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Einigung nur Zwischenphase Dow trotz Handelsdeals unter 27.000 Punkten

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(Foto: imago/UPI Photo)

In der Hoffnung auf ein amerikanisch-chinesisches Handelsabkommen haben die Anleger an der Wall Street schon reichlich Vorschuss-Lorbeeren verteilt. Entsprechend fehlte ihr nach einigen wenigen Aussagen zur Übereinkunft letztlich die Kraft für weitere Kursgewinne.

Optimistische Erwartungen an den Ausgang der US-chinesischen Handelsgespräche haben die Wall Street nahtlos an die Vortagesgewinne anknüpfen lassen. Allerdings kamen die Kurse kurz vor Handelsschluss deutlich von ihren Tageshochs zurück. Zwar verkündete US-Präsident Donald Trump eine partielle Einigung mit China zur Beilegung des Handelskonflikts.

Allerdings räumte er zugleich ein, dass dies nur eine Zwischenphase vor einem angestrebten umfassenderen Abkommen darstelle. Er betonte die Fortschritte, die auf verschiedenen Verhandlungsfeldern gemacht worden seien, aber konkrete Abmachungen blieb er schuldig. Immerhin erklärte US-Finanzminister Steven Mnuchin, die USA verzichteten auf die geplante Erhöhung von Zöllen auf China-Importe in der kommenden Woche. Händler reagierten etwas enttäuscht auf die Verlautbarungen: Der ganz große Durchbruch sei das eher nicht, hieß es.

Nasdaq Composite
Nasdaq Composite 8.526,73

Die Erwartungen, dass zumindest eine partielle Einigung zwischen den USA und China zustandekommt, waren zuletzt gestiegen - befeuert auch von zuversichtlichen Äußerungen des US-Präsidenten. "Es läuft sehr gut", hatte Trump im Tagesverlauf zu Reportern gesagt. Der Dow-Jones-Index gewann 1,2 Prozent auf 26.817 Punkte, S&P-500 und Nasdaq-Composite kletterten um 1,1 bzw. 1,3 Prozent. Den 2.268 (Donnerstag: 1.867) Kursgewinnern an der NYSE standen 708 (1.081) -verlierer gegenüber. Unverändert schlossen 71 (86) Aktien.

"Die Anleger glauben allmählich, dass es Licht am Ende des Handelskriegtunnels gibt", kommentierte Marktstratege Stephen Innes von AxiTrader. Positiv kam zudem am Markt an, dass China einen Fahrplan für die Öffnung seiner Finanzmärkte für ausländische Finanzunternehmen bekannt geben hatte. An anderer Stelle wurde auf die Unterstützung der US-Börsen durch die US-Notenbank verwiesen, denn die will ab kommender Woche Schatzanweisungen im monatlichen Umfang von 60 Milliarden Dollar kaufen, um den Druck auf den Geldmarkt zu verringern. Zwar hatte Fed-Chef Jerome Powell dies jüngst ausdrücklich nicht als quantitative Lockerung verkauft, laut Händlern wirkt die Maßnahme aber ähnlich und stützt den Aktienmarkt.

Zwar standen die Konjunkturdaten im Schatten der Handelsgespräche, gleichwohl lieferten sie zusätzliche Kaufargumente. Denn die Stimmung der US-Verbraucher hatte sich im Oktober aufgehellt. Der an der Universität Michigan berechnete Index für die US-Verbraucherstimmung stieg, obwohl Volkswirte mit einem Rückgang gerechnet hatten.

Der Optimismus bezüglich der Handelsgespräche ließ Anleger mutiger werden. "Sichere Häfen" waren nicht mehr gefragt. Am Anleihemarkt führte das zu weiter steigenden Renditen. Zehnjährige US-Staatsanleihen rentierten mit 1,73 Prozent und damit 6 Basispunkte höher als am Vortag. Der Goldpreis gab um 0,4 Prozent nach auf 1.488 Dollar - abermals belastet von erneut deutlich gestiegenen Marktzinsen und der Hoffnung auf eine Ende des Handelsstreits.

US-Dollar / Yen
US-Dollar / Yen 108,62

Am Devisenmarkt wurden "Fluchtwährungen" wie der Yen verkauft. Der Dollar stieg deutlich über 108 Yen. Der Euro profitierte ebenfalls von der wieder besseren Stimmung. Er klettert auf rund 1,1037 Dollar. Der Greenback wurde zudem vom neuen Wertpapierkaufprogramm der Fed gedrückt.

Den Überflieger des Tages stellte jedoch das britische Pfund, das von der wachsenden Hoffnung auf einen geregelten Brexit steil nach oben gezogen wurde. Kostete es am Donnerstagmorgen im Tagestief noch wenig mehr als 1,22 Dollar, so profitierte es zunächst von ermutigenden Signalen eines Treffens des britischen Premierministers Johnson mit seinem irischen Pendant Varadkar. Am Freitag erhielt es einen weiteren Schub, nachdem der EU-Chefverhandlungsführer Barnier von "konstruktiven" Gesprächen mit seinem britischen Gegenpart Barclay gesprochen hatte. Es sprang in der Spitze auf 1,2708 Dollar und kostet zuletzt rund 1,2651.

Rohöl (Brent)
Rohöl (Brent) 62,21

Die Ölpreise zogen ebenfalls kräftig an. Einerseits trieb die Erwartung an Fortschritte bei der Beilegung des Handelsstreits USA-China die Preise nach oben. Rückenwind kam aber auch von der Nachricht, dass ein iranischer Öltanker offenbar von zwei Raketen getroffen wurde. Das Barrel der US-Sorte WTI verteuerte sich um 2,1 Prozent auf 54,70 Dollar, europäisches Referenzöl der Sorte Brent rückte um 2,4 Prozent auf 60,51 Dollar vor.

Die Aktie des Baumaschinenherstellers Caterpillar kletterte um 4,7 Prozent. Händler sprachen von Konjunkturoptimismus, denn die Titel stellten einen klassischen Konjunkturwert. Aktien von Oracle legten um 2,5 Prozent zu. Hier dürften neben den ermutigenden Nachrichten von den US-chinesischen Verhandlungen auch die überzeugenden Quartalszahlen von SAP gestützt haben, die der deutsche Wettbewerber vorgelegt hatte. Ein positiver Analystenkommentar verhalf Johnson & Johnson zu einem Plus von 1,8 Prozent. Bernstein hatte die Aktie auf "Outperform" hochgestuft.

Apple
Apple 263,19

Apple legten um 2,7 Prozent auf 236,21 Dollar zu. Die Analysten von Wedbush hatten ihr Kursziel für die Aktie auf 265 von 245 Dollar angehoben und die Einstufung "Outperform" bekräftigt. Das Einrichtungshaus Bed Bath & Beyond profitierte erneut von der Ernennung eines neuen CEO, die Titel verteuern sich um 7,4 Prozent. United States Steel haussierten um 11,8 Prozent an. Das Unternehmen stellte über den eigenen Erwartungen liegende Geschäftszahlen für das Quartal in Aussicht

Quelle: n-tv.de, jki/DJ

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