Der Börsen-Tag"Dynamischer" DAX-Ausbruch als Warnsignal
Die neue Börsenwoche wird zeigen, ob der DAX die am Donnerstag angefangene Rally nachhaltig fortsetzen kann. Schwache US-Konjunkturdaten und Aussagen aus der Europäischen Zentralbank (EZB) trieben den deutschen Leitindex zum Wochenausklang bis auf 18.846 Punkte. Damit lag er nicht nur erneut so hoch wie nie, sondern nahm auch erstmals die 19.000-Marke ins Visier. "Damit ist der Markt in dieser Woche um fast 800 Punkte oder vier Prozent gestiegen, der Börsenmonat Mai stellt sich in diesem Jahr also als Kauf- und nicht als Verkaufsmonat dar", sagt Jürgen Molnar, Stratege vom Broker CMC Markets. "Auf den ersten Blick könnte man also von einem nachhaltigen und dynamischen Ausbruch sprechen."
Experten mahnen allerdings zur Vorsicht: Bei den niedrigen Umsätzen an Christi Himmelfahrt und dem Brückentag am Freitag reichten deutlich weniger Orders aus, um die Börsen zu bewegen. "Jetzt muss der DAX zeigen, dass er seinen neuen Höchststand auch bei höherem Handelsvolumen verteidigen kann", sagt Thomas Altmann, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter QC Partners.
Aufschluss darüber dürften vor allem neue Konjunkturdaten geben, so die Experten der Helaba. Sie zeigen sich allerdings optimistisch: Die deutsche Konjunktur habe ihren Tiefpunkt hinter sich gelassen und nehme allmählich Fahrt auf. In der neuen Berichtswoche sei etwa mit einer erneuten Besserung des finanzmarktlastigen ZEW-Index zu rechnen. Das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) präsentiert die Ergebnisse seiner Umfrage unter Analysten und Anlegern zu den Aussichten für Mai morgen. Ökonomen erwarten einen Anstieg des Barometers für Deutschland auf 46 von zuvor 42,9 Punkten. "Somit stünden die Börsenampeln weiter auf grün, wenn nicht die US-Inflation dazwischen grätscht", schreiben die Helaba-Analysten.
Die US-Regierung veröffentlicht die Daten zur Inflationsentwicklung im April am Mittwoch. Im März stiegen die Verbraucherpreise um 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Sinkt die Teuerungsrate, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung noch in diesem Jahr durch die Notenbank Fed. Commerzbank-Ökonom Christoph Balz zeigt sich pessimistisch: "Der US-Notenbank wird es wohl vorerst nicht gelingen, die Inflation auf ihr Ziel von zwei Prozent zu drücken." Auch die Zahlen für April dürften erneut "recht hoch" ausfallen, wenn auch der Anstieg nicht ganz so stark ausfallen dürfte wie in den Vormonaten. Hintergrund seien unter anderem die steigenden Arbeitskosten im Dienstleistungssektor.
Bei den Unternehmen geht die deutsche Bilanzsaison weiter. Die Zahlen von zwölf DAX-Konzernen stehen an. Morgen gewähren der Pharma- und Agrarkonzern Bayer, der Rüstungskonzern Rheinmetall, der Chemikalienhändler Brenntag, der Rückversicherer Hannover Rück und Porsche SE einen Blick in ihre Bücher. Zur Wochenmitte legen die Energieriesen RWE und E.ON, der Pharmakonzern Merck, der Versicherer Allianz und die Commerzbank ihre Ergebnisse für das vergangene Quartal vor. Am Donnerstag folgen die Berichte der Deutschen Telekom und des Industriekonzerns Siemens.
Heute liegt das Augenmerk der Börsianer hierzulande vor allem auf den Aktien von Mercedes-Benz und der Deutschen Telekom. Die Gründe: Bei der Deutschen Telekom gehen die Tarifverhandlungen in die vierte Runde. Bei Mercedes-Benz in den USA wird über eine gewerkschaftliche Vertretung abgestimmt. Weitere wichtige Wochentermine finden Sie hier.