Marktberichte

Anleger schieben Sorgen beiseite Corona-Krise? US-Börsen wieder klar im Plus

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An der Wall Street geht es aufwärts, zumindest auf dem Börsenparkett.

(Foto: AP)

Die Nachrichten von der Corona-Front werden in den USA immer düsterer - an der Börse ist davon allerdings wenig zu spüren. Die drei großen Indizes Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq Composite beenden die Woche mit einem klaren Plus.

Die US-Börsen haben sich zum Ende der Handelswoche mit Aufschlägen gezeigt. Nachdem zuletzt vor allem Technologiewerte gefragt waren, blieben diese nun etwas zurück. Die Indizes bewegten sich weiterhin in einem volatilen Marktumfeld. Der Dow-Jones-Index gewann 1,4 Prozent auf 26.075 Punkte, während der S&P-500 um 1,1 Prozent höher schloss. Für den Nasdaq-Composite ging es um 0,7 Prozent aufwärts. Dabei gab es insgesamt 2.284 (Donnerstag: 787) Kursgewinner und 710 (2.195) -verlierer. Unverändert schlossen 62 (70) Titel.

Die Corona-Krise blieb das alles beherrschende Thema an den internationalen Finanzmärkten und somit auch in den USA. Dort hatte die Zahl der Neuinfektionen am Donnerstag erneut ein Rekordniveau erreicht. Die Anleger schoben zum Ende der Woche die Corona-Sorgen jedoch etwas beiseite und setzten auf die globalen Stimulierungsmaßnahmen, um die Weltwirtschaft anzukurbeln. Gestützt wurde das Sentiment zudem von Meldungen von Fortschritten bei der Medikamenten-Entwicklung gegen Covid-19.

Impfstoff-Hoffnungen stützen Biontech

S&P 500
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Ein Impfstoff gegen Covid-19 lässt zwar weiter auf sich warten, Fortschritte gibt es aber bei der Entwicklung. So erwartet Biontech, das zusammen mit Pfizer einen Corona-Impfstoff entwickelt, bis Ende des Jahres die Zulassung beantragen zu können. Rund 300 Millionen Dosen könnten bereits vor Zulassung des Impfstoffs produziert werden und über eine Milliarde bis Ende 2021, sagte Mitbegründer und CEO Ugur Sahin dem Wall Street Journal. Biontech stiegen um 7,2 Prozent, Pfizer rückten 1,1 Prozent vor.

Hoffnung gibt es auch, dass sich die durch das Virus hervorgerufene Erkrankung Covid-19 bald besser behandeln lässt. Das Medikament Remdesivir von Gilead Science hat sich nach Unternehmensangaben in klinischen Studien bewährt. Das Sterberisiko der betroffenen Patienten sei durch die Gabe von Remdesivir um 62 Prozent gesunken, teilte Gilead mit. Die Gilead-Aktie erhöhte sich um 2,2 Prozent.

Die Aktie von Netflix sprang um 8,1 Prozent nach oben auf 548,73 Dollar. Bei 555,88 Dollar hatte sie ein Rekordhoch markiert. Gestützt wurde die Aktie von einem positiven Analystenkommentar. Alex Giaimo von Jefferies hatte eine Umfrage unter den Abonnenten des Streaming-Anbieters vorgenommen, die ergab, dass die Kunden Netflix wegen des selbst produzierten Programmangebots anderen Anbietern vorziehen. Damit könne Netflix die Abwanderungsrate in Grenzen halten und die Ausgaben für die Programminhalte kontrollieren.

Motorradhersteller Harley Davidson kündigte den Abbau von 700 Arbeitsplätzen bzw. 13 Prozent der Belegschaft an. Dem Unternehmen macht die Corona-Krise zu schaffen. Der Aktienkurs legte 2,5 Prozent zu. Beim Einzelhändler Express läuft dagegen das Geschäft mit der Wiedereröffnung von Filialen allmählich wieder an. Mit der Aktie ging es um 2,0 Prozent aufwärts.

Im Dow gewannen Raytheon 2,6 Prozent. Die Analysten von Vertical Research Partners hatten die Aktie des Rüstungs- und Luftfahrtunternehmens auf "Buy" von "Hold" hochgestuft.
Das Biopharma-Unternehmen Nkarta gab sein Börsendebüt an der Nasdaq. Der Ausgabekurs für die Aktie lag bei 18 Dollar je Titel. In den Handel startete sie bei 54,75 Dollar und erreichte bei 58,69 Dollar ihr Tageshoch. Die Aktie ging mit 47,90 Dollar aus dem Handel. Das in San Francisco ansässige Unternehmen hatte am Donnerstag das Volumen des Börsengangs auf 13 Millionen Aktien zu einem erwarteten Preis von 16 bis 17 Dollar je Aktie erhöht. Zuvor war geplant nur 10 Millionen Aktien zu 14 bis 16 Dollar das Stück anzubieten.

Die Agenda der Konjunkturdaten war übersichtlich. Veröffentlicht wurden nur die Erzeugerpreise aus dem Juni, die entgegen den Erwartungen zurückgingen. Die Preise sanken im vergangenen Monat um 0,2 Prozent insgesamt bzw um 0,3 Prozent in der Kernrate. Volkswirte hatten insgesamt einen Anstieg um 0,4 Prozent und um 0,1 Prozent in der Kernrate erwartet.

Goldpreis kommt zurück

Mit der gestiegenen Risikofreude der Anleger ließ die Nachfrage nach vermeintlich sicheren Anlagen nach. Am Anleihemarkt stieg die Rendite zehnjähriger US-Anleihen bei sinkenden Notierungen 2,5 Basispunkt auf 0,63 Prozent. Auch der Goldpreis kam zurück. Der Preis für die Feinunze fiel um 0,2 Prozent auf 1.799 Dollar.

Am Ölmarkt stiegen die Preise gestützt von den Hoffnungen auf eine baldige Wirtschaftserholung. Einem Bericht der International Energy Agency zufolge sind die schlimmsten Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die weltweite Öl-Nachfrage vorüber, jedoch dürften sich in der zweiten Jahreshälfte noch Nachwirkungen ergeben, wenn sich der Markt langsam erholt. Der Preis für das Barrel US-Rohöl der Sorte WTI stieg um 2,2 Prozent auf 40,51 Dollar. Brentöl legte um 2,0 Prozent zu auf 43,18 Dollar.

Am Devisenmarkt zeigte sich der Dollar etwas schwächer. Der Dollar-Index fiel 0,1 Prozent. Der Euro notierte bei 1,1303 Dollar gegenüber 1,1269 am Freitagmorgen. Mittelfristig könnte die Gemeinschaftswährung zum Hort der Stabilität werden, meinte die Commerzbank. Die Experten halten es für wahrscheinlich, dass in den kommenden Monaten unter der EU-Ratspräsidentschaft Deutschlands ein Kompromiss zum EU-Wiederaufbauplan gefunden wird. Dann wäre die "innere Zerrissenheit" in der EU für den Markt kein Thema mehr und damit auch kein Belastungsfaktor für den Euro. Die vielen Unterstützungsmaßnahmen der Regierungen in Europa für ihre Volkswirtschaften sollten zudem nach und nach greifen und das Vertrauen der Investoren in den Euro festigen.

Demgegenüber dürften es in den kommenden Wochen und Monaten die Vereinigten Staaten sein, die im Präsidentschaftswahlkampf innerlich immer zerrissener erschienen. Dazu geselle sich ein (augenscheinlich unkontrollierbarer) Verlauf der Corona-Pandemie in den USA mit ihren gravierenden wirtschaftlichen Folgen. Und schlussendlich sei der Zinsvorteil des Dollar gegenüber dem Euro nur noch marginal und damit kein großes Argument mehr zugunsten des Greenback.

Quelle: ntv.de, vpe/DJ