Der Börsen-TagMit Zinssorgen in den Herbst-Blues
Die trübe Stimmung der Dax-Anleger dürfte sich Strategen zufolge mit der Aussicht auf weiter steigende Zinsen kaum aufhellen. Zum Start in den Herbstmonat September verlor der Dax bei einem Stand von 26.046 Punkten am Freitag auf Wochensicht bereits rund 1,5 Prozent. Der Anstieg der Anleiherenditen rückte das Thema Staatsverschuldung in den Vordergrund und der andauernde Krieg im Nahen Osten treibt die Energiepreise. Eine Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank in der neuen Woche gilt unter den Marktteilnehmern deswegen als gesetzt, während der weitere Zinspfad in Europa und den USA ungewiss bleibt.
Das Klima an den Börsen dürfte den Herbst hindurch jedenfalls stürmisch bleiben. Einige Investoren gehen deswegen vorsichtiger vor. "Starke Fundamentaldaten sind an den Aktienmärkten weitgehend eingepreist, während Risiken an Gewicht gewinnen", sagt Peter Reichel, Chief Investment Officer bei ODDO BHF. Sein Haus reduziere deswegen die Aktienquote in den verwalteten Portfolios und gehe zu einer leichten Untergewichtung von Aktien über. Das robuste Gewinnwachstum der Unternehmen und die dynamischen Gewinnerwartungen hätten die Kurse gestützt, "doch auf immer neue positive Gewinnüberraschungen kann man nicht dauerhaft bauen", warnt Reichel.
Börsianer rechnen angesichts der Inflationsentwicklung fest damit, dass der EZB-Rat am Donnerstag den für die Geldpolitik maßgeblichen Einlagensatz um einen Viertelpunkt auf 2,50 Prozent anheben wird. Die Notenbank steht als Hüterin der Preisstabilität massiv unter Zugzwang. Infolge des vom Iran-Krieg ausgelösten Energiepreisschocks hat sich die Inflation mit 3,3 Prozent weit von ihrem Ziel von 2,0 Prozent entfernt. Nach der Zinserhöhung im Juni, der ersten seit fast drei Jahren, muss die EZB wohl nun nachlegen.
Noch ungewisser als die weitere Zinsentwicklung in der Euro-Zone ist die Frage, wie die Federal Reserve in der Woche darauf entscheiden wird. "Nach Kevin Warshs Rede in Jackson Hole wäre es aus meiner Sicht schädlich für das Vertrauen in die US-Notenbank, wenn sie dann – selbst gegen den Willen von Donald Trump – Amerikas Leitzinsen nicht anhebt", sagt Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck. Ein überraschend stark ausgefallener Stellenaufbau in den USA im August schürte am Freitag Spekulationen auf steigende Zinsen. Unter dem Strich entstanden 162.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft, Experten hatten nur mit 56.000 Jobs gerechnet.
Bei den Wirtschaftsdaten werden die Anleger zu Beginn der neuen Woche vor allem auf die deutsche Industrieproduktion für Juli sowie das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone im zweiten Quartal blicken. In den USA startet die Woche mit einem Feiertag (Labor Day), an dem die Aktienmärkte geschlossen bleiben.
Die komplette Terminvorschau für diese Woche finden Sie hier.
