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Tweet als Hoffnung Trump hievt die Wall Street ins Plus

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(Foto: picture alliance/dpa)

Spekulationen über eine Entspannung im Zollstreit mit China locken Anleger in den US-Aktienmarkt zurück. Dafür reicht ihnen offenbar aus, dass US-Präsident Trump mitteilt, sich mit dem Leiter der chinesischen Delegation in Washington zu treffen.

Ein Tweet von US-Präsident Donald Trump hat die Wall Street aus ihrer anfänglichen Lethargie befreit und temporär deutlich nach oben gehievt. Doch im späten Geschäft ließ der Effekt etwas nach. Trump hatte mitgeteilt, dass er mit dem Verlauf der Handelsgespräche bislang zufrieden sei und sich am Freitag mit dem chinesischen Vizepremier Liu He treffen werde. Händler sahen im Treffen einen weiteren Schritt des Aufeinanderzugehens bei den laufenden Handelsgesprächen.

Doch gab es auch Missklänge: So hatten chinesische Medienberichte eine frühere Abreise der chinesischen Delegation ins Spiel gebracht. Sollten sich beide Seiten nicht auf ein Handelsabkommen einigen und die angekündigten neuen US-Zölle in der nächsten Woche kommen, sei mit einem scharfen Wirtschaftsabschwung zu rechnen, warnten Analysten am Abend. Der Dow-Jones-Index gewann 0,6 Prozent auf 26.497 Punkte - im Tageshoch hatte er über 100 Zähler höher gelegen. S&P-500 und Nasdaq-Composite rückten um ebenfalls jeweils 0,6 Prozent vor. Den 1.867 (Mittwoch: 1.921) Kursgewinnern an der NYSE standen 1.081 (995) -verlierer gegenüber. Unverändert schlossen 86 (102) Aktien.

"Es gibt Anlass zu Optimismus, aber es scheint eine sehr wechselhafte Situation zu sein. Es war eine echte Achterbahnfahrt und der Wind scheint sich täglich zu drehen", sagte Portfolioverwalter Steven Violin von F.L.Putnam Investment Management. Neben den Trump-Aussagen ließen auch Medienberichte Hoffnung auf eine Annäherung im Handelsdisput aufkeimen. So soll die US-Regierung Schritte in Richtung eines "Währungspakt" unternehmen, in dem Streitfragen um den aus US-Sicht zu niedrigen Yuan behandelt werden sollen. Die USA sollen ferner bereit sein, die für kommende Woche vorgesehenen Zollerhöhungen zu stoppen. Zudem erlaubt das Weiße Haus offenbar einigen US-Unternehmen mittels einer Sondergenehmigung, Geschäfte mit dem chinesischen Telekommunikationsriesen Huawei zu tätigen. Die Wirtschaftsdaten spielten angesichts der überragenden Bedeutung der Handelsgespräche keine Rolle.

Am Devisenmarkt legte der Offshore-Yuan deutlich zu mit den Schlagzeilen über einen Währungspakt mit China. Nach knapp 7,14 am Vorabend wurde der Dollar zuletzt nur noch mit 7,1094 Yuan bezahlt. Der Pakt könnte eine Verpflichtung Chinas beinhalten, seine Währung nicht abzuwerten, wobei es andernfalls zu Zollanhebungen käme, so die Commerzbank.

Euro / Dollar
Euro / Dollar 1,11

Die Gerüchte um den US-chinesischen Währungspakt machten Analysten auch für den Anstieg des Euro zum Greenback verantwortlich. Die Gemeinschaftswährung kletterte im Tageshoch bis auf 1,1034 Dollar von Kursen um 1,0980 am Morgen - zuletzt kostete der Euro 1,10 Dollar. Zur Schwäche der US-Devise trügen auch Zinssenkungserwartung wie auch die von der US-Notenbank angekündigten Käufe kurzlaufender Anleihen bei, hieß es. Das britische Pfund legte indes deutlich zu. Positiv wurde gewertet, dass der britische Premier Boris Johnson und der irische Premierminister Varakar an dem Plan für einen geregelten Brexit arbeiten.

Rohöl (WTI)
Rohöl (WTI) 55,79

Dank des schwächeren Dollar und der Hoffnung auf eine Einigung im Handelsstreit legten die Ölpreise trotz eher negativer Nachrichten zu. Nachdem am Vortag einige Handelshäuser pessimistische Einschätzungen zu Preisen und Nachfrage gegeben hatten, senkte das Erdölkartell Opec in seinem Monatsbericht erneut die Wachstumsprognose für die diesjährige Ölnachfrage. Das allerdings befeuerte Spekulationen, dass das Kartell seine Fördermenge reduzieren könnte. Das Barrel US-Rohöl der Sorte WTI verteuerte sich um 1,8 Prozent auf 53,55 Dollar. Europäisches Referenzöl der Sorte Brent rückte um 1,3 Prozent auf 59,10 Dollar vor.

Der Goldpreis gab derweil nach. Die Feinunze ermäßigte sich im späten Geschäft um 0,8 Prozent auf 1.494 Dollar - belastet von steigenden Marktzinsen. Denn am Rentenmarkt hievten fallende Notierungen die Renditen nach oben. Die Zehnjahresrendite bei US-Staatsanleihen kletterte um 7,9 Basispunkte auf 1,66 Prozent - befeuert von einer steigenden Risikoneigung wegen der Hoffnungen im Handelsstreit. Rentenhändler verwiesen aber auch auf den schwachen Anleihemarkt in Europa, wo das Sitzungsprotokoll der EZB Spekulationen über ein Ausbleiben weiterer geldpolitischer Lockerungen entfacht hatte.

Apple
Apple 243,18

Die Apple-Aktie zeigte sich 1,3 Prozent höher. Das Unternehmen hatte sich dem Druck aus China gebeugt und eine App aus dem Angebot genommen, mit der Nutzer die Bewegungen von Polizeikräften in Hongkong verfolgen konnten. Damit entging der Technologiekonzern möglichen Sanktionen seitens Chinas.

Die Aktie von Ra Pharmaceuticals verdoppelte sich dank der Übernahme durch die belgische UCB. Der Kurs stieg um 101,1 Prozent. Die Belgier zahlen eine Prämie von 93 Prozent auf den durchschnittlichen Schlusskurs der vergangenen 30 Tage. Gut kam auch eine Personalie bei Bed Bath & Beyond an. Das Einrichtungshaus bekommt mit Mark Tritton einen neuen CEO, der nach Aussage des Unternehmens große Erfolge in der Einzelhandelsbranche vorzuweisen hat. Die Aktie sprang um 21,6 Prozent nach oben.

Dagegen stürzte die Aktie von PG&E um 29 Prozent ab. Hintergrund ist ein Gerichtsurteil im Rahmen des Insolvenzverfahrens des kalifornischen Versorgers. Demzufolge soll PG&E nicht mehr das alleinige Recht haben, über die Einzelheiten ihrer Reorganisation zu bestimmen. Damit wurde die Tür geöffnet für eine Investorengruppe, die alternative Vorschläge verfolgt.

Der Kurs von Delta Air Lines fiel um 1,5 Prozent. Die Fluggesellschaft hatte zwar im dritten Geschäftsquartal mehr verdient als erwartet, enttäuschte aber mit ihrer Kostenprognose. Die Titel des Supermarktbetreibers Kroger gaben 2,8 Prozent nach einer Abstufung durch Jefferies ab. Nach einer Umsatzwarung der französischen Werbeagentur Publicis gerieten die Wettbewerberpapiere von Interpublic 1,3 Prozent unter Druck.

Ein maues Börsendebüt erlebte die Aktie des Mainzer Biotechnologie-Startups Biontech an der Nasdaq. Der erste Kurs lag bei 16,50 Dollar und damit 10 Prozent über dem Ausgabepreis von 15 Dollar. Am Ende schloss das Papier 5 Prozent unter Ausgabepreis bei 14,25 Dollar.

Quelle: n-tv.de, jki/DJ

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