Lufthansa bleibt in der Warteschleife
Das Stühlerücken im deutschen Leitindex Dax bleibt aus. Wie die Indextochter der Deutschen Börse, ISS Stoxx, mitteilte, bleibt der Dax unverändert. Die Deutsche Lufthansa hat damit erneut die Rückkehr in die erste deutsche Börsenliga verpasst. Das Dax-Gründungsmitglied wartet seit sechs Jahren vergeblich auf ein Comeback. Bereits im März und Juni war sie knapp an der Hürde gescheitert. Sie bleibt damit weiterhin im Nebenwerteindex MDax.
2020 hatte die Corona-Krise die Fluggesellschaft zum Abstieg verurteilt. Der Passagierverkehr kam weltweit praktisch zum Erliegen, die Airline erlitt Milliardenverluste und musste mit einem Rettungspaket vom Staat gestützt werden. Die Aktien rauschten in der Folge auf ein Rekordtief von knapp über fünf Euro. Zwar lag der Kurs mit zuletzt 7,71 Euro wieder deutlich darüber, von den Höchstständen von 22 Euro zum Jahreswechsel 2017/2018 ist er aber meilenweit entfernt. Das Branchenumfeld bleibt mit den Kriegen in der Ukraine und dem Iran, die zu Luftraumsperrungen, Flugausfällen und stark gestiegenen Kerosinkosten führen, herausfordernd.
Gedämpfte Zinssorgen - Aktienkurse steigen
Die asiatischen Aktienmärkte legen zu, gestützt von nachlassenden Zinssorgen in den USA, nachdem ein hochrangiger Vertreter der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) die Erwartung einer baldigen Zinserhöhung gedämpft hat. Dies setzt den Dollar unter Druck und beflügelt im Gegenzug den japanischen Yen, der in dieser Woche um 2,6 Prozent auf 155,7 zum Dollar aufwertet. Fed-Gouverneur Christopher Waller sagte, jüngste Daten deuteten auf einige Anzeichen einer nachlassenden Inflation hin. Sollten kommende Berichte diesen Trend bestätigen, würde er es befürworten, die Zinsen bei der Sitzung in diesem Monat stabil zu halten. Daraufhin schraubten die Anleger ihre Erwartungen für eine Zinserhöhung in diesem Monat deutlich zurück.
"Waller stellt sich gegen die Kernaussage von Warsh aus der vergangenen Woche, wonach es kaum Beweise für einen Rückgang der Kerninflation gebe", schrieben Analysten von JPMorgan in einer Analyse. "Wir glauben, dass Vorsitzender Warsh eine Anhebung durchsetzen wird, wenn er sie befürwortet. Ohne seine Befürwortung bestärkt die Rede von Gouverneur Waller unsere Ansicht, dass die Hürde für Daten, die eine datenabhängige Mehrheit zu einer Anhebung in diesem Monat überzeugen könnten, hoch bleibt."
In Tokio legt der Nikkei-Index 0,9 Prozent auf 64.769,74 Punkte zu und der breiter gefasste Topix notiert 0,2 Prozent niedriger bei 4094,48 Zählern. Der Shanghai Composite gewinnt 0,6 Prozent auf 3966,13 Stellen. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen steigt 0,7 Prozent auf 4584,83 Punkte.
Konsum in Japan bricht überraschend stark ein
Die japanischen Verbraucher haben ihre Ausgaben im Juli überraschend stark gedrosselt und damit die Sorge vor einer schwachen Binnennachfrage geschürt. Die Haushaltsausgaben sanken um 3,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie aus Regierungsdaten hervorging. Dies war der stärkste Rückgang seit zweieinhalb Jahren und der achte Rückgang in Folge. Einem Ministeriumsvertreter zufolge gaben die Verbraucher zwar mehr für Unterhaltung und Haushaltswaren aus, sparten jedoch bei Lebensmitteln und Verkehr.
Grund dafür sind nach Einschätzung von Analysten die steigenden Lebenshaltungskosten. "Obwohl in den diesjährigen Frühjahrs-Lohnverhandlungen erneut hohe Lohnsteigerungen erzielt wurden, dürfte der Druck auf den Konsum zunehmen, da die höheren Preise künftig stärker durchschlagen werden", sagte Masato Koike, leitender Ökonom am Sompo Institute Plus. Die Daten werden von der japanischen Zentralbank genau beobachtet. Sie entscheidet noch in diesem Monat über eine mögliche Anhebung der Zinssätze. Die Kerninflation in Tokio, ein Frühindikator für die landesweite Entwicklung, hatte sich im August den dritten Monat in Folge beschleunigt.
Das ist los im frühen Devisengeschäft
Im asiatischen Devisenhandel gewinnt der Dollar 0,1 Prozent auf 155,97 Yen und legt leicht auf 6,7162 Yuan zu. Zur Schweizer Währung rückt er etwas auf 0,8077 Franken vor. Parallel dazu bleibt der Euro fast unverändert bei 1,1626 Dollar und zieht leicht auf 0,9391 Franken an.
It's Showdown!
Der Dax hat sein Wochenminus gestern etwas zurückgeschraubt. Der deutsche Börsenleitindex schloss 0,6 Prozent fester mit einem Stand von 26.003 Punkten, sodass sich der bisherige Wochenabschlag auf etwa 2,3 Prozent beläuft. Grund für das kleine Wochen-Zwischenhoch waren Aussagen eines Fed-Bankers, der erste deflationäre Tendenzen sieht und daher für eine Zinspause im September plädiert.
Zum heutigen Wochenschluss bleibt das Thema Geldpolitik aktuell, denn es gibt frische US-Arbeitsmarktdaten. Diese dürften zeigen, dass er sich wieder etwas berappelt hat. Für August erwarten Ökonomen einen Stellenaufbau von 56.000, nachdem im Juli überraschend unter dem Strich 23.000 Jobs weggefallen waren. Die Arbeitslosenquote könnte laut der Expertenschätzung bei 4,1 Prozent verharren. US-Notenbankchef Kevin Warsh hat die Lage am Arbeitsmarkt zuletzt als "recht stabil" beschrieben, jedoch Sorge über die hartnäckig hohe Inflation geäußert. An den Finanzmärkten wird daher über eine Zinserhöhung auf der Zentralbanksitzung Mitte des Monats spekuliert. Eine Stabilisierung des Jobmarkts könnte diese Erwartung bestärken.
Auf der Unternehmensseite steht ein Showdown an – bei Volkswagen: Der Aufsichtsrat kommt zusammen, um über den Spar- und Umbauplan von VW-Chef Oliver Blume zu beraten. Bei der Sitzung im Juli war das Vorhaben, das unter anderem den Abbau zehntausender Arbeitsplätze und das Auslaufen mehrerer Werke vorsieht, durch die Ablehnung der Arbeitnehmer und der Vertreter des Landes Niedersachsen gescheitert. Sollte es auch diesmal nicht gelingen, einen Kompromiss zu finden, könnten Insidern zufolge die Aktionäre bei einer außerordentlichen Hauptversammlung über das Vorhaben abstimmen.
Die komplette Terminvorschau für diese Woche finden Sie hier.