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Wall Street baut Gewinne aus Dax macht Jagd auf die 11.000er-Marke

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(Foto: imago stock&people)

Nach oben geht es mit dem deutschen Aktienmarkt im Anschluss an den Super-Oktober auch im November. Für Kauflaune sorgen starke Daten zur Eurozonen-Industrie, schwache Daten aus China schocken hingegen nur kurz. Überzeugen kann zudem die Coba-Aktie.

Die Jahresendrally ist in vollem Gang: Der Dax legte nach einem starken Oktober - mit einem Plus von fast 1200 Punkten - auch am ersten Handelstag im November solide los und näherte sich der 11.000er-Marke. Zwar konnten neue Wirtschaftsdaten aus China nicht überzeugen, ebensowenig wie die Vorlagen der US-Börsen, dafür lasen sich neue Konjunkturdaten aus Europa positiv.

Die mit Spannung erwarteten Einkaufsmanager-Indizes (PMI) aus China hatten am Wochenende keine klaren Vorgaben geliefert. Sie lagen weiter unter der Expansionsschwelle von 50 Punkten, wenngleich sich der Abwärtstrend etwas verlangsamt zu haben scheint.

Positive Impulse kamen aus Europa. Der Industriesektor der Eurozone ist zuletzt stärker in Schwung gekommen. In den meisten Ländern hat sich das Wachstum im Oktober beschleunigt. Der Einkaufsmanagerindex für den gesamten Euroraum legte auf 52,3 Punkte zu. Bei den vorläufigen Daten aus der Umfrage war ein Wert von 52,0 Zählern ausgewiesen worden. Sie gilt als Frühindikator für die Konjunktur der kommenden Monate.

Unterstützung für den deutschen Aktienmarkt kam auch aus den USA: Der Dax war nach der minimalen Verbesserung des Einkaufsmanagerindexes für das verarbeitende US-Gewerbe (Markit PMI) auf das Tageshoch von 10.974 Punkten gestiegen. Die Tendenz bei den jüngsten Umfragen der regionalen Notenbanken sei eher "Konjunktur-negativ" gewesen, merkte ein Händler an. Dem stehe eine robuste Markit-Umfrage gegenüber.

Frankfurt: Coba dominieren den Dax von Beginn an

Commerzbank
Commerzbank 5,20

Der Dax schloss am Ende 0,9 Prozent höher auf 10.951 Punkten. Auch der Nebenwerteindex MDax legte zu und verbesserte sich um 0,6 Prozent auf 21.292 Zähler. Deutlich zulegen konnte mit einem Plus von 1,3 Prozent auch der technologielastige TecDax, der auf 1823 Punkte stieg. Mit einem Aufschlag von 0,6 Prozent ging der Euro-Stoxx-50 bei 3437 Zählern aus dem Handel.

Starke Quartalszahlen der Commerzbank machten die Aktie mit einem Kurssprung von 6,6 Prozent zum mit Abstand größten Gewinner im Dax. Die Bank hatte vor Steuern rund 17 Prozent mehr verdient als Analysten im Konsens erwartet hatten. Zudem erhalten die Aktionäre eine Dividende von 20 Cent je Aktie. Damit ist die Durststrecke der Aktionäre seit der Teilverstaatlichung der Bank zu Beginn der Finanzkrise zumindest gemildert. Der Chef der Commerzbank, Martin Blessing, wird seinen Vertrag nicht über Oktober 2016 hinaus verlängern.

Belastend für Lufthansa werten Händler die erneute Drohung neuer Streiks. "Das Thema hatte man zuletzt als eher in ruhigeren Bahnen gesehen", sagte ein Händler. Lufthansa legten jedoch um 0,7 Prozent zu und zeigten sich resistent.

RWE verteuerten sich um 4,0 Prozent. Händler konnten für die Kursstärke keinen Grund ausmachen. Sie wiesen darauf hin, dass der Kurs schon seit fast drei Wochen volatil zwischen 12 Euro und 13,40 Euro hin- und her pendelt.

Unter den deutschen Nebenwerten legten Fuchs Petrolub um 2,8 Prozent zu. Der Hersteller von Schmierstoffen hatte für das laufende Geschäftsjahr einen Rekordgewinn in Aussicht gestellt.

Die Aktien von Solarworld kamen kräftig unter die Räder: Am Ende schlossen sie mit einem Minus von 27 Prozent. Zwischenzeitlich verloren sie bis zu 60 Prozent. Händler begründeten die Abgaben mit der Meldung von Dow Jones Newswires vom Freitagabend, dass sich Solarworld in einem Rechtsstreit mit dem US-Siliziumproduzenten Hemlock Semiconductor um bis zu 800 Millionen US-Dollar entgegen der eigenen Strategie nicht mit dem europäischen Kartellrecht verteidigen kann. "SolarWorld-Aktien sind schon lange nicht mehr in Händen institutioneller Anleger", sagte ein Händler. Daher seien die Kursausschläge "immer wieder extrem" bei kursbewegenden Nachrichten.

USA: Gewinne an der Wall Street

Dow Jones
Dow Jones 28.015,06

Mit einem leichten Plus ist die Wall Street in den November gestartet. Der vom Markit-Institut ermittelte US-Einkaufsmanagerindex liegt mit 54,1 Punkten hingegen deutlich oberhalb der bedeutenden 50-Punkte-Marke. Nach Ansicht der DZ-Bank sendet er damit ein positives Konjunktursignal. Dies ist nach Einschätzung der Analysten Voraussetzung, dass die US-Notenbank noch in diesem Jahr die Zinsen anhebt. Einerseits machte die Zinswende den Anlegern zuletzt Bange - die guten Konjunkturdaten lassen wiederum auf eine gesunde US-Wirtschaft schließen.

Der Dow-Jones-Index gewinnt 0,9 Prozent und schließt bei 17.829 Punkten. Für den S&P-500 und den Nasdaq-Composite geht es um 1,2 beziehungsweise 1,5 Prozent nach oben. Der Oktober war an der Wall Street der stärkste Monat seit vier Jahren. So ging es für den S&P-500 um kräftige 11 Prozent aufwärts.

Bei den Einzelwerten fällt die Visa-Aktie um 3,5 Prozent. Das Unternehmen übernimmt seine ehemalige Tochter Visa Europe für bis zu 21,2 Milliarden Euro. Es ist die größte Transaktion in der Geschichte des Unternehmens. Die Quartalszahlen haben dagegen kaum Einfluss. Der Gewinn erreichte im vierten Quartal 1,5 Milliarden US-Dollar, nach 1,1 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Die Einnahmen erhöhten sich um 11 Prozent auf 3,6 Milliarden Dollar.

Im Wochenverlauf nimmt dann auch die Berichtssaison noch einmal Fahrt auf. Unter anderem legen Facebook, Tesla, Groupon, Sprint, Qualcomm und Walt Disney ihre Ergebnisse vor.

Asien: Deutliche Verluste in Tokio nach China-Daten

Nikkei
Nikkei 23.354,40

Sorgen um die schwächelnde chinesische Wirtschaft haben zu Wochenbeginn die Börsen in Fernost belastet. Mehrere Erhebungen deuteten darauf hin, dass die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft hinter den USA trotz konjunktureller Anreize im vierten Quartal weiter an Fahrt verliert. Jüngst zeigte auch der Dienstleistungssektor erste Anzeichen für eine geringere Nachfrage. Das Wachstum fiel so schwach aus wie seit fast sieben Jahren nicht. Die Industrie schrumpft bereits seit mehreren Monaten.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index schloss mit einem Abschlag von 2,1 Prozent auf 18.683 Punkte. Der breiter gefasste Topix-Index verlor 2,0 Prozent auf 1526 Zähler. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans lag 0,5 Prozent tiefer. Die Märkte in Hongkong und Schanghai tendierten ebenfalls deutlich im Minus.

"Die Sorgen um die globale Marktschwäche haben zu Verkäufen geführt. Zugleich sicherten sich Anleger die Gewinne der vergangenen Woche", sagte Hikaru Sato, technischer Analyst von Daiwa Securities.

In Japan gehörten vor allem Titel aus dem Stahlsektor zu den Verlierern. Konzerne wie Kobe Steel, JFE Holdings und Nippon Steel & Sumitomo Metal machen traditionell einen Großteil ihrer Geschäfte mit China. Die Aktien büßten 6,5 Prozent, 5,8 beziehungsweise 5,5 Prozent ein.

Devisen: Eurokurs rührt sich kaum, Lira wertet auf

Euro / US-Dollar
Euro / US-Dollar 1,11

Der Kurs des Euro hat sich kaum von der Stelle bewegt. Am späten Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,1040 US-Dollar und damit geringfügig mehr als am Morgen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Euro-Referenzkurs gegen Mittag auf 1,1032 (Freitag: 1,1017) Dollar festgelegt.

Tagesgewinner am Devisenmarkt war die türkische Lira. Sie legte zu Dollar und Euro je drei Prozent zu. Ausschlaggebend war, dass die von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan gegründete Partei AKP bei den Parlamentswahlen die absolute Mehrheit gewann. Dies war ihr bei der vorangegangenen Wahl im Juni noch misslungen, was nach gescheiterten Versuchen einer Regierungsbildung zu den jetzigen Neuwahlen führte. Analysten der Unicredit kommentierten, der Wahlausgang vermindere einerseits die politische Unsicherheit, berge andererseits aber die Gefahr einer geringeren Unabhängigkeit wirtschaftlicher Institutionen wie der Notenbank.

Rohstoffe: Sorgen um China belasten Ölpreise

Die Ölpreise geben am frühen Nachmittag wieder etwas deutlicher nach. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Dezember kostet 49,24 US-Dollar. Das sind 32 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte WTI geht um 33 Cent auf 46,26 Dollar zurück.

Die schlechten Konjunkturdaten aus China üben etwas Druck auf die Ölpreise aus. "Chinas Industriesektor, der immer noch schrumpft, verstärkt den Abwärtsdruck beim Öl, weil er eng mit der Nachfrage für Ölprodukte verbunden ist", sagte Hong Sun Ki, Rohstoffexperte beim Finanzdienstleister Samsung Futures.

Beim Goldpreis setzt sich die Abwärtsbewegung zu Wochenbeginn fort. Für die Feinunze müssen 1135 Dollar bezahlt werden, ein Minus von 0,6 Prozent gegenüber Freitag. Die US-Notenbank habe mit ihren jüngsten Aussagen die Hoffnung wieder geweckt, dass es 2015 eine Zinserhöhung gibt, sagt Helen Ayres von FXTM. Das habe den Goldpreis "verletzlich und offen für Kursverluste" gemacht. Ein festerer Dollar würde die Schwäche noch beschleunigen. Richtungsweisend dürfte auch der am Freitag anstehende US-Arbeitsmarktbericht für Oktober sein.

Quelle: n-tv.de, kst/mmo/DJ/dpa/rts

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