Marktberichte

Wall Street im Minus Dax lässt nach Rekord ordentlich Federn

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Mit Verlusten schließt der Dax erstmals seit elf Handelstagen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Nein, es wird heute nicht der elfte Schlussrekord in Folge für den Dax. Zwar zeigt der deutsche Leitindex im Verlauf ein neues Allzeithoch - am Ende belasten jedoch Gewinnmitnahmen und schwache US-Börsen.

Einmal Stärke zeigen, danach zog sich der Dax zurück - um am Ende einen kräftigen Verlust zu verbuchen. Trotz der nachlassenden Aufwärtsdynamik hatte er zuvor im Vormittagshandel ein neues Allzeithoch mit gut 11.465 Punkten markiert. Gegen Ende des Handelstages folgte der deutsche Leitindex den US-Börsen nach unten und rutschte sogar unter die Marke von 11.300 Punkten.

Dax
Dax 12.338,05

Die Strecke des Dax von zehn Schlussrekorden in Folge reizte zu Gewinnmitnahmen: "Die Börse ist keine Einbahnstraße", sagte ein Händler. Einen speziellen Anlass für den Rücksetzer gebe es nicht.

Auf der Nachrichtenseite sah es eher mau aus. Die bisher gute Berichtssaison läuft mit dieser Woche langsam aus. Für zwischenzeitlich gute Stimmung sorgten allerdings die am Morgen veröffentlichen Einzelhandelsdaten für Januar: Ökonomen hatten erwartet, dass die Umsätze nach drei monatlichen Zuwächsen in Folge leicht sinken würden. Stattdessen stiegen sie um 2,9 Prozent. Das könnte die Konjunktur weiter beflügeln: Der private Konsum hat im vierten Quartal bereits für rund die Hälfte des deutschen Wirtschaftswachstums gesorgt.

In der zweiten Wochenhälfte werde an der Börse dann vor allem auf die Sitzung der Europäischen Zentralbank und auch nach China geschaut, meinte ein Händler. Dort trifft sich der Nationale Volkskongress zu seinen Beratungen. Nachdem die chinesische Notenbank am Wochenende überraschend die Zinsen senkte, wird es spannend zu sehen, wie hoch das Wachstumsziel für 2015 ausfällt. Beobachter rechnen mit 7,0 Prozent.

Deutschland: Merck nach positiven Zahlen mit Gewinnen

Der Dax schloss nach seinem Rekordstand bei 11.465 Punkten am Vormittag am Ende mit einem Verlust von 1,1 Prozent bei 11.280 Punkten. Der Nebenwerte-Index MDax verlor sogar 1,3 Prozent auf 19.884 Zähler und rutscht damit wieder unter die 20.000-Punkte-Marke.

Der technologielastige TecDax sank um 1,1 Prozent auf 1568 Punkte. Der Euro-Stoxx-50 büßte 1,0 Prozent ein und fiel auf 3554 Punkte.

Am Ende des Tages gab es kaum noch Gewinner im Dax. Einer war jedoch die Aktie von Lufthansa mit einem Plus von 0,8 Prozent. Merck kletterten um 0,5 Prozent nach oben und landeten auf Platz zwei. Das Quartalsergebnis des Pharma- und Spezialchemiekonzerns habe leicht über den Erwartungen gelegen, schrieb DZ Bank-Analyst Peter Spengler in einem Kommentar. Der Ausblick für 2015 sei aber zurückhaltend.

Weit hinten landeten hingegen Deutsche Telekom, die 2,0 Prozent im Minus schlossen. "Die Konsolidierungsfantasie in der Branche verflüchtigt sich", sagte ein Händler. "Stattdessen konsolidieren nun die Kurse", ergänzt er. Orange strebt nach eigenen Angaben derzeit keinen Zusammenschluss mit Telecom Italia an.

Besonders schwach waren die Autowerte: Volkswagen verloren 2,4 Prozent, BMW sogar 2,8 Prozent und der Zulieferer Continental 2,6 Prozent.

 

Evonik
Evonik 24,94

Der im MDax gelistete Chemiekonzern Evonik hatte die Erwartungen der Analysten erfüllt - er rechnet in diesem Jahr mit steigenden Umsätzen und Gewinnen. Die Aktie stieg um 1,9 Prozent.

Im TecDax zogen Manz nach dem Erhalt eines weiteren Großauftrags um 3,5 Prozent an, im SDax Heidelberger Druck um 5,7 Prozent nach der Übernahme der niederländischen Printing Systems, die auf den Verkauf von Service- und Verbrauchsmaterialien spezialisiert ist.

Der Dachziegelhersteller Braas Monier will erstmals eine Dividende zahlen. Das trieb den Kurs um 3,6 Prozent an.

Bei den Analystenkommentaren überwogen negative Urteile. Die Commerzbank hatte die Aktien der MDax-Titel ElringKlinger und von Hannover Rück heruntergestuft. Die Kursverluste reichten von 1,2 Prozent bei Hannover Rück bis zu 3,0 Prozent bei ElringKlinger. Die im TecDax gelisteten Software AG gewannen dagegen 4,1 Prozent, nachdem die Berenberg Bank die Aktie hochgestuft hatte.

USA: Gewinnmitnahmen nach Rekordlauf

Dow Jones
Dow Jones 26.482,00

Nach der Rekordjagd des Vortages wurden an der Wall Street am Dienstag Gewinne mitgenommen, insbesondere nachdem der Nasdaq-Composite erstmals seit 15 Jahren wieder die Marke von 5.000 Punkten erklommen hatte. Frische Impulse gab es kaum und wichtige Konjunkturdaten standen ebenfalls nicht zur Veröffentlichung an, was die Bereitschaft Kasse zu machen fördern dürfte.

Der Dow-Jones-Index verlor 0,5 Prozent und schloss bei 18.203 Punkten, der Nasdaq-Composite sank um 0,6 Prozent auf 4.979 Zähler, und der marktbreite S&P-500 fiel um 0,5 Prozent auf 2107 Punkte zurück.

Für Bewegung sorgten die Verkaufszahlen der Autobauer für den Monat Februar. Am US-Automarkt ging es zwar weiter bergauf, aber längst mehr so deutlich wie noch in den vergangenen Monaten. Ein Grund dürfte die Kältewelle sein, die Teile der USA im Griff hat. Dabei sorgen weiter niedrige Benzinpreise und günstige Kreditkonditionen grundsätzlich für eine hohe Kaufbereitschaft.

Rohstoffe: Brent testet 60-Dollar-Marke

Rohöl (Brent)
Rohöl (Brent) 61,77

Nachdem Kursverluste bei Aktien aus dem Öl- und Gassektor am gestrigen Montag noch belasteten, werden sie heute mit einer Erholungsbewegung erwartet. Grund ist, dass das Brent-Öl erfolgreich die Unterstützung bei 60 Dollar getestet hat und nun wieder steigt. Am Abend kostet es 61,02 Dollar nach einem Tief unter 59,50 am Vortag.

Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg auf 50,52 Dollar. Nach einem Einbruch um über die Hälfte haben sich die Ölpreise seit einigen Wochen auf dem aktuellen Niveau stabilisiert. Das hohe Angebot an Rohöl ist aber weiter das beherrschende Thema an den Märkten.

Der Preiseinbruch hat in der US-Schieferölindustrie Spuren hinterlassen. So wurde zuletzt eine große Zahl wenig ertragreicher Bohrungen aufgegeben. Beobachter gehen jedoch davon aus, dass die Produktion lediglich in ertragreichere Gebiete verlagert wurde.

Devisen: Euro unter 1,12 Dollar

Der Euro hat um die Marke von 1,12 US-Dollar geschwankt. Anfänglichen Gewinnen folgten rasche Verluste, am Nachmittag tendierte die Gemeinschaftswährung wieder etwas fester. Im späten US-Handel kostete ein Euro 1,1175 Dollar und damit fast so viel wie am Morgen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,1168 (Montag: 1,1227) Dollar festgelegt. Der Dollar kostete damit 0,8954 (0,8907) Euro.

Asien: Gewinnmitnahmen an Tokios Börse

Nach Rekordhöhen an der Wall Street haben am Dienstag auch die meisten Aktienmärkte in Fernost zugelegt. Der MSCI-Index für die Region Asien-Pazifik mit Ausnahme Japans tendierte 0,2 Prozent im Plus. In Tokio gab der Nikkei-Index allerdings anfängliche Gewinne wieder ab und ging mit einem Minus von knapp 0,1 Prozent bei 18.815 Zählern aus dem Handel. Damit lag der Wert aber weiter in der Nähe seines zuletzt erzielten 15-Jahres-Hochs. In den USA war zum Wochenauftakt der Index der Technologiebörse Nasdaq erstmals seit 15 Jahren wieder über die Marke von 5000 Punkten gestiegen.

In Tokio nahmen Investoren nach der Rally Gewinne mit. Zudem drückte die Erholung des Yen etwas auf die Stimmung. Ein schwacher Yen hilft vor allem exportorientierten Firmen. Unter die Räder kamen in Japan vor allem die Aktien von Sharp, die zeitweise um knapp zehn Prozent abstürzten. Der Elektronik-Konzern braucht einem Insider zufolge weitere Hilfen seiner größten Kreditgeber. Sie seien wegen hoher Verluste nötig.

Quelle: n-tv.de, kst/jwu/DJ/rts

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