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So geht es unserer Wirtschaft Die Stimmung ist schlechter als die Lage

Wolken ziehen über Baukräne auf einer Großbaustelle hinweg. Foto: Silas Stein/dpa/Archivbild

Die Baubranche brummt.

(Foto: Silas Stein/dpa/Archivbild)

"Der Aufschwung ist beendet", stellen die Wirtschaftsweisen fest. Ein Konjunkturpaket halten sie trotzdem für unnötig. Dabei ergibt es für die Bundesregierung durchaus Sinn, auf Pump zu investieren.

Aufschwung? Von wegen! Die deutsche Wirtschaft befindet sich im Kriechgang. Behalten die so genannten Wirtschaftsweisen Recht, ändert sich das so schnell nicht. Ein halbes Prozent Wachstum in diesem Jahr und auch im nächsten - rechnet man die vier zusätzlichen Arbeitstage im Jahr 2020 heraus. Das klingt unerfreulich.

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Ulrich Reitz leitet die n-tv-Wirtschaftsredaktion.

Ja, Deutschland steht vor mageren Zeiten. Nach zehn goldenen Jahren kommt jetzt der Abschwung. Und der zieht sich hin. Die Gründe? Exportprobleme, angeheizt durch den Handelskrieg zwischen den USA und China. Durchschnittlich 21 Prozent Zoll erheben die Amerikaner auf China-Importe - das ist sieben Mal so viel wie noch zu Beginn des vergangenen Jahres. Das drückt auf den Welthandel, der ebenfalls schrumpft. Außerdem trübt der nach wie vor ungelöste Brexit-Streit die Stimmung der Unternehmen. Dass wir Deutschen technologische Kompetenz an die USA und China leichtfertig abgegeben haben, verstärkt die Sorgen.

Halt! Ganz so schlimm, wie die Ökonomen uns Glauben machen wollen, wird es nicht. Die Stimmung ist viel schlechter als die Lage. Ein Beispiel: So wie es aussieht, will US-Präsident Donald Trump auf EU-Autos nun doch keine Strafzölle erheben. Und auch bei seinen Zänkereien mit China bahnt sich so langsam eine Entspannung an.

Außerdem floriert nach wie vor unsere Binnenwirtschaft. Der private Konsum und die Baubranche brummen. Hier - da haben die Wirtschaftsweisen recht - bringt ein Konjunkturprogramm kaum etwas. Damit lassen sich wegbrechende Maschinenexporte, die auf einer schwächeren Weltwirtschaft fußen, nicht kompensieren. Das Festhalten an der "schwarzen Null" ist dennoch ökonomischer Nonsens. Die Infrastruktur und die technologische Ausstattung in Deutschland gelten in weiten Teile als marode. Da ergeben Investitionen, auch auf Pump, wirklich Sinn.

Wichtig ist auch, die heimischen Firmen zu entlasten - mit einer Unternehmenssteuerreform und komfortableren Abschreibungsmöglichkeiten. Das würde die Unternehmen für den weltweiten Wettbewerb stärken. Und das wäre in unser aller Interesse.

Quelle: n-tv.de

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