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Lösung für Verkehrskollaps Flugtaxi-Startups treiben Entwicklung voran

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Bislang hat im Volocopter nur ein Passagier Platz.

(Foto: Christoph Schmidt/dpa/Archivbild)

Weltweit setzen mehrere Firmen auf die Entwicklung von Mini-Flugzeugen und Hubschrauber-ähnlichen Flugobjekten, die dem Stau entfliegen sollen, auch die deutschen Startups Lilium und Volocopter. Während der eine Hersteller den Bau einer zweiten Fabrik ankündigt, absolviert der andere einen bemannten Testflug.

Viele Städte nähern sich dem Verkehrskollaps. Pendler stehen regelmäßig stundenlang im Stau. Flugtaxis sollen in Zukunft das Problem lösen. Deutschlandweit werden Möglichkeiten entwickelt, wie der Stadtverkehr entlastet werden kann. Die Startups Lilium und Volocopter melden jetzt weitere Fortschritte: Während der Münchner Hersteller Lilium den Bau einer zweiten Fabrik in Weßling ankündigt, absolviert Volocopter erfolgreich einen bemannten Testflug in Singapur.

Mit einer Fläche von 3000 Quadratmetern liegt die neue Fabrik von Lilium unmittelbar neben dem Hauptquartier des Unternehmens. Ab 2025 sollen dort mehrere Hundert vollelektrische, senkrecht startende Jets im Jahr produziert werden. Das fünfsitzige Flugzeug habe seine erste Testphase mit Geschwindigkeiten von 100 Kilometern je Stunde (km/h) erfolgreich absolviert und beginne jetzt Tests bis zur Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h, teilte das Unternehmen mit.

Lilium will Flugtaxis nicht verkaufen

"Wir machen wie geplant schnelle Fortschritte mit der Erprobung des Lilium-Jets. Des Weiteren wird unser erstes Werk für die Produktion am selben Standort, wo unsere Ingenieure sind, uns große Vorteile in der Vorbereitung zur Massenfertigung bringen", sagt Co-Founder und Geschäftsführer Daniel Wiegard. Das Unternehmen sei auf Kurs, 2025 Passagierbetrieb an mehreren Standorten weltweit zu gewährleisten. Mit den Tragflächen sei der E-Jet effizienter als mit Rotoren angetriebene Flugzeuge und mit 300 Kilometern Reichweite übertreffe er die meisten Konkurrenten.

Darüber hinaus gibt das Unternehmen bekannt, als Leiter des Flugprogramms den früheren Airbus-Manager Yves Yemsi gewonnen zu haben, der zuvor am A350 mitgearbeitet habe. Lilium beschäftige heute 350 Mitarbeiter, in den nächsten Jahren sollen in Weßling bis zu 500 neue Stellen dazukommen. Lilium will die Flugtaxis nicht verkaufen, sondern selbst betreiben. Zu den Lilium-Investoren gehört der chinesische Internet-Konzern Tencent.

Der badische Konkurrent Volocopter hat derweil schon in Singapur erfolgreich einen bemannten Testflug absolviert. Das weiße Gerät aus Karbonfaser drehte über dem Hafen Marina Bay der Millionen-Metropole eine etwa einminütige Runde und landete dann wieder sicher. An Bord war ein Pilot, allerdings noch kein Passagier. Ziel des Unternehmens aus Bruchsal ist es, 2021 in Singapur mit kommerziellen Flügen zu starten. Damit wäre der asiatische Stadtstaat das erste Land weltweit, das den regulären Betrieb von Flugtaxis erlaubt.

Singapur als Zukunftslabor

Der sogenannte Volocopter 2X sieht aus wie eine Mischung aus kleinem Hubschrauber und großer Drohne. Er fliegt mit 18 Rotoren. Angetrieben wird er elektrisch mit einer Batterie. Der Vorstandschef von Volocopter, Florian Reuter, kündigte an, innerhalb von zwei bis fünf Jahren den regulären Betrieb in Singapur starten zu wollen. Flugtaxis seien "nichts für eine weit entfernte Zukunft". Bislang hat im Volocopter nur ein Passagier Platz. Künftig sollen damit fünf oder sechs Passagiere fliegen können.

Singapur gilt bei der Stadtplanung als eine der Metropolen, die eine Art Zukunftslabor sind. Von offizieller Seite gibt es jedoch noch keinen Zeitplan, wann Flugtaxis vermutlich unterwegs sein dürfen. Im Gespräch sind eine Route vom Flughafen ins Bankenviertel, vor allem für Geschäftsleute, sowie eine Route für Touristen, die aus der Innenstadt auf die Insel Sentosa wollen.

Auch andere Unternehmen treiben die Entwicklung von Flugtaxis derzeit voran. Daimler-Chef Källenius hält fliegende Taxis für eine Lösung der Verkehrsprobleme in den Städten. Er ist überzeugt, dass das Stauproblem auf bestimmten Strecken auf diese Art und Weise gelöst werden könne. Der Autobauer ist an Volocopter beteiligt. Auch Daimlers chinesischer Großaktionär Geely ist jüngst über eine Finanzierungsrunde eingestiegen.

Quelle: ntv.de, jki/dpa