Der Börsen-TagAutokrise: Metall-Tarifrunde wird kompliziert
Wenn heute die ersten regionalen Verhandlungen über die Tarifbedingungen in der Metall- und Elektroindustrie starten, steht mehr auf dem Spiel als ein paar Lohnprozente. IG Metall und Arbeitgeber verhandeln angesichts internationaler Krisen und steigender Inflation über die Zukunft des industriellen Kerns der größten Volkswirtschaft Europas. Betroffen sind rund 3,7 Millionen Beschäftigte in so unterschiedlichen Branchen wie Auto, Maschinenbau, Elektrotechnik oder Rüstungsgüter.
Nach einem aufwendigen Verfahren haben sich die regionalen Tarifkommissionen und der Bundesvorstand der IG Metall auf eine Forderung nach 5 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von zwölf Monaten verständigt. Ein Ausgleich der zuletzt stark angestiegenen Inflation gilt als Mindestziel. Gleichzeitig müsse über die Absicherung von Arbeitsplätzen und Standorten verhandelt werden, sagt die Vorsitzende Christiane Benner angesichts drohender Werkschließungen. Zudem will die Gewerkschaft in sogenannten "Boom-Unternehmen" die Beschäftigten am Gewinn beteiligen.
Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall sieht keinen Verteilungsspielraum und verweist auf die verschärfte Deindustrialisierung mit dem Verlust hunderttausender Arbeitsplätze in den vergangenen Jahren. Einer von mehreren Gründen dafür seien die hohen Lohnkosten. Vielen Unternehmen gehe es schlecht, sagt der neue Gesamtmetall-Präsident Udo Dinglreiter und gibt die Linie vor: "Wir haben in der kommenden Tarifrunde nicht den Luxus, über die Verteilung von Zuwächsen zu verhandeln. Jetzt muss es darum gehen, Kosten zu senken und den Standort zu retten."
