Wirtschaft

"Aus Ackergaul ein Rennpferd" Zeugin schildert Schlecker-Diktatur

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Scharfe Kritik an Anton Schleckers Führungsstil.

(Foto: picture alliance / Marijan Murat)

Schenkt man einer Zeugin Glauben, dann ging es in der Schlecker-Führungsetage zu wie im SED-Politbüro. Ihren Angaben zufolge wurde Anton Schlecker das gesagt, "was er hören wollte". Widerspruch habe er nicht geduldet.

Im Schlecker-Konzern hat Firmenchef Anton Schlecker laut Aussage einer Zeugin keinen Widerspruch geduldet. Dies habe zu schlimmen Fehlentscheidungen geführt, die den Niedergang der Drogeriekette noch beschleunigt hätten, sagte die frühere Chefin der Tochterfirma Schlecker XL vor dem Stuttgarter Landgericht.

Die Direktoren - also die Führungskräfte direkt unter dem Konzernchef - hätten keinen Mumm gehabt, Schlecker über Fehler zu informieren. "Die erzählten Schlecker, was er hören wollte." In dem Prozess wird Anton Schlecker vorsätzlicher Bankrott vorgeworfen.

Der Drogeriekonzern ging 2012 pleite, Zehntausende Beschäftigte wurden arbeitslos. Die Zeugin war bis 2010 im Konzern, zuletzt war sie für die Schlecker-XL-Märkte zuständig. Das Konzept für diese 2008 gestarteten, größeren Läden mit Hochglanz-Image sei gut gewesen, so die Zeugin. Dann jedoch seien Fehler gemacht worden.

"Man hat den Pfad schnell verlassen und Läden aufgemacht, die schon unter dem alten Schlecker-Konzept katastrophal liefen." Sie selbst habe kaum Raum für Entscheidungen gehabt. So sei ihr aufgetragen worden, den Umsatz in einem Laden in einem 500-Seelen-Dorf nach der Umstellung auf das XL-Format zu vervierfachen. Das habe natürlich nicht geklappt.

"Aus einem Ackergaul ein Rennpferd machen, das geht nicht … Jeder wusste, dass die Läden, die wir aufmachen, die falschen sind", sagte die Zeugin. Sie habe ihre Bedenken den Direktoren mitgeteilt, die aber nichts gemacht hätten. "Im Grunde hatte jeder Angst um seinen Posten - es ging schnell bei uns, wenn man ein falsches Wort gesagt hat." Im Oktober 2010 habe sie selbst Anton Schlecker auf Fehler aufmerksam gemacht, woraufhin sie ihren Posten räumen musste.

Quelle: n-tv.de, wne/dpa

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