Wirtschaft
(Foto: AP)
Freitag, 09. Februar 2018

Kurskapriolen an der Wall Street: US-Börsen gehen mit Plus ins Wochenende

An der New Yorker Wall Street kehrt am letzten Handelstag der Woche keine Ruhe ein. Die Zinsängste grassieren nach wie vor, so dass es mit den Indizes zunächst weiter abwärts geht. Doch zum Ende hin verzeichnen sie wieder kräftige Zuwächse.

Nach einer Berg- und Talfahrt hat die Wall Street eine turbulente Woche mit einem deutlichen Plus beendet. Dennoch verzeichnete der Dow-Jones-Index die schwärzeste Woche seit rund zwei Jahren. Die Tagesschwankungen des Leitindex waren dabei in den vergangenen Tagen so heftig wie seit der Finanzkrise im Jahr 2008 nicht mehr. Auch am Freitag blieben die Volatilität und die Nervosität hoch. Nach einer kräftigen Erholung zu Beginn des Handels rutschte der Index über 2 Prozent ins Minus. Anschließend kam es wiederum zu einem Anstieg und der Index schloss schließlich in Sichtweite seines Tageshochs.

Am Donnerstag waren der Dow-Jones-Index und der S&P-500 in den Korrekturmodus gerutscht - sie stürzten seit ihren letzten Höchstständen am 26. Januar um 10 Prozent ab. Dass die Korrektur mit den steigenden Kursen zum Wochenausklang bereits abgeschlossen ist, glauben allerdings nur die wenigsten Marktteilnehmer. Denn die Sorge vor steigenden Zinsen im Schlepptau einer anziehenden Inflation dürfte die US-Börsen noch eine Weile im Griff halten. Die Investoren befürchten, dass die US-Notenbank von Normalisierung auf Inflationsbekämpfung umschalten muss. Kurzfristig dürften daher die Daten zur US-Inflation am Mittwoch zum Dreh- und Angelpunkt für die Börsenentwicklung werden.

Der Dow-Jones-Index gewann 1,4 Prozent auf 24.191 Punkte. Dabei lagen zwischen Tagestief und Tageshoch erneut rund 1000 Punkte. Der S&P-500 erhöhte sich um 1,5 Prozent auf 2620 Punkte und der Nasdaq-Composite stieg um 1,4 Prozent auf 6874 Punkte.

"Viele Investoren haben gedacht, die Inflation und die Volatilität seien 'tot', sie müssen nun umdenken", sagte Stratege Jeff MacDonald von Fiduciary Trust Company International. "Die Märkte werden derzeit eher von emotionalen Entscheidungen als von fundamentalen Daten getrieben", sagte Bruce McCain, Investment-Stratege bei Key Private Bank. "Die gestiegenen Inflationssorgen dürften mittlerweile eingepreist sein, doch der Markt muss erst einen stabilen Boden ausbilden, bevor die Investoren wieder Mut fassen - aber dies wird noch einige Zeit dauern", ergänzte der Teilnehmer.

Geldpolitik bleibt das Thema

Die Blicke vieler Investoren sind derzeit auf die US-Notenbank gerichtet, die bei einem starken Inflationsanstieg bei den Zinserhöhungen stärker aufs Gas drücken könnte. Mit Fed-Präsidentin Esther George aus Kansas City hat eine weitere Vertreterin der Fed das Thema Zinserhöhungen untermauert. Sie hat die Bedeutung weiterer Zinsschritte hervorgehoben. Gerade vor dem Hintergrund steigender Regierungsausgaben und einer stimulierenden Steuerreform sei es wichtig, mit den Zinserhöhungen fortzufahren, sagte sie.

Dass der neuerliche Regierungsstillstand in den USA nur wenige Stunden dauerte, bewegte die Märkte kaum. Denn dieser sei im Vorfeld zwar gern von Marktbären zur Erklärung von Verkäufen am Aktienmarkt bemüht worden, doch am Markt habe der drohende Regierungsstillstand keine große Rolle gespielt, hieß es.
Das umstrittene US-Haushaltsgesetz hat am Freitag die letzte parlamentarische Hürde genommen: Nach dem Senat votierte auch das Repräsentantenhaus für den Kompromiss. Die Vereinbarung sieht vor, dass als erster Schritt ein sechswöchiger Übergangshaushalt verabschiedet wird. Dadurch soll Zeit gewonnen werden, um die zweijährige Haushaltsvereinbarung als Gesetzestext zu formulieren und von beiden Kongresskammern verabschieden zu lassen.

Ölpreise stark unter Druck - Goldpreis mit Abgaben

Ein deutlicher Anstieg der Ölförderanlagen in den USA hat die Ölpreise zum Wochenausklang unter Druck gesetzt. Deren Zahl stieg so stark wie zuletzt vor über einem Jahr. Es war zudem bereits der dritte Anstieg in Folge. Dies befeuerte die Sorgen vor einem weiteren Anstieg der US-Förderung. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI fiel zum US-Settlement um 3,2 Prozent auf 59,20 Dollar und damit den tiefsten Stand seit knapp zwei Monaten. Für Brent ging es um 3,1 Prozent auf 62,79 Dollar nach unten.

Der Dollar setzte seine Aufwärtsbewegung fort. Der ICE-Dollarindex kletterte um 0,2 Prozent und verzeichnete mit einem Aufschlag von 1,3 Prozent den stärksten Wochengewinn seit Ende Oktober. Der Euro fiel leicht auf 1,2235 Dollar nach Wechselkursen über 1,2240 Dollar am Vorabend.

Der Goldpreis gab erneut nach und setzte damit seine negative Entwicklung aus dem Wochenverlauf fort. Vor allem der deutliche Dollar-Anstieg hat dem Edelmetall zugesetzt. Dazu kamen anhaltende Zinsfantasien. Der Preis rutschte zum US-Settlement um weitere 0,3 Prozent auf 1316 Dollar. Damit steht für die Woche ein Minus von 1,6 Prozent zu Buche - das stärkste seit Anfang Dezember.

Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen legte nach einem volatilen Handel um 3 Basispunkte auf 285 Prozent zu. Gebremst wurden die Rentennotierungen von Sorgen über ein steigendes Angebot an Staatsanleihen. Die Unterfinanzierung des Staates durch die Steuerreform und die geplanten Mehrausgaben der Regierung von US-Präsident Trump führten zu einer steigenden Schuldenaufnahme, hieß es.

Noch einmal ein Schwung an Geschäftsberichten

Quartalsberichte drückten Einzelaktien den Stempel auf. Die Reiseplattform Expedia hat im vierten Quartal unter steigenden Kosten gelitten. Der Umsatz legte um 11 Prozent zu, während die Gesamtausgaben um 16 Prozent anschwollen. Die Titel brachen um 15,5 Prozent ein.

Für Nvidia ging es dagegen um 6,7 Prozent nach oben. Der Chiphersteller verdiente im vierten Quartal deutlich mehr und setzte mehr um als von Analysten erwartet. Auch der Ausblick auf das laufende Quartal fiel besser aus als die Prognosen.

Die Auswirkungen der US-Steuerreform und die starken Waldbrände in Kalifornien bescherten dem Versicherungskonzern AIG im vierten Quartal einen Verlust. Unter Herausrechnung von Sonderfaktoren und auf Nachsteuerbasis berichtete AIG aber einen Gewinn. Der Kurs gewann 3,3 Prozent.

Die Aktie von United Technologies verlor 1,9 Prozent. Auslöser war ein Bericht des Wall Street Journal, wonach es Probleme bei Airbus-Maschinen des Modells A320neo gibt, die mit Triebwerken von Pratt & Whitney ausgerüstet sind, einem Tochterunternehmen von United Technologies. Zudem hat die Europäische Agentur für Flugsicherheit mitgeteilt, dass sie von "mehreren Vorkommnissen bei der Abschaltung von Triebwerken während des Fluges" und anderen Ereignissen mit dem Triebwerk beim A320neo, dem meistverkauften Flugzeug von Airbus, Kenntnis hat. Die Behörde ordnete in der Folge Flugbeschränkungen für Maschinen an, die mit den betroffenen Triebwerken ausgerüstet sind.

Die Qualcomm-Aktie stieg um 2,5 Prozent. Der Chipkonzern hat seine Übernahmeofferte für den niederländischen Halbleiterhersteller NXP erneut verlängert. Die Andienungsfrist ende nun am 23. Februar um 17 Uhr, teilte der US-Konzern mit. Qualcomm will NXP für 47 Milliarden Dollar inklusive Schulden übernehmen. Das im vergangenen Jahr unterbreitete Übernahmeangebot ist bereits mehrfach verlängert worden und sollte zuletzt enden.

Quelle: n-tv.de