Wirtschaft

Trump eskaliert den Zollstreit Zwei Tweets erschüttern die Weltbörsen

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Der heutige Kurssturz könnte der Beginn eines längerfristigen Stimmungsumschwungs sein, befürchten Experten.

(Foto: www.imago-images.de)

Wochenlang ging es an den Börsen zuletzt nach oben. Fest eingeplant hatten die Anleger dabei, dass die USA und China ihren Handelsstreit bald beilegen. Angeblich fehlte nur noch ein Termin für die Unterzeichnung eines Abkommens. Auf Twitter belehrt Trump die Optimisten eines Besseren.

Nach wochenlangen Anstiegen verzeichnen die Börsen von Ostasien bis Europa massive Kursrutsche. Auslöser für den abrupten Stimmungsumschwung waren zwei Tweets von Donald Trump. Darin - zwischen Unmutsäußerungen über den Verlauf von Amerikas berühmtesten Pferderennen und neuen Tiraden gegen die nun abgeschlossene Untersuchung von Sonderermittler Robert Mueller - kündigt der US-Präsident an, kommenden Freitag die Strafzölle auf chinesische Importe im Wert von Hunderten Milliarden Dollar massiv zu erhöhen.

An den Finanzmärkten war der chinesisch-amerikanische Handelsstreit in den vergangenen Monaten weitgehend in den Hintergrund getreten. In wenigen Tagen wurde eine weitere hochrangige Delegation aus Peking in Washington erwartet. Berichten zufolge berieten die beiden Regierungen schon über mögliche Termine zur Unterzeichnung eines Abkommens. Eine baldige Lösung des Konflikts hatten die meisten Anleger schon fest eingeplant. Trumps Tweets riefen die Gefahr einer Eskalation des Zollstreits mit massiven Auswirkungen für den Welthandel und die Konjunktur allen Teilen der Welt plötzlich wieder ins Gedächtnis.

Der Dax hatte gerade in der vergangenen Woche einen neuen Jahreshöchststand bei gut 12.400 Punkten erreicht. Nun rutschte er am Morgen direkt zum Handelsstart auf unter 12.200 Punkte ab.

Wahrscheinlichkeit für Scheitern "auf ein Drittel gestiegen"

"Die Risiken sind deutlich gestiegen und wir sehen eine Wahrscheinlichkeit von einem Drittel, dass die US-chinesischen Handelsgespräche scheitern", so Eli Lee, Chef-Investmentstratege der Bank of Singapore. Die US-Drohungen könnten aber auch nur Taktik sein, um maximalen Druck vor den kommenden Gesprächen zu erzeugen, spekuliert auch er. Andererseits könne Trump auch tatsächlich dazu neigen, auf ein Abkommen zu verzichten, sollte es ihm politisch nicht opportun erscheinen.

Zudem könnte allein Trumps Drohung ausreichen, die Verhandlungen vorerst zu beenden. Peking denkt angesichts der Drohungen offenbar über eine Verschiebung der ab Mittwoch eigentlich anstehenden nächsten Verhandlungsrunde in Washington nach.

In Schanghai brach der Leitindex Composite um 5,6 Prozent ein. An der kleineren Börse in Shenzhen rutschte der Index um über 7,4 Prozent nach unten. Der chinesische Yuan fiel auf den tiefsten Stand seit drei Monaten.

Während die wichtigen Börsen in Japan feiertagsbedingt nicht handelten, zeichneten sich die Schockwellen auch an Europas Handelsplätzen deutlich ab. Der deutsche Leitindex Dax verlor am Vormittag gut zwei Prozent. Auch der europäische Euro-Stoxx-50 fiel ebenfalls um zwei Prozent. Am stärksten unter Druck standen dabei die Sektoren, die viele ihrer Güter nach China verkaufen. Dazu gehört zum einen der Sektor der Automobilhersteller, der mit einem Minus von 3,5 Prozent am Mittag den größten Verlierer stellt. Aber auch die Hersteller von Luxusgütern, wie LVMH oder Kering, werden verkauft. 

"Alle, die im Vertrauen auf ein schnelles und erfolgreiches Ende der Zollverhandlungen Aktien gekauft haben, werden jetzt bitter bestraft", sagt Thomas Altmann von der Investmentfirma QC Partners. Er warnt, die neuen angedrohten US-Zölle könnten der Auslöser für eine nachhaltige Trendwende am zuletzt überkauften und überbewerteten Aktienmarkt sein.

Quelle: n-tv.de, mbo/dpa/DJ

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