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Brexit, Shutdown, BIP-Daten Dax steht unruhige Woche bevor

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Die Börsenwoche dürfte spannend werden.

(Foto: imago/Hans-Günther Oed)

Am Dienstag sollen die britischen Abgeordneten über das mit der Europäischen Union ausgehandelte Austrittsabkommen von Premierministerin Theresa May abstimmen - Ausgang ungewiss. Das Votum stellt die jüngste Erholung am deutschen Aktienmarkt auf eine harte Probe.

Nach versöhnlicheren Tönen im Zollkonflikt zwischen den USA und China sowie Signalen für ein gedrosseltes Zinstempo der US-Notenbank hat der Dax zwar gute Voraussetzungen, um die wichtige Marke von 11.000 Punkten zu knacken. Aber es gibt auch Zweifel, ob der Schwung in der neuen Börsenwoche anhält. Denn nach den dreitägigen Handelsgesprächen zwischen China und USA warten Investoren noch immer auf konkrete Ergebnisse.

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Zwar zogen beide Seiten ein positives Fazit. "Die Finanzmärkte wollen aber mehr sehen, und das könnte die Rally schnell wieder abebben lassen", sagt Jasper Lawler vom Online-Brokerhaus London Capital Group (LCG). Auch die ungelöste Brexit-Frage und der Haushaltsstillstand in den USA könnten für Gegenwind sorgen.

Die Anfang Januar aufgekeimten Hoffnungen auf eine Lösung im Zollstreit haben dem Dax gehörig Auftrieb gegeben. In der Spitze war er in der abgelaufenen Woche bis auf 40 Punkte an die 11.000-Punkte-Marke herangekommen, die er seit Anfang Dezember nicht mehr überschritten hat. Am Freitag schloss der Dax 0,3 Prozent tiefer bei 10.887 Punkten. Auf Wochensicht ergibt sich gleichwohl ein Plus von 1,11 Prozent.

Unterstützung erhielten die Aktienmärkte auch von Äußerungen führender US-Notenbanker, die sich gegen zu rasche Zinsschritte aussprachen. Fed-Chef Jerome Powell sagte, er sehe keinen Grund zur Eile.

Doch schon am Dienstag könnte es an den Börsen wieder hektischer zugehen. Dann stimmt das britische Unterhaus über das von Premierministerin Theresa May mit der EU ausgehandelte Austrittsabkommen ab. Der Ausgang ist offen. Derzeit sieht es allerdings danach aus, dass es keine Mehrheit gibt. "Spannend ist eher die Frage, wie hoch die Niederlage ausfällt", sagt Helaba-Experte Christian Apelt. May müsste dann binnen drei Tagen einen Plan B vorlegen.

"Deal, No-Deal, neues Referendum, Neuwahlen, Plan B, C oder D: Keine der Möglichkeiten findet derzeit eine Mehrheit", so Apelt. Er sieht eine wachsende Wahrscheinlichkeit, dass das auf den 29. März festgelegte Austrittsdatum um mehrere Monate verschoben wird. "Ein harter Brexit würde in Großbritannien sicherlich eine Wirtschaftskrise heraufbeschwören, auch für den Rest von Europa drohen erhebliche Wachstumseinbußen", sagt Volkswirt Stefan Bielmeier von der DZ Bank.

Shutdown im Fokus

Eine neue Eskalationsstufe droht auch im Haushaltsstreit in den USA. Die Haushaltssperre (Shutdown) für einen großen Teil der Behörden ist bereits die längste ihrer Art. Mehr und mehr Staatsangestellte müssten ihre Arbeit niederlegen, was sich auch negativ auf die Wirtschaft auswirken werde, sagt Stratege John Vail vom Vermögensverwalter Nikko Asset Management.  "Auch nach einer Normalisierung der Lage dürften die Märkte die Dysfunktionalität des politischen Betriebs nicht so schnell vergessen." Die Angst vor weiteren innerpolitischen Eskalationen dürfte die Wall Street belasten.

Angesichts weiter bestehender Unsicherheiten rechnen die Analysten der Landesbank Baden-Württemberg damit, dass der Aktienmarkt weiter deutlich schwanken könnte. Rund um Brexit, US-Handelsstreit und Geldpolitik der Notenbanken seien aber auch positive Überraschungen nicht ausgeschlossen. Robert Greil, Chefstratege der Privatbank Merck Finck, ist allerdings skeptisch und hält die gegenwärtige Erholung an den Börsen für ein vorübergehendes Phänomen: "Die schwächeren Konjunkturdaten und damit Gewinntrends der Unternehmen werden die Aktienmärkte vermutlich weiterhin belasten."

Weitere Hinweise auf die konjunkturelle Lage könnten indes am Dienstag die Daten zum deutschen Bruttoinlandsprodukt im vergangenen Jahr liefern. Experten rechnen mit einer Abschwächung des Wachstums auf 1,5 Prozent von 2,2 Prozent im Jahr 2017. Das wäre der geringste Anstieg seit 2013. Aus den USA werden Daten zur Industrieproduktion (Freitag) und regionale Stimmungsindikatoren erwartet, am Mittwoch veröffentlicht die Fed den Konjunkturbericht Beige Book, außerdem stehen die US-Einzelhandelsumsätze für Dezember auf der Agenda.

Zudem melden sich in Deutschland die ersten Unternehmen mit Geschäftszahlen zu Wort. Den Anfang macht der Automobilzulieferer und Reifenhersteller Continental am Montag. Der Handelskonzern Metro präsentiert am Donnerstag seinen Zwischenbericht, außerdem legt der Konsumgüterkonzern Beiersdorf die Umsatzzahlen für 2018 vor. Ferner sind auch Bankaktien einen Blick wert. Denn in der neuen Woche öffnen große US-Finanzinstitute wie die Citigroup, JPMorgan oder Goldman Sachs ihre Bücher. Anleger erhoffen sich davon Rückschlüsse auf die Geschäftsentwicklung der heimischen Häuser.

Quelle: n-tv.de, jga/rts/dpa

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