Wirtschaft

Vergeblich am Bahnhof Zugausfälle verursacht die Bahn meist selbst

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Für Fahrgäste ist es ärgerlich, wenn sie vergeblich warten.

(Foto: picture alliance/dpa)

Knapp jeder 40. Fernzughalt fällt 2018 einfach aus. Die Gründe dafür liegen in den meisten Fällen bei der Bahn selbst. Die ungeschlagene Nummer eins: Der Zug ist einfach kaputt.

Kunden der Deutschen Bahn haben im vergangenen Jahr am häufigsten an den Bahnhöfen Frankfurt am Main, Frankfurt Flughafen, Köln, Düsseldorf und Duisburg vergebens auf ihren Fernzug gewartet. Weit oben auf der Liste finden sich zudem die Bahnhöfe Essen, Hannover, Stuttgart und Dortmund. Das geht aus einer Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Anfrage von Grünen-Chefin Annalena Baerbock hervor, berichtet der "Spiegel".

Es sei das erste Mal, dass die Bahn systematisch erfasse, wo der größte Handlungsbedarf bestehe, was Halteausfälle angehe, heißt es in der Antwort des Ministeriums. Insgesamt wurden demnach 2018 rund 2,4 Prozent der Zughalte im Fernverkehr gestrichen. Meistens gibt es dafür hausgemachte Gründe bei der Deutschen Bahn. Wichtigster Grund für ersatzlose Ausfälle sind technische Probleme mit den Zügen. Zweithäufigste Ursache ist das Wetter, dann schon folgen Umleitungen und Fahrplanänderungen, zum Beispiel wenn sich Verspätungen auf der Strecke häufen. Dann kann es auch vorkommen, dass ein ICE früher wendet und den eigentlichen Zielbahnhof nicht mehr anfährt - um auf der Rückfahrt wieder pünktlich zu sein.

20.000 Fahrten absolvieren die Fernzüge der Bahn jeden Monat. Ein Prozent der Züge fällt nach Konzernangaben auf der ganzen Strecke aus. Hinzu kommen die Ausfälle einzelner Halte. Im vergangenen fielen je nach Monat 1,6 bis 5,0 Prozent der ICE-Halte ersatzlos aus, bei den Intercitys waren es 1,0 bis 3,9 Prozent. Das hatte im Januar die FDP-Fraktion erfragt. Nach den monatlichen Zählungen warteten demnach 2 bis 7 Prozent der Reisenden vergeblich auf den Fernzug, mit dem sie fahren wollten.

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Investitionen sollen es richten

"Insgesamt sind externe Gründe für mehr als ein Drittel aller Haltausfälle verantwortlich", erklärte der Bahnbeauftragte des Bundes, Enak Ferlemann, in seiner Antwort an die Grünen. Gemeint sind damit vor allem Unwetter, Streiks und Suizide. Insgesamt nennt Ferlemann unter Berufung auf das Unternehmen 28 verschiedene Ursachen. Mal gibt es Probleme beim Personal, dann ist die Oberleitung nicht in Ordnung, dann bringt eine Baustelle den Fahrplan durcheinander. Es gibt auch eine Reihe von Störungen, für die die Bahn nichts kann: Gegenstände auf Gleisen, Böschungsbrände, Vandalismus. Auch wenn die Polizei Kinder oder Brombeerpflücker von den Gleisen holen muss, kann das dazu führen, dass die Fahrgäste am nächsten Bahnhof vergeblich warten.

Die Bahn versuche nun, die Ausfallrate unter anderem mit Investitionen in Personal, Digitalisierung, Züge und ins Schienennetz zu reduzieren. Ferlemann, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, kündigte Milliarden-Investitionen in neue Züge und einen Ausbau der Werkstätten an. Im Kampf gegen externe Störungen werden zudem etwa Bäume und Sträucher zurückgeschnitten. Baerbock forderte die Bahn auf, ihre Konzerntöchter Schenker und Arriva zu verkaufen. "Mit diesem Geld gehören dann kaputte Loks und Wagen sowie das schlechte Reagieren auf die Witterungsbedingungen hoffentlich der Vergangenheit an", sagte sie dem "Spiegel".

Die Grünen-Chefin wollte dem Magazin zuolge auch aus persönlichen Gründen wissen, an welchen Bahnhöfen der geplante Halt eines Fernzugs am häufigsten gestrichen wurde: Im November saß die Politikerin in einem ICE, in den eine Station später ihre Kinder zusteigen sollten. Doch der Zug fuhr vorbei - aufgrund von Überfüllung, wie die Bahn später mitteilte. Baerbock indes gab an, die für ihre Kinder reservierten Plätze seien leer gewesen.

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Quelle: n-tv.de, sba/AFP/dpa

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