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Dow hält inne US-Anleger wagen keine großen Schritte

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(Foto: AP)

Auf das jüngste Sitzungsprotokoll der US-Notenbank Fed reagiert der US-Leitindex kaum. Die Fed bleibt ihrer abwartenden Haltung für 2019 zunächst treu. Im Dow bilden Boeing einmal mehr das Schlusslicht. Levi Strauss dagegen legen zu.

Im Vorfeld der Ergebnisse des mit Spannung erwarteten EU-Gipfels zum Brexit haben sich Anleger an der Wall Stree verhalten optimistisch gezeigt. Ganz leichten Anteil daran hatte das Sitzungsprotokoll der US-Notenbank, denn im Anschluss an die Veröffentlichung legten die Kurse leicht zu. Die US-Währungshüter hatten sich bei ihrer Sitzung im März noch überzeugter gezeigt, den Leitzins in diesem Jahr voraussichtlich nicht ändern zu müssen. Sie schätzten die Risiken für die amerikanische Wirtschaft durch die globale Verlangsamung des Wachstums und die gedämpfte Inflation höher ein, sahen aber auch keinen Grund für Zinssenkungen. Für 2019 wurde keine Zinserhöhung mehr avisiert, für 2020 lediglich eine und für 2021 wieder keine.

Dow Jones
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Das weiter bestehende Risiko eines harten Brexits hielt Investoren aber von deutlicheren Käufen ab. Denn soll ein harter Brexit am Freitag vermieden werden, musste der EU-Gipfel am Abend einer Verschiebung des EU-Austritts Großbritanniens zustimmen. Zwar zeigten sich Händler recht optimistisch diesbezüglich, aber die mahnenden Stimmen wollten nicht verstummen. "Der Fokus heute könnte wahrscheinlich auf den EU-Gipfel wechseln (...)", sagte Marktanalyst Charalambos Pissouros von JFD.  Boeing bremsen Dow erneut

Der Dow-Jones-Index wurde erneut von Abschlägen bei Boeing gebremst und schloss ganz knapp im Plus bei 26.157 Punkten. S&P-500 und Nasdaq-Composite kletterten dagegen um 0,3 bzw. 0,7 Prozent. Umgesetzt wurden an der Nyse 742 (Dienstag: 715) Millionen Aktien. Dabei wurden 2.161 (737) Kursgewinner und 784 (2.203) -verlierer gezählt. Unverändert schlossen 81 (100) Titel.

Schon vor dem Fed-Protokoll hatten Daten gezeigt, wie unwahrscheinlich Zinserhöhungen im laufenden Jahr sein dürften. Die US-Verbraucherpreise zeigten zwar im März den deutlichsten Anstieg seit 14 Monaten. Dies war aber den Energiepreisen geschuldet. Die um diesen Effekt bereinigte Kernrate legte dagegen nur äußerst moderat und geringer als erwartet zu. "Die erneut gesunkene Kerninflation auf ein 13-Monatstief im März verdeutlicht, dass es kurzfristig nur eine geringe Wahrscheinlichkeit für ein Überschießen des Inflationsziels der Fed gibt", sagte Volkswirt Andrew Hunter von Capital Economics.

Boeing
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Im Dow bildeten Boeing einmal mehr das Schlusslicht mit einem Abschlag von 1,1 Prozent. Der Flugzeugbauer hatte im März keine einzige Bestellung für Maschinen des Typs 737 Max erhalten. Diese sind aufgrund zweier Abstürze derzeit mit einem Flugverbot belegt. Es ist der erste Monat seit fast sieben Jahren, in dem Boeing kein Exemplar seines Bestsellers verkauft hat.

Berichte über Steuerpläne stützten Tesla und Co. Eine Gruppe von US-Abgeordneten will steuerliche Anreize zum Kauf von Elektrofahrzeugen ausweiten. Ein solcher Schritt hülfe nicht nur Tesla, sondern auch General Motors (GM), hieß es. Tesla zogen um 1,4 Prozent an, GM um 1,0 Prozent. Im Schlepptau gewannen Ford 1,3 Prozent.

Levi Strauss & Co
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Levi Strauss legten dagegen um 4,0 Prozent zu. Der Jeanshersteller hatte in seinem ersten Zahlenausweis seit dem Börsengang ein Umsatzplus und einen Gewinn ausgewiesen. Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum war noch ein Fehlbetrag verbucht worden.

Für Delta Airlines ging es um 1,6 Prozent nach oben. Die drittgrößte US-Fluggesellschaft wird die Kapazitäten in der wichtigen Sommerreisesaison stabil halten. Mit dieser Ankündigung zerstreute die Fluglinie Sorgen über zu hohe Kapazitäten und damit fallende Preise. Für das erste Quartal meldete Delta einen Quartalsgewinn am oberen Rand der Erwartungen. JetBlue Airways stiegen um 3,6 Prozent. Die Fluglinie meldete deutlich gestiegene Verkehrszahlen für März.

Lyft verloren dagegen 10,9 Prozent, die Titel des Fahrdienstleisters litten unter dem nahenden Börsengang des Wettbewerbers Uber. Dieser soll laut Berichten im Mai anstehen und die mögliche Bewertung niedriger liegen als ursprünglich veranschlagt. Dank eines positiven Ausblicks stiegen Conagra um 6,7 Prozent.  Euro mit Draghi-Aussagen und US-Inflation volatil

Am Devisenmarkt gab der WSJ-Dollarindex mit der niedrigen US-Kerninflation 0,2 Prozent ab. Der Euro geriet mit den Aussagen von EZB-Präsident Mario Draghi am Nachmittag zunächst unter Druck, erholte sich aber recht schnell wieder. Auf Tagessicht bewegte sich die Gemeinschaftswährung am Abend mit 1,1273 Dollar kaum. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte ihre Geldpolitik wie erwartet bestätigt. Nach Einschätzung eines Händlers enthielten die Aussagen Draghis substanziell nichts Neues. Doch schien die Betonung der Wachstumsrisiken in der Eurozone die Gemeinschaftswährung zumindest temporär etwas belastet zu haben. Letztlich habe sich Draghi Zeit erkauft, hieß es weiter. An anderer Stelle wurde die niedrige Kerninflation in den USA als Grund für die Euro-Erholung bemüht.

Rohöl (Brent)
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Die Ölpreise erholten sich von den Vortagesabgaben. Gestützt wurde das Sentiment von Daten der Opec. Die Ölförderung des Kartells war im März deutlich zurückgegangen, ausgelöst vor allem von Förderdrosselungen in Saudi-Arabien und signifikanten Ausfällen in Venezuela. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI stieg um 1,0 Prozent auf 64,61 Dollar, Brent erhöhte sich um 1,6 Prozent auf 71,73 Dollar. Die Rohöllagerbestände in den USA hatten sich in der Woche zum 5. April indes deutlicher als vorausgesagt ausgeweitet. Die ebenso stark gesunkenen Benzinbestände glichen das aber wieder aus.

Der Goldpreis zeigte sich weiter stabil über der Marke von 1.300 Dollar. Der Preis für die Feinunze legte mit der steigenden Gesamtinflation in den USA und den trüben Konjunkturprognosen der EZB um 0,3 Prozent zu auf 1.308 Dollar. Die weiter bestehenden globalen Sorgen stützten das Sentiment zusätzlich, hieß es.

Die US-Anleihen bauten ihre Vortagesgewinne aus. Die Rendite zehnjähriger Papiere reduzierte sich um 3,0 Basispunkte auf 2,47 Prozent. Hier schauten Anleger eher auf die gesunkene Kerninflation in den USA, die für weiter niedrige Zinsen in den USA sprach. Zudem folgten die Renditen denen deutscher Bundesanleihen nach unten, denn Bundesanleihen waren nach den taubenhaften Draghi-Kommentaren gesucht.

Quelle: n-tv.de, jki/DJ

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