrerseits einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur. Der Fokus liege auf der Schaffung von Arbeitsplätzen und langfristigem Wert für die örtlichen Gemeinden, sagte Asher Abehsera, Vorsitzender des Partnerunternehmens Sazan Real Estate Development. Affinity Partners und Kushner reagierten bisher nicht auf Bitten um eine Stellungnahme.
Die Proteste von Anwohnern und Umweltschutzorganisationen hatten begonnen, nachdem die Bauherren große Stacheldrahtzäune an dem geplanten Standort in Zvernec in der Nähe der Küstenstadt Vlora errichtet hatten. Bereits am Samstag war es dort zu Zusammenstößen zwischen mehreren Hundert Demonstranten und privaten Wachleuten gekommen. Dabei wurden einem Augenzeugen zufolge einige Menschen verletzt. Ein Ökologe der Organisation PPNEA-BirdLife Albania warnte, das Projekt komme einer neuen Stadt mit rund 10.000 Zimmern gleich und werde die Naturregion vollständig zerstören.