Marktberichte

Dax knapp über 10.000 27 von 30 Dow-Werten sacken ab

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(Foto: REUTERS)

Verluste verbucht der Dax auch am zweiten Handelstag der Woche - und diesmal wesentlich deutlichere als am Vortag. Enttäuschende Daten aus China schüren Sorgen um die Weltkonjunktur und schlagen den Anlegern am deutschen Aktienmarkt aufs Gemüt.

Deutliche Verluste verzeichnete der Dax nach enttäuschenden Konjunkturdaten aus China. In der Volksrepublik China war die Industrieproduktion im August abermals zurückgegangen und hat damit die Furcht vor einer immer stärker abflauenden Konjunktur in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt genährt. Auch der Dienstleistungssektor, der zuletzt immer noch für Hoffnung gesorgt hatte, verlor an Schwung.

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In China ist der offizielle Einkaufsmanagerindex (PMI) von 50,0 im Juli auf 49,7 Punkten im August gefallen und damit auf ein Dreijahrestief. Analysten hatten damit zwar gerechnet, gleichwohl überlagert die Sorge vor einer auf die Weltkonjunktur überspringenden Wirtschaftsschwäche in China am Dienstag alles. In Tokio knickte der Nikkei-Index um 3,8 Prozent ein, obwohl das Minus in Shanghai mit 1,2 Prozent eher moderat ausfiel.

Der deutsche Leitindex fiel in Frankfurt um 2,4 Prozent und konnte sich am Ende nur knapp über der 10.000-Punkte-Marke halten. Der September gilt historisch betrachtet als schwächster Börsenmonat. Seit 1959 fiel im September im Dax im Durchschnitt ein Minus von 1,8 Prozent an. Und: seit 1959 hat sich einem schwachen August meistens auch ein schwacher September angeschlossen. Allerdings beendete der Dax in den meisten Fällen die Schwäche Ende September oder Anfang Oktober und kehrte danach in den übergeordneten Aufwärtstrend zurückkehrte.

Die europäischen Börsen können sich den Vorgaben nicht entziehen, auch weil die Einkaufsmanagerindizes aus Frankreich, Deutschland und der Eurozone keine positiven Überraschungen parat haben. Sie weichen in den Zweitlesungen nur knapp von den ersten Schätzungen ab. Der italienische Index ist allerdings in erster Lesung deutlich schwächer ausgefallen als erwartet, liegt aber mit 53,8 weiter klar im auf Expansion hindeutenden Bereich.

Neben der Sorge um China beschäftigten die großen Indizes die Marktteilnehmer. Für die europäischen Indizes stehen die Veränderungen nun fest: "Fresenius und Safran rein in den Euro-Stoxx-50 und RWE und Repsol raus, das war zuvor auch die Erwartung", sagte ein Händler. Auch im Stoxx-50, in dem Intesa Sanpaolo und Imperial Tobacco die Titel BHP Billiton und Glencore ersetzen, decken sich die am späten Montag mitgeteilten Änderungen mit den Prognosen von Indexanalysten.

"Schwerwiegender sind die Änderungen im Euro-Stoxx-50, denn dort ist deutlich mehr passiv verwaltetes Fondsvermögen investiert", sagte der Händler. Das bedeutet, dass Fonds die Änderungen nachbilden, die Neulinge entsprechend ihrer Gewichtung also kaufen müssen. Am Dienstag können sie davon aber noch nicht profitieren, sondern fallen mit dem Gesamtmarkt zurück.

Deutschland: RWE-Aktie markiert neuen Tiefpunkt

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Der Dax schloss am Ende 2,4 Prozent leichter bei 10.016 Punkten - sein Tagestief hatte er zuvor bei 9929 Punkten markiert. Beim Nebenwerte-Index MDax zeigte sich ein Minus von 2,0 Prozent auf 19.292 Zähler. Für den TecDax ging es 2,5 Prozent nach unten auf 1664 Punkte, um 2,7 Prozent fiel auch der Euro-Stoxx-50 zurück.

Zu den größten Dax-Verlierern zählten Bayer mit einem Abschlag von 3,2 Prozent und Infineon mit minus 3,1 Prozent. Ganz unten landeten jedoch ThyssenKrupp mit einem Verlust von 3,4 Prozent.

Die Analysten der Bank of America hatten nach Aussage aus dem Handel die Aktie von Munich Re wieder mit "Kaufen" aufgenommen, die Aktie schloss mit einem Abschlag von 0,8 Prozent vergleichsweise stabil.

Die Aktien von RWE waren auf neue zyklische Tiefs gefallen. Der Kurs konnte das bisherige Tief von 13,10 Euro nicht mehr verteidigen. "Da kommt einiges zusammen", sagte eine Marktteilnehmerin zum bevorstehenden Abstieg aus dem Euro-Stoxx-50 und zur Diskussion um Dividendenkürzungen. "Wenn es so weiter geht, ist auch der Dax-Platz gefährdet", warnte sie. Am Ende schloss die Aktie mit minus 2,2 Prozent auf 13,11 Euro.

Im TecDax standen Manz mit einem Plus von 1,2 Prozent an der Spitze. Das Unternehmen hat einen Großauftrag über zwölf Millionen Euro erhalten.

USA: Wall Street startet mit deutlichen Verlusten

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Nach einem tiefroten Start scnraubten sich die US-Aktienmärkte immer weiter abwärts. Neue Schwächesigna le aus der chinesischen Industrie verdarben den Anlegern jegliche Kauflust und lösten eine neue Verkaufswelle aus, die sich im späten Geschäft nochmals beschleunigte. 27 der 30 Werte im Dow verloren 2 Prozent oder mehr. Der Dow-Jones-Index fiel um 2,8 Prozent auf 16.058 Punkte, der S&P-500 gab 3 Prozent nach auf 1914 Punkte und der Nasdaq-Composite verlor 2,9 Prozent auf 4636 Punkte.

Auch amerikanische Daten konnten nicht überzeugen. Zwar entsprach der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende US-Gewerbe genau den Erwartungen, doch der Index des Institute for Supply Management (ISM) enttäuschte, fiel er doch auf den tiefsten Stand seit über zwei Jahren. Hinweise auf die Terminierung der avisierten Zinserhöhung in den USA ließen sich daraus indes kaum ableiten.

Energiewerte gehörten zu den schwächsten Sektoren. Exxon verloren 4,2 Prozent und Chevron 3,5 Prozent.  Bei den übrigen Einzelwerten standen Valeant Pharmaceuticals im Fokus, nachdem die Kanadier ein Abkommen mit dem Pharmariesen AstraZeneca über die Rechte zum Verkauf des Medikaments Brodamulab gegen Schuppenflechte eingegangen sind. Valeant nimmt damit quasi den Platz von Amgen ein. Amgen hatte sich aus dem Projekt mit AstraZeneca verabschiedet wegen Zweifeln an der Wirksamkeit des Präparats. Die Valeant-Aktie notierte 2,9 Prozent niedriger, Amgen 2,8 Prozent.

Asien: Nikkei bricht ein, Shanghai hält Verluste in Grenzen

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Belastet von den schwachen chinesischen Konjunkturdaten haben die Börsen in Asien ihre Talfahrt am Dienstag fortgesetzt. Angesichts der Abwärtsdynamik sorgen sich immer mehr Beobachter über eine stärkere Abkühlung der chinesischen Wirtschaft, die auch andere Länder erfassen könnte.

Am stärksten bergab mit den Kursen ging es in Tokio. Der Nikkei-225 verlor 3,8 Prozent auf 18.166 Punkte. Dass Morgan Stanley die Verluste japanischer Aktien für übertrieben hält und Anleger zum Kauf ermutigte, half der Tokioter Börse nicht.

In Shanghai nahm sich das Minus vergleichsweise moderat aus; dort verloren die Kurse im Schnitt 1,2 Prozent. Damit zeigte sich der Shanghai-Composite-Index aber von einem zunächst fast fünfprozentigen Einbruch deutlich erholt. Zudem hatte bei dem frühen Rücksetzer die psychologisch wichtige 3000er Marke gehalten. "Es ist die Fortsetzung der gleichen Sorgen - Sorgen über die Fed und China", kommentiert Shane Oliver, Investmentstratege bei AMP Capital, die trübe Stimmung an den Börsen.

Den Kursrücksetzer in Tokio erklärten Beobachter mit Befürchtungen, dass die Konjunkturschwäche in China auf andere Länder übergreifen könnte. Vor allem könnten Handelspartner in Südostasien, Rohstofflieferanten wie Brasilien oder Exportziele wie Deutschland betroffen sein, erklärt Rakuten-Securities-Chefstratege Masayuki Kubota. "Die Verschlechterung der Weltwirtschaft beunruhigt", so Kubota.

Unter den Einzelwerten in Tokio verbilligten sich Toshiba um 5,3 Prozent. Wegen Bilanzunregelmäßigkeiten hat das Unternehmen die eigentlich für den gestrigen Montag angekündigte Veröffentlichung seiner Zahlen für das im März beendete Geschäftsjahr erneut verschoben.

Devisen: Euro steigt kurzzeitig über 1,13 Dollar

Der Kurs des Euro ist zeitweise über die Marke von 1,13 US-Dollar gestiegen. Die erneut von China ausgehenden Kursturbulenzen und schwache US-Konjunkturdaten haben laut Händlern Zweifel an einer baldigen Leitzinsanhebung in den USA geschürt. Am späten Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,1260 Dollar. Zwischenzeitlich war der Euro sogar bis auf 1,1332 Dollar gestiegen. In der Nacht hatte der Euro noch knapp über der Marke von 1,12 Dollar notiert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittag auf 1,1236 (Montag: 1,1215) Dollar festgesetzt.

Zunächst haben schwache Industrieindikatoren aus China die Börsen erneut auf Talfahrt geschickt. Belastet wurde dadurch der Dollar. Das schwächere Wirtschaftswachstum in China und die Aktienmarktturbulenzen könnten auch den Aufschwung in den USA gefährden. Eine Leitzinsanhebung im September durch die US-Notenbank (Fed) werde so weniger wahrscheinlich, begründeten Händler die Dollar-Verluste. Neben dem Euro profitierte vor allem der japanische Yen von der Entwicklung.

Rohstoffe: Bewegung beim Öl

Am Rohstoffmarkt drückten Gewinnmitnahmen die Ölpreise. Nordseeöl der Sorte Brent und das US-Leichtöl WTI verloren in der Spitze je etwa 4,5 Prozent auf 51,70 und 47,02 Dollar je Fass. Damit büßten beide Sorten etwa die Hälfte des Vortagesgewinns wieder ein. Die Revision der Ölförderdaten durch die US-Energiebehörde EIA hatte gezeigt, dass in den USA in den vergangenen Monaten weniger Öl als gedacht gepumpt worden war.

Zudem hatte sich die Opec besorgt über den jüngsten Preisverfall gezeigt und angekündigt, mit anderen Produzenten das Gespräch zu suchen. Allein seit Anfang Mai ist der Brent-Preis um rund 23 Prozent eingebrochen, da Anleger ein Überangebot bei zugleich sinkender Nachfrage fürchten.

Quelle: n-tv.de, kst/wne/DJ/rts/dpa

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