Marktberichte

US-Märkte im Corona-Modus Nasdaq reicht Miniplus zum Rekordhoch

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Die Wall Street erlebte einen freundlichen Tag.

(Foto: AP)

Gute Nachrichten aus dem US-Servicesektor geben den Märkten Rückenwind. Für den Tech-Index Nasdaq reicht es sogar zum Rekordhoch. Ansonsten treibt Disney den Dow Jones zu einem klaren Plus.

Der Schwung aus dem späten Vortagesgeschäft der Wall Street hat sich fortgesetzt. Der Dow-Jones-Index stieg gestützt durch Walt Disney um 1,4 Prozent auf 27.202 Punkte, der S&P-500 gewann 0,6 Prozent. Der Nasdaq-Composite stieg im Verlauf erstmals über 11.000 Punkte und legte um 0,5 Prozent zu. Den 2.010 (Dienstag: 1.905) Kursgewinnern standen 976 (1.083) -verlierer gegenüber. Unverändert schlossen 76 (77) Titel.

DB Dow Jones Indikation
DB Dow Jones Indikation 27.170,00

Befeuert wurde der neuerliche Anstieg der Kurse von guten Nachrichten aus dem US-Servicesektor. Die entsprechenden Einkaufsmanagerindizes (PMI) von ISM und Markit überraschten positiv. Sie ließen den kleinen Dämpfer rasch vergessen, den der Markt anfangs von sehr schwachen Arbeitsmarktdaten erhalten hatte. Laut dem Abrechnungsdienstleister ADP entstanden im Juli gegenüber dem Vormonat sehr viel weniger neue Stellen im Privatsektor als erhofft. Hintergrund sind steigende Infektionszahlen und neue Abriegelungen. Allerdings, so die Hoffnung im Markt, steigt mit den Daten zugleich die Wahrscheinlichkeit neuer fiskalischer und geldpolitischer Maßnahmen.

In diesem Zusammenhang setzten Anleger auf die Verhandlungen über eine Verlängerung der Corona-Hilfen im US-Kongress. Zwar konnten sich Republikaner und Demokraten noch immer nicht verständigen, doch macht Finanzminister Steven Mnuchin Hoffnung auf eine Einigung bis Ende der Woche. "Was wir bisher gesehen haben, ist eine Entkopplung von Wirtschaftstätigkeit und Infektionsraten. In Zukunft werden wirtschaftliche Aktivität und Infektionsraten viel enger miteinander verknüpft sein", sagt Investmentstratege Altaf Kassam von State Street Global Advisors.

Neue Verhandlungen zwischen China und den USA

Darüber hinaus wollen sich Chinesen und Amerikaner mit hochrangig besetzten Delegationen am 15. August zusammensetzen und über das bereits Anfang des Jahres verabschiedete "Phase-Eins-Handelsabkommen" sprechen, wie aus Medienberichten hervorgeht. Hier scheint es bei der Umsetzung vor allem auf chinesischer Seite zu hapern. Doch Anleger hoffen, dass auch über die aktuellen Spannungen gesprochen wird, und setzen auf eine Entspannung.

Am Rentenmarkt sanken die Notierungen nach den überraschend starken Einkaufsmanagerindizes und mit der guten Stimmung am Aktienmarkt. Die Renditen erholten sich von ihren zweitniedrigsten Schlussständen des Jahres. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg um 4,3 Basispunkte auf 0,55 Prozent.

Der US-Dollar gab deutlich nach, der ICE-Dollarindex verlor 0,6 Prozent. Überzeugende Unternehmenszahlen und die Hoffnung auf neue Wirtschaftshilfen hätten das Interesse der Anleger an vermeintlich sicheren Häfen, zu denen auch der Dollar zähle, gedämpft, sagten Devisenhändler.

Goldpreis nicht zu stoppen

Nasdaq Composite
Nasdaq Composite 10.913,56

Die Rekordjagd beim Goldpreis setzte sich fort. Bei 2.056 Dollar je Feinunze wurde ein weiteres Allzeithoch markiert. Im späten Handel stand der Goldpreis bei 2.038 Dollar und damit 0,9 Prozent über Vortagesniveau. Weiter trieben die Dollar-Schwäche, Angst vor einer zweiten Corona-Welle, eine Verschärfung der Spannungen zwischen den USA und China sowie die bisher ausgebliebene Einigung auf ein neues Hilfspaket in den USA. Daneben seien Ängste, dass nur noch eine uferlose Verschuldung den Absturz der US-Wirtschaft verhindern kann, weiterhin hoch, hieß es im Handel. Die USA dürften rund 2 Billionen Dollar im zweiten Halbjahr an Schulden aufnehmen. Einige Teilnehmer führten den kräftigen Anstieg des Goldpreises auch auf die Explosion im Libanon zurück.

Erdöl sprang derweil auf ein Fünfmonatshoch. Der Fasspreis für US-Leichtöl der Sorte WTI stieg um 1,2 Prozent auf 42,19 Dollar, europäisches Referenzöl der Sorte Brent um 0,7 Prozent auf 45,17 Dollar je Barrel. Händler verwiesen auf den deutlichen Einbruch der Lagerbestände in den USA, wie aus den Daten des privaten American Petroleum Institute hervorging. Die offiziellen Regierungsdaten untermauerten die Entwicklung. Auch diese zeigten einen deutlich stärkeren Rückgang der Vorräte als vorausgesagt.

Unter den Einzelaktien stiegen Disney um 8,8 Prozent. Die Corona-Pandemie beeinträchtigt die Geschäfte des Unterhaltungskonzerns in erheblichem Maße. Disney hat deshalb in seinem dritten Geschäftsquartal fast 5 Milliarden Dollar Verlust gemacht. Die Zahlen schienen Anleger indes nicht zu überraschen, viele hatten noch Schlimmeres erwartet.

Monster Beverage zogen um 6,5 Prozent an. Der Getränkekonzern hat die Erwartungen übertroffen. Videospiele-Hersteller Activison Blizzard hat bei Ergebnis und Umsatz ebenfalls die Prognosen geschlagen. Die Titel sanken jedoch um 2,5 Prozent. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie indes 46 Prozent im Plus.

Für die Aktie von Microchip Technology ging es um 8,2 Prozent nach unten. Zwar fielen Ergebnis und Umsatzzahlen im ersten Geschäftsquartal besser als dem Unternehmen zugetraut aus. Doch blieb der Ausblick auf das zweite Geschäftsquartal gemessen an den Erwartungen verhalten.

CVS Health büßten 0,9 Prozent ein. Die Apothekenkette steigerte das Ergebnis in der zweiten Periode stärker als erwartet und erhöhte den Ausblick. Allerdings scheint es Probleme mit den Coronatests zu geben. Das Unternehmen ist diesbezüglich der größte Anbieter des Landes. Kritiker bemängeln die Dauer der Testergebnisse.

Größter Verlierer im Dow waren Walmart mit minus 1,4 Prozent. Der Leiter der Gesundheitssparte des Konzerns, die Walmart mit der Einrichtung eigener Arztpraxen in seinen Filialen kräftig ausbauen wollte, verlässt das Unternehmen noch in dieser Woche.

Quelle: ntv.de, vpe/DJ