Marktberichte

Dow Jones schließt im Minus Zinssenkung sorgt nur kurz für Rückenwind

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Am Ende dominierten Abgaben am US-Aktienmarkt, allerdings schloss der Markt über Tagestief.

(Foto: imago images/UPI Photo)

Die Freude über eine überraschende US-Zinssenkung zur Bekämpfung der Folgen der Coronavirus-Epidemie ist an den New Yorker Börsen rasch wieder verflogen. Zuvor haben bereits geplatzte Hoffnungen auf sofortige Konjunkturhilfen der großen Industriestaaten die Kauflaune gedämpft.

Die Volatilität an der Wall Street ist zurück - der Dow-Jones-Index bewegte sich in einer Tagesspanne von knapp 1.400 Punkten. Eine überraschende Zinssenkung der US-Notenbank hatte die Börse nur kurz deutlicher in Plus gehievt. Am Ende dominierten Abgaben am US-Aktienmarkt, allerdings schloss der Markt über Tagestief. Erstmals seit der Finanzkrise 2008 hatte die Fed außerhalb einer turnusmäßigen Sitzung die Zinsen gesenkt - und das gleich um 50 Basispunkte. Das rief Skeptiker auf den Plan, die vor dem Zustand der US-Konjunktur im Zeichen von Corona warnten. "Was wissen die Fed-Akteure, was wir nicht wissen?", fragte Portfolioverwalter Kevin Preloger von Perkins Investment.

US-Notenbankpräsident Jerome Powell befeuerte diese Sorgen noch. Er sprach von Risiken für den konjunkturellen Ausblick und betonte zugleich die Grenzen der Geldpolitik vor dem Hintergrund der Corona-Epidemie. Viele Börsianer glaubten nicht, dass der wirtschaftliche Abschwung wegen der Epidemie mit den Mitteln der Geldpolitik eingedämmt werden könne. "Geldpolitik ist nicht gut aufgestellt, um Lieferschocks zu begegnen", sagte Chefvolkswirt Joseph Brusuelas von RSM US. Er senkte seine US-Wachstumsprognose für das erste Quartal. "Zinssenkungen tragen dazu bei, das Vertrauen der Investoren zu stärken, allerdings werden sie nicht dazu beitragen, dass kranke oder unter Quarantäne stehende Menschen wieder arbeiten können", ergänzte Marktstratege Bruce Pang von China Renaissance Securities.

Der Dow-Jones-Index verlor 2,9 Prozent auf 25.917 Punkte, S&P-500 und Nasdaq-Composite gaben 2,8 bzw. 3,0 Prozent ab. Den 1.025 (Montag: 2.474) Kursgewinnern an der NYSE standen 1.955 (546) -verlierer gegenüber. Unverändert schlossen 52 (31) Aktien. Für Enttäuschung sorgten die G7-Finanzminister und Notenbankchefs. Denn sie konnten sich nicht zu einer konzertierten Aktion durchringen, auf die Börsianer gehofft hatten.

Die US-Rentennotierungen schossen mit dem Zinsschritt der Fed nach oben, die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stürzte auf ein Allzeittief und notierte erstmals unter der Schallmauer von 1 Prozent. Im späten Handel brach die Zehnjahresrendite um 16 Basispunkte auf 1,01 Prozent ein. Am kurzen Ende des Marktes, das sensibler auf Zinssenkungen reagiert, fiel der Renditeabsturz noch heftiger aus. Händler sprachen von Panikkäufen - auch vor dem Hintergrund eines drohenden Konjunktureinbruchs.

Der Goldpreis verbuchte den höchsten Tagesaufschlag seit Juni 2019. Der Preis für die Feinunze kletterte um 3,4 Prozent auf 1.643 Dollar. Sinkende Zinsen, steigende Inflation und eine wirtschaftliche Talfahrt seien die natürlichen Verbündeten des Edelmetalls, hieß es.

Die Ölpreise kamen mit der ausgebliebenen konzertierten Aktion der Notenbanken von ihren Tageshochs zurück. Die Zinssenkung der Fed wurde eher als Alarmsignal gewertet, dass es um die Wirtschaft und damit um die Nachfrage schlechter als gedacht bestellt ist. Etwas gestützt wurden die Rohölpreise von der Spekulation, das Erdölkartell Opec zusammen mit weiteren Ölförderstaaten werde zusätzliche Produktionskürzungen im Wochenverlauf beschließen. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI stieg um 0,9 Prozent auf 47,18 Dollar, nachdem er im Tageshoch schon bei 48,66 Dollar gelegen hatte. Nordseeöl der Sorte Brent verlor 0,1 Prozent auf 51,86 Dollar.

Am Devisenmarkt verlor der ICE-Dollarindex mit der Leitzinsreduzierung in den USA 0,3 Prozent. Der Euro stieg im Tageshoch auf 1,1214 US-Dollar - zuletzt kostete die Gemeinschaftswährung 1,1180 Dollar.

Apple
Apple 240,18

Unter den Einzelwerten büßten Apple 3,2 Prozent ein. Der Technologiekonzern hatte sich zur Zahlung von bis zu 500 Millionen US-Dollar bereiterklärt, um eine Sammelklage im Zusammenhang mit seinen iPhones beizulegen. Die Kläger warfen dem Technologiekonzern vor, die Leistung älterer iPhones verlangsamt zu haben, um Kunden zum Kauf neuer Modelle zu animieren.

Die Aktien von Microchip Technology fielen um 6,1 Prozent. Das Unternehmen hatte aufgrund der Epidemie von einer schwachen Nachfrage in Asien, besonders in China, berichtet. Daher dürfte der Umsatz im vierten Quartal stagnieren. Bislang war Microchip von einem Wachstum um 2 bis 9 Prozent verglichen mit dem Vorquartal ausgegangen. Die Ergebnisprognose je Aktie kassierte das Unternehmen. Target gaben nach Geschäftsausweis 3 Prozent nach. Der Einzelhändler enttäuschte umsatzseitig im vierten Quartal - trotz guter Gewinnkennziffern.

Quelle: ntv.de, jki/DJ