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"Beweise" für Atombombenbau Netanjahu wirft dem Iran "Lügen" vor

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Israels Premierminister präsentiert auf Schaubildern seine Beweise für das iranische Atomprogramm.

(Foto: REUTERS)

Israel hat angeblich "schlüssige Beweise" dafür, dass der Iran noch immer nach Atomwaffen strebt. Ministerpräsident Netanjahu spricht von einem "geheimen Atomarchiv" - und liefert US-Präsident Trump damit neue Argumente für einen Ausstieg aus dem Atomdeal.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat dem Iran vorgeworfen, weiter den Bau einer Atombombe anzustreben. Dies zeigten Zehntausende Dokumente aus einem "geheimen Atomarchiv" in Teheran, das der israelische Geheimdienst aufgespürt habe, sagte er vor Journalisten in Tel Aviv. "Der Iran hat gelogen."

Laut Netanjahu hat Israel damit "schlüssige Beweise" dafür, dass der Iran ein geheimes Atomwaffenprogramm verfolgt. Der Iran habe seine nuklearen Ambitionen nie aufgegeben und verstoße damit gegen das internationale Atomabkommen, sagte Netanjahu. Der Vertrag sei ein "schrecklicher Deal", der auf Lügen basiere und nie hätte unterzeichnet werden dürfen.

Das geheime Material, das der Iran laut Netanjahu nach der Unterzeichnung des Abkommens versteckt haben soll, reicht demnach zum Bau von "fünf Hiroshima-Bomben". Der israelische Premier kündigte an, die Dokumente mit anderen Staaten und der Internationalen Atomenergiekommission teilen zu wollen. Die Informationen seien schon an die USA weitergeleitet worden.

Iran: "aufgewärmte Vorwürfe"

Der Iran hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Außenminister Mohammed Dschawad Sarif sprach von "aufgewärmten alten Vorwürfen", mit denen sich die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) bereits befasst habe. "Wie praktisch. Perfektes Timing für angebliche Geheimdienst-Enthüllungen von dem Jungen, der Wolf schreit, nur wenige Tage vor dem 12. Mai", schrieb Sarif mit Blick auf den Stichtag, bis zu dem US-Präsident Donald Trump über das Festhalten der USA am internationalen Atomabkommen mit dem Iran entscheiden muss.

US-Außenminister Mike Pompeo hielt dagegen, die von Israel vorgelegten Geheimdiensterkenntnisse zu einem angeblichen geheimen Atomprogramm des Iran seien authentisch. Viel davon sei neu für US-Experten, sagte Pompeo, der bis vergangene Woche noch CIA-Chef war, auf dem Rückflug von einer Reise in den Nahen Osten. Bei seinem Besuch hatte Pompeo Netanjahu getroffen und sich über das Material informieren lassen.

Der rechtskonservative israelische Regierungschef gilt als seit jeher als einer der größten Gegner des Atomabkommens, da die iranische Führung die Auslöschung Israels noch immer als offizielle Staatsmaxime verfolgt. Deshalb sieht der jüdische Staat eine Aufrüstung Teherans mit Atomwaffen als eine Bedrohung seiner Existenz.

Die Ankündigung Netanjahus kommt wenige Tage, bevor US-Präsident Donald Trump entscheiden muss, ob die USA an dem Atomabkommen festhalten oder aussteigen. Trump sieht sich durch die israelischen Vorwürfe gegen den Iran in seiner harten Haltung gegen Teheran bestätigt und hat das Atomabkommen erneut kritisiert. Die Präsentation von Netanjahu zeige, dass er mit seiner Meinung über den Iran zu "hundert Prozent" Recht gehabt habe, sagte er in Washington.

"Bin sicher, er wird das Richtige tun"

Die Situation sei nicht akzeptabel, so der US-Präsident weiter. Der Iran sei nicht untätig. Das internationale Atomabkommen mit Teheran nannte Trump erneut einen "schrecklichen" Deal. Er sagte aber nicht, ob Amerika aus der Vereinbarung aussteigen wird. Der israelische Regierungschef würde seinerseits einen Ausstieg begrüßen: "Ich bin mir sicher, er wird das Richtige tun", sagte er in Tel Aviv. Der neue US-Außenminister Mike Pompeo und der neue Nationale Sicherheitsberater John Bolton gelten ebenfalls als großer Gegner des Vertrags.

Der Iran hatte das Atomabkommen 2015 mit den fünf UN-Veto-Mächten sowie Deutschland geschlossen. Die Vereinbarung verbietet dem Land für mindestens zehn Jahre die Entwicklung von Atomwaffen und gibt strenge Auflagen bei der Nutzung der Atomkraft vor. Im Gegenzug wurde dem Iran eine Normalisierung der Wirtschaftsbeziehungen in Aussicht gestellt. Deutschland, Frankreich, Großbritannien, China und Russland wollen an dem Abkommen festhalten.

Quelle: n-tv.de, bdk/wne/chr/jug/dpa/AFP/rts

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