Wirtschaft
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Montag, 30. April 2018

Netanjahu verdirbt Laune: Wall Street schließt im Minus

Die New Yorker Wall Street präsentiert sich zu Wochenbeginn schwach. Im Fokus steht der Milliardendeal im US-Telekomsektor. Auch die politische Großwetterlage lässt die Börsianer nicht kalt.

Die US-Börsen haben am Montag ihre Eröffnungsgewinne nicht gehalten. Für einen leichten Schrecken sorgte eine neue Verschärfung der Nahostkrise. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu erklärte, sein Land habe schlüssige Beweise, dass Iran ein geheimes Atomwaffenprogramm betreibe. Hierfür präsentierte Netanjahu vor Journalisten Dokumente, die entsprechende iranische Pläne belegen sollen.

Allerdings ging daraus nicht hervor, dass Iran nach dem Atomabkommen von 2015 noch entsprechende Pläne verfolgt hat. Dennoch dürfte sich mit der neuen Debatte die Wahrscheinlichkeit verringern, dass die USA an der Aussetzung der Sanktionen festhalten. Am 12. Mai wird hierüber entschieden. Auch sonst zeigten sich die Anleger im Vorfeld wichtiger Termine vorsichtig, etwa der Notenbanksitzung diese Woche. Einen positiven Akzent setzten dagegen Unternehmen, die überwiegend mit ihren Geschäftszahlen überzeugt haben.

Der Dow-Jones-Index sank um 0,6 Prozent auf 24.163 Punkte. Der S&P-500 verlor 0,8 Prozent, der Nasdaq-Composite gab im gleichen Maß ab. Umgesetzt wurden 1,007 (Freitag: 726 Millionen) Milliarden Aktien. Dabei wurden 1.105 (1.699) Kursgewinner und 1.850 (1.256) -verlierer gesehen. Unverändert schlossen 118 (112) Titel.

Die Annäherung der beiden koreanischen Staaten geriet in den Schatten der wieder angefachten Nahostkrise. Auch dass US-Präsident Donald Trump nochmals seinen Gipfel mit dem nordkoreanischen Staatsführer bestätigte und die Chancen unterstrich, konnte die angeknackste Stimmung nicht retten.

Zudem rückte die Sorge vor Protektionismus wieder nach vorn. US-Finanzminister Steven Mnuchin wird mit einer handelspolitischen Agenda voraussichtlich diese Woche zu Verhandlungen nach China reisen. Ferner enden am Dienstag die Ausnahmeregelungen für einige Länder bei den US-Strafzöllen auf Stahl und Aluminium.

Daneben richteten sich die Blicke der Anleger schon auf die zweitägige Sitzung der US-Notenbank, die am Dienstag beginnt und deren Ergebnis am Mittwoch bekanntgegeben wird. Die Fed-Sitzung stelle sogar den normalerweise stark beachteten monatlichen Arbeitsmarktbericht der US-Regierung in den Schatten, sagte ein Teilnehmer. Es wird erwartet, dass die Währungshüter dieses Mal noch nicht an der Zinsschraube drehen. Beobachter halten es aber für möglich, dass die Fed eine Zinserhöhung für Juni in Aussicht stellt.

Verbraucherausgaben stehen weiteren Zinserhöhungen nicht entgegen

An Konjunkturdaten wurden die persönlichen Einkommen und Ausgaben aus dem März veröffentlicht. Die Einkommen stiegen im März etwas weniger stark als erwartet, der Anstieg der Ausgaben deckte sich mit der Konsensschätzung von Volkswirten. Der PCE-Index, das bevorzugte Inflationsmaß der US-Notenbank, erreichte im März mit einem Anstieg um 2 Prozent auf Jahressicht erstmals seit Februar 2017 das Ziel der Fed. Das spricht für weitere Zinserhöhungen im Laufe des Jahres. Der April-Einkaufsmanagerindex für die Region Chicago blieb hinter der Prognose zurück, bewegte sich allerdings weiter auf hohem Niveau. Eine unmittelbare Reaktion lösten die Daten nicht aus.

Geschäftszahlen kamen am Montag unter anderem von McDonald's. Die Schnellrestaurantkette hat den Gewinn im ersten Quartal trotz eines Umsatzrückgangs gesteigert und dabei die Erwartung des Marktes übertroffen. Mit einem Plus von 5,8 Prozent führte die Aktie den Dow-Jones-Index mit großem Abstand an.

Die Allergan-Aktie drehte im Verlauf ins Minus und gab schließlich gut 5 Prozent ab, nachdem zunächst besser als erwartet ausgefallene Zahlen gestützt hatten. Aussagen von CEO Brent Saunders zu den strategischen Optionen des Pharmaunternehmens weckten Analysten zufolge die Sorge, das Unternehmen könnte überhaupt nichts davon umsetzen.

Broadcom gaben um 1,4 Prozent nach. Der Chiphersteller hat die Prognosespanne für den Umsatz im zweiten Quartal eingeengt.
Arconic stürzten um knapp 21 Prozent ab. Bei der Vorlage seiner Geschäftszahlen hat das Unternehmen einen Ausblick gegeben, der unter den Erwartungen der Analysten lag. Das zog auch den übrigen Industriesektor abwärts.

Daneben wurden Übernahmepläne mitgeteilt. So wird Walmart ihre britische Tochter Asda an die ebenfalls britische Sainsbury verkaufen. Walmart erhält dafür 42 Prozent an dem fusionierten Unternehmen und zusätzlich fast 3 Milliarden britische Pfund in bar. Walmart rückten um 1,3 Prozent vor.

Ferner plant T-Mobile US im nunmehr dritten Anlauf den Kauf von Sprint für 26 Milliarden Dollar in Aktien. Allerdings steht der Kauf unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen. Auch die Aktionäre müssen dem Zusammenschluss zustimmen. T-Mobile verloren gut 6 Prozent, Sprint brachen um knapp 14 Prozent ein.

Celgene fielen um 4,5 Prozent. Morgan Stanley rechnet mit einer Verzögerung von ein bis drei Jahren für einen neuerlichen Versuch, die US-Genehmigung für das Multiple-Skleros-Präparat Ozanimod.

US-Dollar steigt - Öl erholt sich mit Irankrise

Der US-Dollar machte wieder Boden gut. Die aktuell noch von Shorteindeckungen getriebene Rally des Greenback könnte fundamental untermauert und nachhaltig sein, sagten die Analysten der ING. Sie sehen Hinweise auf eine gegenläufige Entwicklung der Wirtschaft in den USA und anderen Ländern. Während die US-Wirtschaft Zeichen eines stärkeren Wachstums aufweise, würden anderswo, etwa in der Eurozone, schwächere Konjunkturdaten veröffentlicht. Im vergangenen Jahr sei das noch andersherum gewesen. Aktuell kostet ein Euro 1,2076 Dollar, am späten Freitagabend waren es rund 1,2130 Dollar.

Die Ölpreise erholten sich im Tagesverlauf und drehten ins Plus. Anlass für die Bewegung waren die israelischen Aussagen, Iran verfolge weiter ein Atomwaffenprogramm. Zunächst hatten der feste Dollar und die gestiegene US-Erdölförderung belastet. Der Preis für ein Barrel Leichtöl der US-Sorte WTI stieg zum Settlement um 0,7 Prozent auf 68,57 Dollar. Brentöl legte um 0,7 Prozent zu auf 75,16 Dollar.

Auf dem Goldpreis lastete die Aufwertung des Dollar. Die Feinunze gab um 0,6 Prozent auf 1.315 Dollar nach. Die Stärke des Dollar habe allerdings keinen nachhaltigen Einfluss auf die technische Lage des Goldpreises, sagte Richard Perry, Analyst bei Hantec. Nach Meinung von Perry ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass Gold, das sich in diesem Jahr bislang in einer engen Spanne bewegt hat, in dieser Woche durch die Unterstützung bei 1.300/1.310 Dollar bricht. Seit Beginn des Jahres habe Gold niemals unter dieser Zone geschlossen, weil Korrekturen immer wieder zu Käufen genutzt worden seien.

Der Anleihemarkt erfuhr mit den sinkenden Aktienkursen Zulauf. Dort verlor die Rendite zehnjähriger Titel 2 Basispunkt auf 2,95 Prozent. In der vergangenen Woche war die Zehnjahresrendite zeitweise über 3,0 Prozent gestiegen, was einen Abverkauf am Aktienmarkt zur Folge hatte.

Quelle: n-tv.de