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Jungunternehmerin aus Australien "Das Geheimnis liegt darin, anzufangen"

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Bereits 12 Millionen Nutzer hat das australische Design-Start-up "Canva" von Melanie Perkins.

(Foto: Canva)

Ihr erstes Unternehmen gründet Melanie Perkins mit 19 Jahren noch von der heimischen Couch aus. Aus ihren Ideen ist das Design-Start-up "Canva" geworden: Eine Drag-and-drop-Software, mit der Grafikdesign auch für Laien zum Kinderspiel werden soll. Weltweit wird es inzwischen von mehr als 12 Millionen Menschen genutzt. In Deutschland hat sich die Zahl der Nutzer innerhalb der vergangenen sechs Monate auf mehr als 100.000 verdoppelt. Im Interview mit n-tv.de erzählt Co-Gründerin und Geschäftsführerin Melanie Perkins von Schwierigkeiten in der Anfangsphase, warum es für das Unternehmen wichtig war, außer Englisch auch noch andere Sprachen anzubieten und wie sie zwei berühmte Schauspieler aus Hollywood als Investoren gewinnen konnte.

n-tv.de: Wie kam es dazu, dass Sie "Canva" gegründet haben?

Melanie Perkins: Ich war noch Studentin und habe an der Universität Grafikdesign-Kurse für Photoshop und Indesign gegeben. Dabei habe ich gemerkt, wie schwierig es für meine Kursteilnehmer war, entsprechende Anwendungen zu lernen. Damals erkannte ich, dass die Zukunft von Grafikdesign online, gemeinschaftlich und einfach sein sollte. Vor "Canva" habe ich bereits mit 19 Jahren meine erste Firma "Fusion Books" gegründet. Das Programm basiert auf der Idee, mit Hilfe einer Online-Design-Plattform, Jahrbücher für Schulen herzustellen. Vor vier Jahren habe ich begonnen, an "Canva" zu arbeiten, war einige Zeit in San Francisco und konnte schließlich nach einem Jahr auch Investoren gewinnen.

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War es schwer für Sie, Ihr Studium auf Eis zu legen, um ein eigenes Business zu starten? Hatten Sie Zweifel?

Anfangs war ich davon überzeugt, ich würde beides unter einen Hut bekommen. Ich wollte "Canva" aufbauen und zur selben Zeit meine Kurse an der Universität belegen. Schnell habe ich allerdings gemerkt, dass ich das nicht schaffen werde. Denn wenn man ein Unternehmen aufbauen will, ist das ein Vollzeit-Job. Das Studium auf Eis zu legen, gab mir die Möglichkeit, später wieder zurück an die Uni gehen zu können, statt arbeitslos zu sein, falls es mit "Canva" nicht geklappt hätte. Zum Glück war das nicht der Fall. Nur mein Studium hat im Endeffekt darunter gelitten.

Was hat Sie motiviert, "Canva" zu gründen?

Eigentlich bereits mein ganzes Leben habe ich in alles, was ich angefangen habe, mein ganzes Herzblut gesteckt. Ich bin davon überzeugt, dass sich harte Arbeit und Disziplin irgendwann auszahlen. Ich bin sehr zielstrebig. Wenn ich vor einem Problemen stehe, dann finde ich dafür eine Lösung. Wenn man mir gesagt hätte, ich würde eines Tages ein Unternehmen mit 160 Angestellten leiten, dann hätte ich mich niemals für qualifiziert genug gehalten. Doch das Geheimnis ist, einfach anzufangen: Sobald man einmal angefangen hat, läuft es irgendwann fast von ganz alleine. Wenn man einmal nicht weiter weiß, muss man nach Lösungen suchen. Manchmal reicht dafür eine schnelle Google-Suche, manchmal dauert dieser Prozess über ein Jahr.

Wie fühlt es sich an, ein Unternehmen zu leiten?

Wir versuchen jeden Tag, schon die nächsten großen Herausforderungen im Blick zu haben. Die meiste Zeit denke ich darüber nach, wie ich unser nächstes Ziel erreichen kann. Aber wenn ich zurückblicke und sehe, wie weit wir es schon gebracht haben, ist es einfach toll, jeden Tag mit solch großartigen Kollegen aus den verschiedensten Ländern zu arbeiten und zu sehen, dass aus einer Idee wirklich ein Unternehmen geworden ist.

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Was für Schwierigkeiten gab es in der Anfangszeit?

Jeder noch so kleine Schritt brachte am Anfang neue Herausforderungen mit sich. Als wir begonnen haben, hatten wir absolut keine Finanzierung. Geschweige denn Investoren, die sich für unsere Idee interessiert haben. Deswegen mussten wir sehr schnell mit "Canva" Geld verdienen. Also wurden wir bereits in unserem ersten Jahr profitabel. Das ist im Silicon Valley sehr ungewöhnlich. Manche Unternehmen werden nie profitabel. Die nächste Challenge bestand darin, unsere ersten Angestellten einzustellen und unser Produkt auf den weltweiten Markt zu bringen. Immer wieder mussten wir Lösungen für Probleme finden. Aber das macht es eben auch aus.

Wer nutzt "Canva"?

Im Moment haben wir 12 Millionen Nutzer weltweit. Social Media Marketers, Leute mit kleinen Unternehmen, Studenten und Schüler. Ein Fall aus den USA hat mich besonders überrascht: Eine Polizeistation gestaltet dort ihre "Wanted"-Poster mit unserer Software. Die Leute benutzen "Canva" für Dinge, die ich mir niemals vorgestellt habe.

"Canva" ist jetzt auch auf Deutsch gelauncht. Warum war das wichtig?

Wir wollten "Canva" schon immer für jeden auf der Welt zugänglich machen. Der englische Markt umfasst lediglich 28,4 Prozent. Für uns ist Deutsch besonders wichtig, weil 18 unserer Fotografen aus Deutschland kommen.

Wie sind die Hollywood-Schauspieler Owen Wilson und Woody Harrelson auf "Canva" aufmerksam geworden?

Als ich auf der Suche nach Investoren war, lernte ich jemanden kennen, der die Konferenz MaiTai organisiert. Das ist eine Kiteboard- und Entrepreneurship-Konferenz. Vor Ort wollte ich Investoren von "Canva" überzeugen und Gelder einsammeln. Seit diesem Event bin ich sehr gut mit jemandem befreundet, der wiederum Woody und Owen gut kennt.

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Guy Kawasaki, Melanie Perkins und Cliff Obrecht (v.l.)

Wie konnten Sie den ehemaligen Apple-Ideengeber Guy Kawasaki gewinnen?

Mit Guy Kawasaki lief das ganz anders. Er twitterte über "Canva" und wir haben darauf reagiert. "Ich bin 59 Jahre alt und habe noch eine große Sache offen. Ich glaube diese Sache könnte 'Canva' werden", sagt er. Das war bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt. Ihn schon damals als Unterstützer zu haben, war unglaublich.

Start-ups haben den Ruf, besonders innovative Arbeitgeber zu sein. Wie würden Sie die Unternehmenskultur von "Canva" beschreiben?

Es macht Spaß, ist abenteuerlustig, immer eine Herausforderung, motivierend und leidenschaftlich. Eigentlich hat sich nicht besonders viel seit der Anfangsphase verändert. Schon am Wohnzimmertisch haben wir immer gemeinsam gegessen – auch wenn es manchmal nur die Reste vom Vortrag waren. Schon damals haben wir uns immer als Team gefühlt. Heute kochen zwar tolle Köche in unseren Büros für unsere 160 Mitarbeiter, an der Stimmung hat sich aber nicht viel geändert.

War es irgendwann in Ihrer Karriere einmal ein Problem, eine Frau zu sein?

Ich habe darüber nie wirklich viel nachgedacht. Mir war auch nicht richtig klar, dass es ungewöhnlich ist, als Frau ein Unternehmen zu gründen. Und als ich mir dessen bewusst wurde, fragte ich mich, warum nicht viel mehr Frauen gründen. Denn ich habe den besten Job der Welt. Es ist so eine herausfordernde und bereichernde Aufgabe. Ich wurde hunderte Mal zurückgewiesen, als wir auf der Suche nach Investoren waren. Wenn wir eine Absage bekommen haben, habe ich das aber nie darauf zurückgeführt, dass ich eine Frau bin. Stattdessen habe ich unser Pitch Deck (eine Kurzpräsentation der Geschäftsidee oder des Business-Modells – Anm. d. Red.) verbessert oder an meiner Strategie gearbeitet. Man sollte seine Energie lieber in Dinge investieren, die man in der Hand hat und ändern kann. Mein Geschlecht gehört leider nicht dazu.

Auf Konferenzen dominieren eher die männlichen Kollegen, es gibt wenige Frauen in der Branche. Ist das ein Nachteil gewesen?

Als ich auf der Suche nach meinem Co-Gründer war, bin ich ein ganzes Jahr auf Konferenzen unterwegs gewesen, nahm an Meetings teil und schaute mich auf LinkedIn um. Und ja, besonders auf den Konferenzen war ich häufig eine der wenigen Frauen. Aber für mich hat immer nur gezählt: Ich will einen Co-Gründer finden. Deswegen habe ich darauf nie besonders geachtet. Ich hatte immer das Ziel im Auge. Außerdem bin ich mit zwei Brüdern aufgewachsen. Vielleicht bemerke ich es deshalb auch nicht so schnell, wenn ich die einzige Frau im Raum bin.

Was kommt als Nächstes?

Wir haben noch so viel geplant. Ich habe das Gefühl, wir haben gerade mal ein Prozent von dem umgesetzt, was möglich ist. Wenn ich mich an das Pitch Deck erinnere, das ich 2011 geschrieben habe, dann gibt es noch immer so viele Dinge, die wir noch nicht realisiert haben. Ende nächsten Jahres könnten die meisten Dinge aus meinem Pitchdeck von vor fünf Jahren eventuell umgesetzt sein. Genauer kann ich zu diesem Zeitpunkt leider noch nicht werden. Nur so viel: Unser Team wird weiter wachsen.

Mit Melanie Perkins sprach Juliane Kipper

 

Quelle: n-tv.de

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