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Start-ups im Wandel

Eislöffel zum Essen "Es ist ein Nice-to-have-Produkt"

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Gut für die Umwelt: Diesen Eislöffel kann man essen.

(Foto: Spoontainable)

Frauenpower beim Green Startup Spoontainable: Mit Besteck zum Essen haben die Gründerinnen Julia Piechotta und Amelie Vermeer bereits mehrere Preise gewonnen. Ihr Erfolgsgeheimnis kommt im Interview mit ntv.de ans Licht.

Einwegplastikprodukte, die nur einmal genutzt und dann weggeworfen werden, sind immer noch ein großes Problem für die Umwelt. Die Spoontainable-Gründerinnen Amelie Vermeer und Julia Piechotta aus Stuttgart haben daher essbare Eislöffel entwickelt, die aus den Schalen der Kakaofrucht gepresst werden. Julia Piechotta spricht im Interview mit ntv.de darüber, wie diese spannende Idee entstand und der Aufbau des mittlerweile erfolgreichen Startups gelang.

ntv.de: Wie kam es zur Idee von Spoontainable?

Julia Piechotta: Amelie und ich haben uns während des Masterstudiums in Hohenheim kennengelernt und dort sind wir einer Studentenorganisation beigetreten. Da haben wir uns mit dem Thema Plastikalternativen auseinandergesetzt und überlegt, was man leicht umsetzen kann und sind dann bei Besteck hängengeblieben. Da wir keine Chemikerinnen oder Biologinnen sind, wollten wir das Ganze relativ simpel angehen und haben uns gefragt, wie man Besteck nachhaltig gestalten könnte. So kamen wir auf die Idee mit dem essbaren Eislöffel. Wir haben dann einfach mal in der Küche gebacken und Verschiedenes ausprobiert. So konnten wir die Rezeptur entwickeln.

Welche weiteren Schritte haben Sie dann unternommen?

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Julia Piechotta und Amelie Vermeer sind die Gründerinnen von Spoontainable. Gemeinsam wollen sie den Plastikverbrauch reduzieren.

(Foto: Spoontainable)

Während des Studiums haben wir erstmal die Proben verteilt, um das Marktinteresse abzufragen. Die Resonanz dazu war sehr positiv, sodass wir uns nach Produktionsmöglichkeiten umgeschaut haben. So haben wir dann unseren Produktionspartner hier in Deutschland gefunden. Der nächste Schritt war dann tatsächlich die Herausforderung, die Produktion zu finanzieren. Wir haben uns im Jahr 2018 für eine Crowdfunding-Kampagne entschieden und dort die erste Investition aufgenommen, um die Liquiditätsengpässe der ersten Produktion zu überbrücken. So konnten wir uns schon mal aus den ersten Umsätzen finanzieren, also zum Beispiel die kompletten Reisekosten ersetzen, die wir durch Messebesuche hatten. So stieg der Umsatz immer weiter, sodass wir unser Team aufbauen konnten und jetzt auch auf der Suche nach einem Investor sind.

Woraus besteht das essbare Besteck und wie schmeckt es?

Wichtig war uns immer, dass die Produkte sehr nachhaltig sind. Deswegen kam es nicht infrage, einen klassischen Keksteig zu nehmen. Wir haben auch gemerkt, dass man die Rezeptur sehr stabil gestalten muss, damit der Löffel dann auch im Eis hält. Deshalb haben wir nach einem Rohstoff gesucht, der ballaststoffreich ist, aber auch gut in diese nachhaltige Kreislaufwirtschaft reinpasst. Wir kamen dann nach zahlreichen Versuchen auf die Kakaoschalenfasern, die aus nicht genutzten Kakaoschalen gewonnen werden. Diese Kakaoschalen werden in der Schokoladenproduktion nicht weiter verwendet, weil sie zu rau sind. Der Spoonie choc schmeckt nach Zartbitterschokolade und passt perfekt zu Eis, Dessert oder Kaffee. Gleichzeitig ist er aber auch super nachhaltig, weil wir Nebenprodukte aus der Schokoladen- und Haferindustrie retten und weiterverarbeiten. Für unsere neutrale Variante, den Spoonie Classic, nutzen wir Haferfasern. Auch hier das gleiche Prinzip: Ein Teil der Haferfasern wird in der Getreideproduktion nicht weiter verwendet und von uns zu unserer Plastikalternative upgecycelt.

Sie haben bereits weitere Produkte auf den Markt gebracht.

Genau. Wir haben neulich den Twirly, das essbare Kaffeerührstäbchen, gelauncht. Man kennt ja die klassischen Holzrührstäbchen, die sehr unangenehm im Geschmack sind, aber auch die aus Kunststoff. Hier haben wir die Kombination aus Keks und Rührer entwickelt. Auch der Twirly besteht aus Kakaoschalen und im nächsten Schritt wollen wir natürlich auch noch weitere Besteckalternativen entwickeln: Wir denken da an Pommes-Piker, aber auch Gabeln und große Löffel, damit man hier wirklich ein breites gastronomisches Angebot anbieten kann und Plastik langfristig vom Markt verbannt.

Können Sie sich vorstellen, irgendwann auch größere, essbare Besteckteile anzubieten?

Ob wir auch in die Richtung von Tellern, Bechern und größeren Besteckteilen gehen, können wir jetzt noch nicht sagen, aber es ist möglich. Es kommt auch darauf an, wie sich jetzt der Markt hinsichtlich Plastikalternativen entwickelt. Es gibt ja auch Alternativen aus Papier und preislich dagegen zu konkurrieren ist natürlich sehr hart. Das heißt, da müssen wir preislich und qualitativ mithalten können. Wenn wir das produktionstechnisch gut lösen können, dann ja. Wenn nicht, würden wir uns auf andere Bereiche konzentrieren.

Wie haben Sie die Corona-Krise erlebt?

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Letztes Jahr war das erste Jahr, in dem wir zu 100 Prozent auf dem Markt waren. Wir hatten unser Studium abgeschlossen und wollten uns komplett auf das Startup fokussieren. Da kam die Corona-Krise. Das war sehr hart, weil viele wertvolle Monate an Umsatz gefehlt haben. Wir haben dann einen Onlineshop aufgebaut, Produkte für den Endverkäufer entwickelt und kleine Löffel in der Dose herausgebracht, sodass man den DIY-Lifestyle auch zu Hause umsetzen kann. Wir haben uns außerdem auf den Retail fokussiert und eine Kooperation mit Aldi Nord und Süd umgesetzt. In Kombination mit einem veganen Pudding konnte man unsere Spoonie vernaschen. Was auch sehr gut funktioniert hat in den letzten Monaten, ist der Verkauf im Ausland. Wir haben tolle Vertriebspartner in Israel und Australien gefunden. Dort war es, was die Pandemie angeht, wirtschaftlich etwas stabiler, weil die das Virus einfach besser im Griff hatten. Wir merken aber weiterhin, dass es in Europa noch nicht so gut anläuft. Zum einen wegen des Wetters, zum anderen, weil alles sehr unsicher ist, was die Investition von Waren betrifft. Das Thema Nachhaltigkeit ist daher ein wenig in den Hintergrund gerückt.

Wie erfolgreich waren Sie mit Ihrem Verkauf über den Onlineshop?

Ich würde nicht sagen, dass der Online-Shop zum Beispiel unseren Umsatz wieder hereingeholt hat. Denn Fokus ist ja weiterhin der B2B-Markt, also der Verkauf an Caterer und Gastronomen. Diese Kundengruppe kauft nicht unbedingt über den Onlineshop, sondern ist eher über den persönlichen Kontakt sehr aktiv. Die Endkunden kaufen zwar schon im Online-Shop aber eher in kleinen Mengen und auch nicht so regelmäßig. Es ist nun mal kein Produkt, das man im alltäglichen Gebrauch hat. Es ist eher so ein Nice-to-have-Produkt, das heißt: Die Nachfrage nach essbaren Löffeln und Besteck ist bei Endkonsumenten noch nicht so hoch wie bei herkömmlichen Konsumgütern. Zur Überbrückung war der Online-Verkauf aber ganz gut. Um langfristig zu wachsen, muss auf jeden Fall die Gastronomie wieder gut laufen.

Wie sind Sie mit den finanziellen Verlusten umgegangen in der Zeit?

Wir haben 2020 das Pre-Seed-Programm mit aufgenommen. Das ist eine Art Wandeldarlehen, was auch vom Land Baden-Württemberg mit gefördert wird. Wir haben zudem unsere Supply-Chains so aufgebaut, dass wir sehr viel ausgelagert haben. Unsere Produktion findet also nicht direkt bei uns statt, sondern bei unserem Partner. Auch die Logistik ist nicht direkt bei uns, weshalb wir geringe Fixkosten haben und eine überschaubare Anzahl an Teammitgliedern. Gleichzeitig haben wir versucht, Kosten und Prozesse flexibel zu halten, also zum Beispiel was die Bewerbung angeht. Auf den Online-Kanälen kann man ja sehr flexibel steuern, wie viel Werbung man schalten möchte, oder die Marketingkosten reduzieren.

Sie wurden bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem haben Sie kürzlich den Female Founders Award erhalten. Was machen Sie "besser" als andere Gründerinnen?

Ich glaube, es gibt noch sehr viele großartige Gründerinnen, die unbedingt im Rampenlicht stehen sollten. Wir haben einfach das Glück gehabt, dass wir schon von Anfang an sehr viel Presseaufmerksamkeit hatten durch diverse Preise, die wir gewonnen haben. Unser Geschäftsmodell ist in Sachen Nachhaltigkeit sehr rund und wir sind ja nun zwei weibliche Gründerinnen, was auch eher selten ist. Das ist für die Presse auch sehr interessant. Ich glaube, was wir außerdem gut machen, ist, dass wir das Thema Nachhaltigkeit sehr transparent behandeln. Wir sind auf ganzer Linie nachhaltig, außerdem sehr schnell und flexibel.

Warum gibt es Ihrer Meinung nach immer noch weniger Frauen, die Unternehmen gründen, als Männer?

Ich denke, das Hauptproblem ist, dass wir einfach noch zu wenige Vorbilder haben. Wenn man sich auch den historischen Verlauf anschaut, ist es ja auch immer so gewesen, dass die Männer eher arbeiten gegangen sind und die Frauen dagegen im Haushalt tätig waren. Da befinden wir uns in einer enormen Wandlung. Wenn natürlich junge Frauen eher Männer sehen, die gründen, fühlen sie sich vielleicht auch nicht angesprochen von dem Themenfeld. Das ist ja auch oft in den naturwissenschaftlichen Bereichen so. Da braucht es einfach super viele Vorbilder und diesen Gesprächsstoff und die Aufmerksamkeit, damit Frauen merken, dass Gründen auch etwas für sie ist. Auch sie können es schaffen und müssen sich nicht vom Erfolg der Männer einschüchtern lassen.

Welche Ziele haben Sie sich für Ihr Unternehmen in den nächsten fünf Jahren gesteckt?

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Wir wollen auf dem Markt Plastik durch unsere nachhaltige Alternative ersetzen - also jeden Plastiklöffel, jedes Plastikbesteckteil und das Ganze weltweit. Da wollen wir natürlich auch darauf achten, dass das nachhaltig passiert, und hier verschiedene Produktionsstandorte auf den verschiedenen Kontinenten aufbauen, um dann wirklich die nachhaltige Marke für den gastronomischen Sektor zu werden.

Mit Julia Piechotta sprach Isabel Michael

Quelle: ntv.de

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