Marktberichte

Sorgen über Deutsche Bank schwinden New York schließt im Minus

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Die kalte Jahreszeit beginnt: Die Wall Street geht mit leichten Verlusten ins Schlussquartal.

(Foto: REUTERS)

Im New Yorker Aktienhandel erleben Börsianer einen unsicheren Wochenauftakt. Die Vorgaben aus Asien fallen zwar freundlich aus, die Sorgen um die Deutsche Bank verblassen. Ausgeräumt sind aber offenbar noch nicht.

Am Tag der Deutschen Einheit herrscht an den Handelsplätzen in Deutschland entspannte Ruhe. In der größten Volkswirtschaft der Eurozone genießen Anleger das feiertagsbedingt verlängerte Wochenende, bevor die Frankfurter Börse dann am Dienstag in das Schlussquartal des Jahres 2016 startet. Der deutsche Leitindex Dax war am Freitag nach einem überaus bewegten Handelstag gut 1 Prozent fester bei 10.511,02 Punkten aus der letzten Septemberwoche verabschiedet.

Dax
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Anders sieht es an den übrigen europäischen Börsen aus: In Mailand, Paris und London wurde zu Wochenbeginn - ohne Vorgaben aus Deutschland - regulär gehandelt. Die Börsen Europas erlebten dabei einen vergleichsweise ruhigen Wochenstart - mit einer Ausnahme.

An der Börse in London steigen die Kurse kräftig. Hintergrund ist Händlern zufolge das schwache Pfund. Nachdem die Regierung am Wochenende einen konkreten Fahrplan für den Austritt aus der EU vorgelegt hatte, fiel die britische Währung zum Euro zwischenzeitlich auf den niedrigsten Stand seit 2011 ab und zum Dollar in die Nähe ihres Jahrestiefs von Anfang Juli. Rückenwind kam aber auch von den neuesten Einkaufsmanagerindizes. Sie fielen europaweit gut aus und stützten Konjunkturhoffnungen

Wall Street: US-Börsen schließen tiefer

Dow Jones
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Die US-Aktienmärkte sind mit einem schwachen Abwärtstrend in die neue Woche gestartet. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gab 0,3 Prozent auf 18.253 Punkte nach. Der breiter gefasste S&P-500 sank 0,3 Prozent auf 2161 Zähler. Der Composite-Index der Technologiebörse Nasdaq zog sich um 0,2 Prozent auf 5300 Punkte zurück.

Die Blicke der Anleger richten sich auf die bald anlaufende Quartalsberichtssaison der Unternehmen. Dem Anlageexperten Russell Investments zufolge sollten sich Anleger an das Stolpern des Marktes in diesen Zeitabschnitt gewöhnen. Weitere Kursrückgänge böten die Möglichkeit, billiger in den Markt einzusteigen. Und damit sei in diesem Quartal zu rechnen, in dem der Kalender gespickt sei mit Risiken, von der im November anstehenden US-Präsidentenwahl bis zur Verschärfung der Geldpolitik durch die US-Notenbank.

Eines der Hauptthemen sei weiter die Deutsche Bank, meinte ein US-Marktbeobachter. Deren Verhandlungen mit der US-Justizbehörde im Streit um hypothekenbesicherte Wertpapiere machen zwar offenbar Fortschritte. Bisher aber sei noch kein Vorschlag so weit, dass er schon den Entscheidungsträgern vorgelegt werden kann, zitiert das "Wall Street Journal" einen Informanten.

Am Freitag hatte ein Insider erklärt, das Finanzinstitut stehe kurz vor einer Einigung und habe angeblich eine deutliche Absenkung der Strafzahlung ausgehandelt von lediglich noch rund 5,4 Milliarden Dollar statt der ursprünglich geforderten 14 Milliarden. Die Aktie hatte daraufhin deutlich ins Plus gedreht, worauf die Börsen weltweit mit Erleichterung reagierten. Zuletzt hatte die Angst vor einer Ansteckung des Bankensektors mit den Problemen der Deutschen Bank weltweit die Stimmung an den Finanzmärkten eingetrübt.

Gerade mit Blick auf die in der kommenden Woche startende US-Quartalsberichtssaison könnten jegliche Neuigkeiten zur Deutschen Bank die Risikofreude der Akteure stärker bewegen, sagt Marktstratege Hussein Sayed von FXTM.

Bei den Einzelwerten ebenfalls im Fokus stand Tesla. Die Aktien verteuerten sich im Handel an der Nasdaq um 4,7 Prozent, nachdem der Elektroautohersteller einen Anstieg seiner Verkäufe im dritten Quartal um 70 Prozent vermeldet hatte.

Im Autosektor richtete sich die Aufmerksamkeit der Investoren zudem auf die US-Autoabsatzzahlen für den Monat September. Händler sprachen von eher mauen Daten, die jedoch incht ganz so negativ wie befürchtet ausgefallen seien. Die Aktien von General Motors zogen um 0,8 Prozent an, Ford verteuerten sich um 0,2 Prozent.

Die Aktien von Twitter legten um 4,1 Prozent zu. Bloomberg hatte berichtet, die Google-Muttergesellschaft Alphabet habe einen Berater angeheuert, mit dessen Hilfe ein mögliches Gebot für den Kurznachrichtendienst geprüft werde. Alphabet fielen um 0,5 Prozent.

Für Janus Capital ging es um 12,1 Prozent aufwärts. Janus will mit der britischen Investmentfirma Henderson Group zusammengehen. In London zog der Kurs von Henderson um über 16 Prozent an.

Der Online-Konzern Facebook führte eine Rubrik zum Verkauf und Kauf unter seinen Nutzern ein. Das soziale Netzwerk will damit Anbietern wie Ebay oder CraigsList verstärkt Konkurrenz machen. Während Facebook um 0,4 Prozent vorrückten, büßten Ebay 1,1 Prozent ein.

Frische Konjunkturdaten sorgten für keine Bewegung: Die US-Industrie hat im September zugelegt. Der Einkaufsmanagerindex stieg zum Vormonat auf 51,5 Punkte von 49,4 Zählern im Vormonat, wie aus der neuen Firmenumfrage des Institute for Supply Magement (ISM) hervorgeht. Das Barometer liegt damit wieder über der Schwelle  von 50 Punkten, ab der ein Wachstum signalisiert wird.

Dagegen sind die Bauausgaben in den USA im August zurückgegangen. Sie fielen im Vergleich zum Juli um 0,7 Prozent, wie das Handelsministerium mitteilte.

Devisen: Euro gibt deutlich nach

Euro / US-Dollar
Euro / US-Dollar 1,09

Der Eurokurs gerät zu Wochenbeginn unter Druck. Die Gemeinschaftswährung wird am späten Nachmittag bei 1,1210 US-Dollar gehandelt. Am Mittag hatte der Euro zeitweise noch bei 1,1244 Dollar gekostet. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,1236 (Freitag: 1,1161) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8899 (0,8960) Euro.

Positiv aufgenommene US-Konjunkturdaten hätten den Dollarkurs am Nachmittag gestützt und den Eurokurs im Gegenzug unter Druck gebracht, erklärte ein Beobachter. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,87318 (0,86103) britische Pfund, 113,90 (113,09) japanische Yen und 1,0918 (1,0876) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold wurde in London am Nachmittag mit 1313,30 (1322,50) Dollar gefixt.

Deutlich unter Druck gerät auch das britische Pfund. Mit Ankündigungen zu den anstehenden Verhandlungen über einen EU-Austritt ihres Landes hatte die britische Premierministerin Theresa May die Finanzmärkte verunsichert.

Britisches Pfund / Euro
Britisches Pfund / Euro 1,14

Premier May hatte am Wochenende angekündigt, spätestens Ende März 2017 gemäß Artikel 50 der EU-Verträge den Austritt aus der EU formell beantragen zu wollen. Das britische Pfund fiel daraufhin am Morgen in Reaktion auf den konkretisierten Terminplan zur Antragstellung für den Austritt des Landes aus der EU zum Euro auf den niedrigsten Stand seit Oktober 2011. "Wir glauben nicht, dass das bei internationalen Investoren gut ankommt, der Dollar dürfte gesucht bleiben", so die Analysten der ING.

Beobachter interpretierten die Aussagen von May als einen Hinweis, dass sie sich endgültig für ein Ausscheiden Großbritanniens aus dem Europäischen Binnenmarkt entschieden habe. Starke britische Industriedaten hatten das Pfund in diesem Umfeld nicht gestützt.

Die türkische Lira geriet stärker zum US-Dollar und anderen Währungen unter Druck. Im Handel wurde auf die Verlängerung des Ausnahmezustandes verwiesen. Der US-Dollar kletterte auf 3,0271 Lira nach Wechselkursen um 3,00 zum Wochenschluss.

Auch der kolumbianische Peso erlitt an den Finanzmärkten deutliche Kursverluste. Völlig überraschend hatten sich die Kolumbianer gegen das Friedensabkommen zwischen der Regierung und der linken Guerillaorganisation Farc ausgesprochen. Wie es mit dem kolumbianischen Friedensprozess nun weitergeht, ist völlig unklar.

Asien: Tokio klar im Plus

Nikkei
Nikkei 17.818,72

Die Hoffnung auf eine Einigung der Deutschen Bank mit den US-Behörden hat die asiatischen Aktienmärkte beflügelt. Vor allem die Finanzwerte legten zu. Sie profitierten von einem Bericht vom Freitag, wonach die Deutsche Bank möglicherweise eine deutlich geringere Strafe im Hypothekenstreit zahlen muss.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index ging mit einem Plus von 0,9 Prozent bei 16.598 Punkten aus dem Handel. Der breiter gefasste Topix-Index legte 0,6 Prozent auf 1330 Zähler zu. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans gewann 0,7 Prozent. Allein im dritten Quartal kletterte der Index knapp neun Prozent und entwickelte sich damit so gut wie seit Anfang 2012 nicht mehr.

Die Märkte in China sind wegen Feiertagen die komplette Woche geschlossen. In Südkorea fand aufgrund des "Tag der Staatsgründung" kein Handel statt. In Deutschland wird wegen des Feiertags zur Deutschen Einheit am Montag ebenfalls nicht gehandelt.

"Die jüngsten Entwicklungen am europäischen Bankenmarkt haben dazu beigetragen, die Kurse nach oben zu treiben", sagte Soichiro Monji, Chefstratege bei Daiwa SB Investments. Aber auch neue Konjunkturdaten aus Japan und China unterstützten die positiven Tendenzen. So blieb die Stimmung in den japanischen Industriebetrieben stabil und in China legten die Dienstleister etwas an Schwung zu.

Der Ölpreis gab leicht um 0,2 Prozent auf 50,10 Dollar je Fass nach. Nach der Kursrally der vergangenen Tage nahmen hier Anleger Gewinne mit. Die überraschende Einigung der Opec-Staaten auf eine Begrenzung der Ölförderung hatte den Preis in die Höhe getrieben. Die Sorte Brent legte im September vier Prozent zu.

Quelle: ntv.de, mmo/jga/DJ/rts