Marktberichte

Steuerreform ohne Auswirkungen Wall Street legt Verschnaufpause ein

d94a3aef1a4384446e3dec3d169cefc0.jpg

(Foto: AP)

Auf dem Börsenparkett in New York ging es heute deutlich ruhiger zu als in den vergangenen Tagen. Daran konnte auch Donald Trumps Steuerreform nichts ändern.

Nach zuletzt zwei fulminanten Handelstagen mit neuen Allzeithochs kam es am Dienstag an der Wall Street zu einem kleinen Rücksetzer. Händler sprachen von einer Auszeit. Das zentrale Wahlkampfversprechen von US-Präsident Donald Trump hat mit dem US-Repräsentantenhaus die erste wichtige Hürde genommen. Einfluss auf das Handelsgeschehen hatte dies jedoch nicht. Sollte auch der Senat zustimmen, wovon der Markt fest ausgeht, könnte Trump das Gesetz noch vor Weihnachten unterzeichnen.

Ob sich die Aufwärtstendenz nach der Verabschiedung der Steuerreform jedoch fortsetzt, darüber gingen die Meinungen auseinander. Die Steuersenkungen würden genau zum richtigen Zeitpunkt in die Tat umgesetzt, um der Weihnachtsrally einen neuerlichen Schub zu geben, sagte James Hughes, Chef-Marktanalyst bei Axitrader. Hughes hält es für sehr wahrscheinlich, dass die großen Indizes neue Rekordstände erreichen werden.

Etwas kritischer äußerte sich dagegen Finanzanalyst Connor Campbell von Spreadex. Die Anleger hätten - was wenig überraschend sei - einige Punkte der Reform ignoriert, etwa ihre Folgen für die amerikanische Mittelklasse. Stattdessen hätten die Investoren sich auf die Vorzüge konzentriert, die die Steuererleichterungen den großen Unternehmen und den Reichen brächten, merkte der Analyst an. Insgesamt steigt die Verschuldung durch die Reform Schätzungen zufolge zwischen 2018 und 2027 um knapp 1,5 Billionen Dollar.

Anfängliche Gewinne konnten die Indizes nicht verteidigen. Der Dow-Jones-Index fiel schließlich um 0,2 Prozent auf 24.755 Punkte. Der S&P-500 gab um 0,3 Prozent auf 2.681 Punkte nach. Für den Nasdaq-Composite, der am Vortag erstmals über die Marke von 7.000 Punkten geklettert war, ging es um 0,4 Prozent auf 6.964 Punkte nach unten.

Schwacher Dollar stützt Ölpreise

Die Konjunkturdaten des Tages - Baubeginne und -genehmigungen aus dem November und dazu die Leistungsbilanz des dritten Quartals - waren besser ausgefallen als erwartet, traten aber hinter das Thema Steuerreform zurück.

Der Dollar stand unter Druck und reagierte nicht auf die Verabschiedung der Steuerreform durch das US-Repräsentantenhaus. Der Euro kletterte bereits im Vorfeld wieder über die Marke von 1,18 Dollar. Im späten US-Handel lag die Gemeinschaftswährung bei 1,1841 Dollar. Mit der Fokussierung auf die Steuerreform sei der weiter drohende "Gouvernment Shutdown", die Zahlungsunfähigkeit der Regierung, in den Hintergrund gedrängt worden. Doch die Frist für eine Einigung läuft bereits am 22. Dezember ab. Bis dahin haben Demokraten und Republikaner noch Zeit, sich auf einen gemeinsamen Haushalt zu einigen. Zwar werde am Markt mit einer erneuten Verlängerung bis Januar gerechnet, doch machte sich "im Vorfeld Unsicherheit breit, die den Dollar belastete", so ein Teilnehmer.

Der schwächere Dollar stützte im Gegenzug die Ölpreise. Diese profitieren jedoch auch weiterhin vom Ausfall des Forties-Pipeline-Systems, das erst in einigen Wochen den Betrieb wieder starten dürfte. Bis dahin werden täglich 450.000 Barrel Nordseeöl weniger auf den Markt gelangen. Ferner hat der größte russische Ölkonzern Rosneft Förderbeschränkungen über den von der Opec vereinbarten Zeitraum hinaus in Aussicht gestellt. Und es rückten bereits die wöchentlichen Öllagerdaten in den Fokus, die am Mittwoch veröffentlicht werden. Das Barrel US-Leichtöl der Sorte WTI verteuerte sich zum US-Settlement um 0,5 Prozent auf 57,46 Dollar, Brent stieg um 0,6 Prozent auf 63,80 Dollar.

Technologiewerte unter Druck

Der Preis für eine Feinunze Gold fiel zum US-Settlement um 0,1 Prozent auf 1.264 Dollar - trotz des schwachen Dollar. Der Preis für das Edelmetall habe sich in einer engen Spanne bewegt, sagte ein Händler. Das die US-Steuerreform die erste Hürde im Repräsentantenhaus genommen habe, hätte keinen Einfluss gehabt. Etwas Unterstützung kam dagegen von der Ungewissheit um mögliche negative Folgen der Steuerreform für Wirtschaft und Inflation.

Unter Druck standen unter anderem die Technologiewerte. Im Gegensatz zu Banken, Einzelhändlern und Finanzdienstleistern dürften sie nicht so stark von der US-Steuerreform profitieren, hieß es zur Begründung. Daneben habe es auch verstärkte Umschichtungen in andere Sektoren gegeben, die in diesem Jahr noch keine so starke Entwicklung gezeigt hätten. Hier wurde unter anderem auf die Energiewerte verwiesen, deren Sektor-Index im S&P-500 gegen den Trend leicht zulegte. Bei den Technologiewerten verlor die Apple-Aktie 1,1 Prozent, für die Papiere von Verizon ging es um 0,8 Prozent nach unten.

Die Navistar-Aktie legte um 7,4 Prozent zu. Die VW-Beteiligung hat sich bei der Vorlage überraschend guter Geschäftszahlen optimistisch zum Nutzfahrzeugmarkt im kommenden Jahr geäußert. Die Aktie des Online-Autohändlers Cars.com profitiert vom Einstieg des aktivistischen Investors Starboard Value. Die Titel gewannen 4,8 Prozent.

Daneben bewegten Analystenkommentare die Kurse einzelner Aktien. Wal-Mart erhöhten sich um 0,9 Prozent, nachdem die Titel von der Citigroup auf "Buy" von "Neutral" hochgestuft wurden. Ferner hat RBC die Aktien von General Motors auf "Outperform" von "Sector Perform" erhöht. Die Papiere gewannen 0,8 Prozent. Die Deutsche Bank hat die Beobachtung von Procter & Gamble mit einer Kaufempfehlung gestartet, die Titel fielen nach anfänglichen Gewinnen leicht um 0,2 Prozent.

Quelle: n-tv.de, bdk/DJ

Mehr zum Thema