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Patententzug ist Unsinn Biontech verdient zu Recht viel Geld 

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Der Biontech-Impfstoff ist hochwirksam - und macht Hoffnung, auf ein Ende der Pandemie.

(Foto: imago images/Italy Photo Press)

Biontech gerät in die Kritik. Die Forderung wird lauter, der Konzern solle Lizenzen für seinen Corona-Impfstoff  freigeben. Das ist eine ganz schlechte Idee. 

Linke Politiker, Aktivisten und ihre Sympathisanten haben inmitten der Pandemie ein neues Ziel gefunden: Biontech. Sie finden es nicht akzeptabel, dass Entwickler von lebensrettenden, hervorragenden Impfstoffen viel Geld verdienen. Und sie fordern, dass Pharmaunternehmen den Patentschutz verlieren. Mit anderen Worten: Sie wollen, dass Erfolg bestraft wird.

Selbstverständlich ist es wünschenswert, dass schnell mehr Impfstoff hergestellt wird. Doch die Produktion lässt sich nicht beschleunigen, indem einfach Lizenzen und Know-how geteilt werden. Die Herstellung der neuartigen Boten-RNA-Impfstoffe ist dafür viel zu komplex.

Unter anderem deshalb haben sich etwa Biontech oder Curevac größere Partner gesucht. Und sie sorgen längst dafür, was ihre Kritiker einfordern. Sie gehen Kooperationen inklusive Tech-Transfer ein und fahren dadurch die Produktion hoch. Nur ein Beispiel: Sanofi wird den von Biontech und Pfizer entwickelten Impfstoff wohl vom Sommer an in Frankfurt produzieren.

Das ist inmitten einer Pandemie ein langer Zeitraum. Aber man kann Werke nicht einfach mal eben umbauen und die Impfstoff-Produktion anwerfen. Der Verlust von Patentrechten würde schnell keine neuen Kapazitäten schaffen.

Er würde stattdessen immensen Schaden anrichten. Wenn Unternehmen damit rechnen müssen, dass sie Lizenzen und Patente verlieren, schwindet der Anreiz, Medikamente oder Impfstoffe zu entwickeln. Denn sie stecken hohe Summen in die Entwicklung, ohne zu wissen, ob ihre Produkte überhaupt die Marktreife erlangen. Das ist ein immenses Risiko, bei dem bei den meisten Projekten viel Geld versenkt wird. Genau deshalb sind sie auf die wenigen Blockbuster angewiesen, die ihnen weitere Forschung und Entwicklung ermöglichen.

Falscher Weg

Ja, die Bundesregierung hat Impfstoff-Firmen mit viel Geld unterstützt, aber erst dann, als es wahrscheinlich war, dass sie tatsächlich die dringend benötigten Vakzine entwickeln können. Vorher sind die Firmen und Investoren jahrelang voll ins Risiko gegangen, als die Erfolgsaussichten völlig unklar waren. Ohne dieses Risiko würde es weder den Biontech-Impfstoff geben noch würde mit dem von Curevac das nächste erfolgversprechende Produkt aus Deutschland kurz vor der Zulassung stehen.

Es ist völlig in Ordnung, dass hohes Risiko bei Erfolg mit hohen Gewinnen belohnt wird. Genau deshalb gibt es so viele Innovationen im Kapitalismus - von denen wir alle profitieren. Es ist schon peinlich: Da wird Biontech und anderen Impfstoff-Entwicklern vorgeworfen, zu hohe Preise zu verlangen. Unabhängig davon, dass völlig unklar ist, wie viel Geld die Unternehmen an den Vakzinen überhaupt verdienen: Die Preise sind lächerlich in dem Verhältnis zu den wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und psychologischen Kosten, die ein Lockdown verursacht.

Den Unternehmen, die in Rekordzeit hochwirksame Impfstoffe fertigstellen, die Patente zu entziehen, ist völlig absurd. Für Konzerne, Startups wäre das zudem ein fürchterliches Signal - und für den Forschungsstandort Deutschland fatal.

Es sind doch nicht die Impfstoff-Entwickler oder der Markt, die in der Pandemie versagen. Für diesen Vorwurf ist die Politik der richtige Adressat. Lockdown-Kakofonie, gravierende Fehler bei der Bestellung oder weit verbreitete Konzeptlosigkeit: beim Umgang mit der Pandemie ist dort - freundlich ausgedrückt - jede Menge Luft nach oben.

Seien wir froh, dass wenigstens die Impfstoffe da sind. Zig Millionen Dosen werden in den kommenden Wochen ausgeliefert. Wenn es der Politik gelingt, für eine reibungslose und gerechte Verteilung zu sorgen, rückt damit das Ende der Pandemie in Sicht.

Mit dem Entzug von Patenten steigt die Gefahr, dass es in der nächsten Krise so schnell keinen Impfstoff geben wird.

Quelle: ntv.de