Marktberichte

Trotz aller Probleme Wall Street erlebt wieder Tag im Plus

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Die Händler erwarten, dass die Zinsen niedrig bleiben - die Fed gibt ihre Entscheidung am Dienstag bekannt.

(Foto: AP)

Noch immer lasten viele Sorgen auf der Wall Street. Da ist die Corona-Pandemie. Da ist der Streit mit China. Und die Händler erwarten einen riesigen Einbruch der Wirtschaftsleistung. Und die Kurse? Steigen wieder.

Nach zuletzt zwei Handelstagen mit deutlichen Abschlägen ging es an der Wall Street leicht nach oben. Stärker gesucht waren im Vorfeld der Quartalszahlen im Laufe der Woche die Technologiewerte. Insgesamt herrschte mit Blick auf die im Wochenverlauf anstehenden Zahlen und Termine jedoch eine gewisse Zurückhaltung.

Nasdaq Composite
Nasdaq Composite 10.902,80

Ein Hauptaugenmerk dürfte dabei auf der US-Notenbank liegen. Hier setzen Marktteilnehmer darauf, dass die Fed am Mittwoch ihre Haltung, Niedrigzinsen für einen längeren Zeitraum, bekräftigen wird. Zudem wurde auf eine Einigung für neue Hilfszahlungen an Arbeitslose in den USA gehofft, hieß es.

Berichtssaison mit Apple und Amazon

Ab Dienstag tobt dann wieder die Berichtssaison. Insgesamt legen es im Wochenverlauf 180 Unternehmen aus dem S&P-500 ihre Zahlen vor. Darunter die Technologie-Konzerne Apple, Facebook, Alphabet und Amazon. Im Vorfeld legten deren Aktien zu. Amazon gewannen 1,5 Prozent und liegen damit seit Jahresbeginn rund 66 Prozent im Plus. Alphabet stiegen um 1,4 Prozent und Apple um 2,4 Prozent. Die Facebook-Aktie gewann 1,2 Prozent.

Die Technologiewerte führten den Markt an, der entsprechende Index im S&P-500 verbesserte sich um 2,3 Prozent. Am anderen Ende des Kurszettels standen die Finanzwerte, deren Subindex 1,6 Prozent verlor.

Der Dow-Jones-Index erhöhte sich um 0,4 Prozent auf 26.585 Punkte. Der S&P-500-Index verbesserte sich um 0,7 Prozent auf 3.239 Punkte und der Nasdaq-Composite legte um 1,7 Prozent auf 10.536 Punkte zu. An der Nyse gab es 1.786 (Freitag: 1.020) Kursgewinner und 1.218 (1.930) -verlierer. Unverändert schlossen 60 (114) Titel.

Im Blick stand auch weiter das angeknackste Verhältnis zwischen den USA und China. Teilnehmer fürchten, dass US-Präsident Donald Trump den Konflikt aus Wahlkampfgründen weiter am Köcheln halten wird. Größte Sorge blieb an den Börsen die Corona-Pandemie, die gerade in den USA weiter wütet. Aber auch in anderen Ländern steigen die Infektionszahlen deutlich.

Auf der Konjunkturseite lieferte der Auftragseingang für langlebige Güter ein positives Signal, denn er fiel stärker aus als erwartet. Spannender wird es aber am Freitag, wenn das Bruttoinlandsprodukt für das zweite Quartal ansteht. Experten rechnen hier mit einem Einbruch um rund 35 Prozent.

Goldpreis klettert auf Allzeithoch

Die Musik spielte vor allem an den Gold- und Devisenmärkten. Gold hat sein altes Allzeithoch aus dem Jahr 2011 bei 1.921 Dollar je Feinunze deutlich übersprungen und stieg auf 1.939 Dollar, ein Tagesplus von 2,0 Prozent. Das neue Allzeithoch wurde bei 1.946 Dollar markiert. Die wachsenden Spannungen zwischen den USA und China, vor allem aber die Sorge vor einer zweiten Corona-Welle in Europa und Asien wurden im Handel als Treiber genannt. Auch die aktuelle Dollar-Schwäche helfe aktuell dem Goldpreis.

Am Devisenmarkt konnte sich der Greenback von seinen Tiefs jedoch etwas erholen. Der Euro stieg auf 1,1746 Dollar. Gegenüber der japanischen Währung fiel der Dollar auf 105,43 Yen. Der Dollar-Index rutschte auf ein Zweijahrestief und verlor 0,8 Prozent. Zum einen ist der Dollar unter Druck, weil die Corona-Pandemie in den USA weniger effizient bekämpft wird als in den meisten anderen Ländern bzw. Regionen. Die Euro-Rally hatte zudem Fahrt aufgenommen, als sich die EU-Länder auf ein üppiges Hilfspaket geeinigt hatten.

Die Ölpreise erholten sich von zwischenzeitlichen Verlusten und drehten ins Plus. Händler verwiesen zur Begründung vor allem auf den schwachen Dollar, der Sorgen in Bezug auf einen Angebotsüberschuss in den Hintergrund gedrängt habe. Doch die Sorgen bezüglich eines Nachfragerückgangs aufgrund der Coronavirus-Pandemie hätten einen stärkeren Anstieg verhindert, hieß es weiter. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI stieg um 0,8 Prozent auf 41,61 Dollar, für Brent ging es um 0,3 Prozent aufwärts auf 43,46 Dollar.

Anleihen waren mit den bestehenden Unsicherheiten zwischenzeitlich leicht gesucht, gaben die Gewinne im Verlauf jedoch wieder vollständig ab. Die Zehnjahresrendite stieg um 1,3 Basispunkte auf 0,60 Prozent.

Hasbro stürzen nach Zahlen ab

Vorbörslich hatte Hasbro Zahlen ausgewiesen. Zwar hat der Spielwarenhersteller seinen Absatz von Computerspielen wegen Corona drastisch gesteigert, doch der Gesamtumsatz brach um 29 Prozent ein - wegen der geschlossenen Einzelhandelsgeschäfte, aber auch wegen Problemen in der Lieferkette. Für die Aktie ging es um 7,4 Prozent abwärts.
Dagegen scheint die Supermarkt-Kette Albertsons zwar ein Profiteur der Coronavirus-Pandemie zu sein. Der flächenbereinigte Umsatz stieg im ersten Geschäftsquartal um 26,5 Prozent. Offenbar haben die Anleger aber noch mehr erwartet. Die Aktie verlor 5,4 Prozent.

Quelle: ntv.de, vpe/DJ