Wirtschaft

Reaktion auf Coronavirus-Krise US-Notenbank senkt Leitzins überraschend

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Jerome Powell ist der Chef der US-Notenbank Federal Reserve.

(Foto: AP)

Schon seit Wochen lässt die Furcht vor dem Coronavirus die Märkte bröckeln, in der vergangenen Woche folgt der Absturz. Nun reagiert die US-Notenbank mit einer ebenso überraschenden wie kräftigen Senkung des Leitzinses.

Die US-Notenbank hat wegen der sich abzeichnenden wirtschaftlichen Auswirkungen des neuen Coronavirus ihren Leitzins überraschend um einen halben Prozentpunkt gesenkt. "Die Fed sah die Zeit gekommen, zu handeln", sagte Chairman Jerome Powell. Die Fed habe ihren Zins wegen der Ausbreitung des Virus - auch auf die USA - und wegen des geänderten Ausblicks reduziert. "Die Risiken für den Ausblick für die US-Wirtschaft haben sich deutlich verändert", sagte er. Auch habe es signifikante Bewegungen an den Finanzmärkten gegeben.

Der Leitzins liege nun im Korridor von 1 bis 1,25 Prozent, erklärte die Notenbank Federal Reserve (Fed). Es handelt sich um die erste Notfall-Zinssenkung der Fed seit der weltweiten Finanzkrise. Die Aktienmärkte reagierten nach der Fed-Ankündigung teils heftig.

US-Wirtschaft noch stark

Powell verteidigte die Zinssenkung der Fed als eine Maßnahme, die das Vertrauen stärken und die Finanzierungsbedingungen bessern werde. "Uns ist klar, dass eine Zinssenkung nicht die Infektionsrate senken oder unterbrochene Lieferketten reparieren wird. Aber wir glauben, dass unsere Maßnahme der Wirtschaft eine bedeutende Stütze sein wird", sagte er.

Derzeit sei die Wirtschaft noch stark, und in den Daten zeige sich - mit Ausnahme von Stimmungsdaten - nichts. Auch seien die Auswirkungen des Coronavirus für die Wirtschaft insgesamt noch sehr unsicher. Powell rechnet nach eigenen Worten damit, dass die US-Wirtschaft zu einem soliden Wachstum zurückkehren wird. Wie lange die Ausbreitung des Virus andauern werde, wisse niemand.

G7 kündigen Reaktionen an

Der New Yorker Aktienmarkt legte eine schwankungsreiche erste Handelsstunde hin. Der deutsche Leitindex Dax erhielt am Nachmittag vor Handelsschluss noch einmal neue Aufwärtsimpulse. Nach der rasanten Talfahrt der vergangenen Woche erholte er sich zeitweise wieder. Auch der Leitindex der Eurozone zog spürbar an.

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Zuvor hatten die Finanzminister und Notenbankchefs der führenden westlichen Industriestaaten (G7) in einer gemeinsamen Erklärung mitgeteilt, die Auswirkungen auf Finanzmärkte und Wirtschaft durch das Virus würden genau beobachtet. Man sei bereit, auch fiskalische Maßnahmen - also beispielsweise höhere Staatsausgaben - zu ergreifen, soweit dies notwendig sei.

Trump reicht es noch nicht

Nach der überraschenden Zinssenkung durch die Fed forderte US-Präsident Donald Trump weitergehendere Schritte. Die Zentralbank müsse ihre Geldpolitik lockern und den Leitzins noch weiter senken. Die Zinsen in den USA seien immer noch höher als jene in Ländern, mit denen die US-Wirtschaft in Konkurrenz stehe, klagte Trump: "Nicht fair für die USA."

Die Fed hatte ihren Leitzins im vergangenen Jahr dreimal um je 0,25 Prozentpunkte gesenkt, ihn bei den letzten beiden Sitzungen jedoch in Anbetracht der soliden Wirtschaftsentwicklung und niedrigen Arbeitslosigkeit in den USA unverändert belassen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) arbeitet konkret an gezielten Geldspritzen für Firmen, die von den Folgen der Epidemie betroffen sind, wie drei mit den Überlegungen vertraute Personen Reuters mitteilten. Die EU-Finanzminister werden am Mittwoch Insidern zufolge wahrscheinlich keine konkreten Reaktionen auf die Coronavirus-Epidemie beschließen. Bei einer Telefonkonferenz der 27 Finanzminister mit der EZB werde es vor allem darum gehen, Informationen untereinander zu teilen und die besten Notfallmaßnahmen zu beraten, berichtete Reuters weiter.

EZB-Zinsen sind schon auf null

Im Kampf gegen die Coronavirus-Krise wird bei der EZB Insidern zufolge geprüft, ob langfristige gezielte Kreditspritzen (TLTRO) besonders kleinen und mittleren Unternehmen zugutekommen sollten. Die Arbeiten seien aber noch nicht abgeschlossen. Der Grund sei, dass kleine und mittlere Unternehmen generell nicht so leicht an Kredite gelangten im Vergleich zu großen Konzernen. Daher bekämen diese, auch die Folgen der Viruskrise deutlicher zu spüren. Die EZB lehnte eine Stellungnahme ab.

Anders als die US-Notenbank Fed hat die EZB bei den Zinsen allerdings nicht mehr viel Spielraum. Ihr Leitzins liegt bereits auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Eine Senkung auf unter null wird von den meisten Experten ausgeschlossen. Darüber hinaus müssen Banken bereits seit 2014 Strafzinsen zahlen, wenn sie bei der EZB über Nacht Gelder parken. Damit soll der Druck auf die Geldhäuser steigen, dass Geld in Form von Krediten auszugeben und damit die Wirtschaft zu unterstützen.

Quelle: ntv.de, vpe/jwu/rts/dpa