Marktberichte

USA: Fundamentaldaten intakt Dow "fehlen" kurzzeitig 1000 Punkte

Die Sorge um die chinesische Konjunktur ist es, die die Wall Street derzeit beschäftigt. Die Nerven der Anleger liegen blank. Die Kurse geben auf breiter Front deutlich nach. Einer kurzen Erholung folgt dann eine zweite Verkaufswelle.

Die US-Börsen haben sich mit Macht gegen den weltweiten Ausverkauf gestemmt. Doch auch an der Wall Street waren die Vorzeichen mit der Schlussglocke tiefrot. Der Dow-Jones-Index schloss bei 15.873 Punkten fast 3,6 Prozent im Minus. Der breiter gefasste S&P-500 ging mit 1893 Zählern 3,9 Prozent tiefer aus dem Handel. Die Technologiebörse Nasdaq verlor 3,8 Prozent und schloss bei 4526 Punkten. In Frankfurt hatte der Dax mit 9648 Punkten 4,7 Prozent im Minus geschlossen.

Ein katastrophaler Start hatte zunächst selbst die schlimmsten Erwartungen übertroffen: Der Dow-Jones-Index verlor in der Spitze 1000 Zähler. In Punkten war es der größte Verlust seiner Geschichte. Der Nasdaq-Composite gab bis zu acht Prozent nach, und der S&P-500 lief glatt durch die Marke von 1918 Stellen, bei der der sogenannte Korrekturmodus - minus zehn Prozent vom jüngsten Hoch - beginnt. Dann aber setzte eine leichte Erholung ein und zumindest der Dow schielt sogar wieder auf den Schlusskurs vom Freitag. Doch der Handel konnte sich der dem Druck nicht entziehen.

Fundamentaldaten stützen

Hintergrund für den Einbruch sind die Ängste rund um China. Der Aktienmarkt in Shanghai war um 8,5 Prozent abgerutscht, nachdem sich Hoffnungen auf Stimulierungsmaßnahmen seitens der Regierung in Peking zerschlagen hatten. Auch die anderen Börsen in Asien wie in Europa brachen ein. Vor allem die Angst vor der Schwäche der chinesischen Wirtschaft sorgt für immer weitere Verkaufswellen.

Experten erklärten die zwischenzeitliche Erholung in den USA dagegen mit starken Fundamentaldaten. "So schnell wie das Vertrauen weg ist, kann es auch wiederkommen, wenn die Fundamentaldaten stimmen", sagte der Chefinvestor Brad McMillan von Commonwealth Financial Network. Auch das US-Präsidialamt erklärte zu den Turbulenzen am Markt, die Amerikaner sollten sich auf die ungebrochene Stärke ihrer Wirtschaft besinnen.

Abgaben übertrieben?

Ob beziehungsweise wann die gesunkenen Kurse die Börsianer wieder dauerhaft in den Markt locken, bleibt aber momentan ungewiss. Ryan Larson, Leiter des Aktienhandels bei RBC Global Asset Management, schreibt den Ausverkauf zu Handelsbeginn einer "Herdenmentalität" der Anleger zu. Sobald die Herde weitergezogen sei, ergäben sich aber günstige Kaufgelegenheiten. Das könnte auch erklären, warum die US-Börsen einen großen Teil ihrer anfänglichen Verluste wettgemacht haben: Den Anlegern sei wohl bewusst geworden, dass die heftigen Abgaben übertrieben waren, meint Larson. Auch andere Händler berichten davon, dass Investoren bei sehr niedrigen Kursniveaus zugegriffen hätten.

Allerdings rutschten die Kurse im späteren Verlauf wieder ab. Teilweise hätten die Käufer angesichts der niedrigen Kurse kurzfristige Gewinne angepeilt, sagte Rick Meckler, Präsident von LibertyView Capital Management am Nachmittag. "Jetzt sehen wir eine zweite Verkaufswelle."

Nicht nur am Aktienmarkt geht es aktuell wild zu. Am Ölmarkt - wie an den meisten anderen Rohstoffmärkten - trudeln die Notierungen ebenfalls abwärts. Das Angebot ist reichlich und mit der Sorge um das Wirtschaftswachstum in China und in der Welt wächst auch die Furcht vor einer sinkenden Nachfrage.

Während Aktien ausverkauft wurden, strömten die Investoren in den sicheren Hafen der US-Anleihen. Auch die Perspektive einer verschobenen Zinswende macht die Titel für Investoren interessant. Die Rendite der zehnjährigen Treasurys sank mit den steigenden Notierungen zeitweise auf 1,95 Prozent. Allerdings gaben die Treasury-Kurse einen Teil ihrer Gewinne ab, womit sich die Rendite etwas erholte. Mit 1,997 Prozent lag sie aber um gut fünf Basispunkte niedriger als am späten Freitag.

Tech-Aktien gebeutelt?

Die Sorgen um die chinesische Konjunktur hatten besonders Apple getroffen, weil das Reich der Mitte ein zentraler Markt für die Smartphones des US-Konzerns sind. In einer E-Mail an den Sender CNBC erklärte allerdings Firmenchef Tim Cook, der iPhone-Hersteller habe dort im Juli und August ein "starkes Wachstum" verzeichnet. Apple-Titel schlossen nach ihrem Ausflug in die Gewinnzone fast 2,5 Prozent im Minus.

Andere High-Tech-Werte schlugen sich noch schlechter. Die Aktien des chinesischen Internet-Händlers Alibaba lagen fast 3,5 Prozent im Minus und fielen damit unter ihren Ausgabepreis des viel beachteten Börsengangs. In der vergangenen Woche hatte bereits Twitter dieses Schicksal erlitten. Amazon sanken um 6,3 Prozent. Verkauft wurden mit dem niedrigen Ölpreis auch die Werte der Öl-Branche. So verloren Halliburton 6 Prozent.

Meldungen zu Einzelwerten standen im Schatten des Gesamtmarkts. Intel unternimmt einen Vorstoß zur Förderung freier Software, die es Unternehmen ermöglicht, die Cloud-Dienstleistungen von Amazon, Google oder Microsoft zu nutzen. Dazu will Intel 100 Millionen Dollar in Mirantis investieren, die eine Version des Open-Software-Programms OpenStack anbietet. Intel verloren 1 Prozent und verbuchten damit im Dow den mit Abstand geringsten Verlust. Die Netflix-Aktie verlor 6,8 Prozent, nachdem sie im frühen Geschäft um über 11 Prozent abgestürzt war. Der Streaming-Dienst hat sich mit der japanischen Softbank für den Start eines Angebots in Japan zusammengetan.

Quelle: n-tv.de, bad/jwu/DJ/rts

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