Wall Street in RekordlauneHoffnung auf Corona-Mittel treiben US-Börsen

Die Notfallzulassung einer Blutplasma-Therapie für Corona-Kranke lässt bei den Anlegern an der Wall Street Rekordlaune aufkommen. Mit der Hoffnung sind vor allem Aktien, die von einer Normalisierung der Wirtschaft profitieren würden, gestiegen. Allen voran geht es für Tourismuswerte nach oben.
Die Rally an der Wall Street hat sich fortgesetzt. Sowohl der marktbreite S&P-500 als auch die technologielastigen Indizes Nasdaq-100 bzw. -Composite markierten gleich zu Handelsbeginn weitere Allzeithochs. Getragen wurde die positive Stimmung von Hoffnungen auf potenzielle Mittel gegen Covid-19. Die US-Behörden haben den Einsatz von antikörperreichem Rekonvaleszenz-Blutplasma bei der Behandlung von Covid-19-Krankenhauspatienten erlaubt, weil es "effektiv" sein könnte, erklärte die Gesundheitsbehörde FDA. Eine vollumfängliche Zulassung wurde allerdings noch nicht erteilt.
Der Dow-Jones-Index gewann 1,4 Prozent auf 28.308 Punkte. Der S&P-500 verbesserte sich um 1 Prozent. Der Nasdaq-Composite stieg um 0,6 Prozent. An der Nyse gab es 2.110 (Freitag: 960) Kursgewinner und 910 (2.044) -verlierer. Unverändert schlossen 63 (63) Titel.
Mit der Hoffnung stiegen vor allem Aktien, die von einer Normalisierung der Wirtschaft profitieren würden, etwa Tourismuswerte wie American Airlines (+10,5 Prozent) oder Carnival (+10,2 Prozent), Industriewerte wie Boeing (+6,4 Prozent), Chemiewerte wie Dow (+5,8 Prozent), Energiewerte wie Exxon (+3 Prozent) oder Finanzwerte wie JP Morgan (+2,8 Prozent). Dagegen blieben die Technologiewerte, von denen viele Corona-Profiteure sind, nach anfangs kräftigen Aufschlägen zurück.
"Jede positive Nachricht im Kampf gegen das Virus treibt den Markt", sagte Chefmarktstrategin Seema Shah von Principal Global Investors. Sie warnte jedoch vor vorschnellem Optimismus angesichts des komplexen Zulassungsverfahrens. Laut einem Bericht könnte US-Präsident Donald Trump die FDA anweisen, eine ähnliche, schnelle Genehmigung für einen experimentellen Impfstoff von Astrazeneca und der Universität Oxford gegen Covid-19 zu erteilen. Positiv werden die auf das tiefste Niveau seit über zwei Monaten rückläufigen Neuinfektionen in den USA zur Kenntnis genommen.
Angesichts dieser positiven Schlagzeilen gerieten belastende Faktoren in den Hintergrund. Demokraten und Republikaner kamen bei den Verhandlungen über ein neues Corona-Hilfspaket weiterhin nicht voran. Und im Konflikt zwischen den USA und China gibt es noch keine echten Entspannungssignale. Zwar wollen beide Seiten in Kürze miteinander sprechen, doch US-Präsident Trump hält auch ein Scheitern der Gespräche für denkbar.
Die mit den Corona-Schlagzeilen einhergehende Risikoneigung drückte etwas auf den Rentenmarkt. Händler sprachen von einem lauen Sommerhandel. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg um 1,9 Basispunkte auf 0,65 Prozent.
Euro / DollarDer Dollar neigte zunächst zur Schwäche, holte die Tagesverluste aber wieder auf. Der Euro stand mit 1,1790 Dollar nahe am Tagestief. Unsicherheit herrschte vor dem virtuellen Notenbankertreffen in Jackson Hole. Dort dürfte Fed-Chairman Jerome Powell das Ergebnis der Strategieprüfung vorstellen. Analysten gehen davon aus, dass die Fed ihr Ziel für Preisstabilität mit einem durchschnittlichen Inflationsziel neu definieren werde. Die Fed dürfte auch zusagen, die Zinssätze nicht zu erhöhen, bis das neue Ziel erreicht sei.
Mit dem im Tagesverlauf erholten Dollar und den festen Aktienkursen gab Gold zunächst die Gewinne ab und sackte dann ins Minus. Die Feinunze verlor 0,7 Prozent auf 1.927 Dollar. Dagegen zogen die Erdölpreise in Richtung eines Fünfmonatshochs an. Gleich mehrere Tropenstürme im Golf von Mexiko zwangen die dort aktiven Ölbohrunternehmen, große Teile der Förderung lahmzulegen. Regierungsbehörden sprachen von einer um 58 Prozent gesunkenen Rohölförderung auf See im betroffenen Gebiet.
Der Fasspreis für US-Leichtöl der Sorte WTI zog um 0,2 Prozent auf 42,43 Dollar an, europäisches Referenzöl der Sorte Brent verteuerte sich um 1,6 Prozent auf 45,07 Dollar. Schwache Daten ließen die Ölpreise von den Tageshochs zurückkommen: Die Wirtschaftsaktivität in den USA hat sich im Juli abgeschwächt - nach einer deutlichen Erholung im Mai und Juni, wie der Chicago Fed National Activity Index (CFNAI) zeigt.
Am Aktienmarkt kamen Technologiewerte im Tagesverlauf von ihren Hochs zurück. Amazon und Microsoft zogen nur noch um 0,7 bzw. 0,3 Prozent an, Alphabet stiegen um 0,6 Prozent. Google Cloud, eine Alphabet-Division, gerät bei den Marktanteilen gegenüber der Konkurrenz von Amazon und Microsoft immer deutlicher ins Hintertreffen, wie aktuelle Daten von Canalys zeigen. Die Wettbewerberprodukte im Cloud-Geschäft AWS und Azure kommen zusammen auf über 50 Prozent Marktanteil, Google Cloud nur auf 6 Prozent.
Unter den Autowerten drehte die Stimmung im Tagesverlauf. So lagen Tesla zum Start 3 Prozent im Plus, zu Handelsschluss gaben sie 1,7 Prozent ab. Die Aktien der traditionellen Autobauer lagen dafür nun vorne, und zwar General Motors mit 6,1 Prozent und Ford mit 4,8 Prozent.