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Erfolg trotz DHDL-Abfuhr Grill-Startup belehrt Löwen eines Besseren

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Die Gründer versprechen in wenigen Minuten Grillzeit eine Steakqualität wie sie es sonst nur in den besten Steakhäusern der Welt gibt.

In der Gründer-Show "Die Höhle der Löwen" will niemand in das Grill-Startup Otto Wilde Grillers investieren. Zu hoch sei die Bewertung des Unternehmens, so die Begründung. Das Team glaubt trotzdem an seine Idee.

Innen saftig und zart, außen mit einer knusprig-karamellisierten Kruste. Ein richtig gutes Steak am heimischen Herd zuzubereiten, ist für viele eine echte Herausforderung. Das Düsseldorfer Startup Otto Wilde Grillers hat deswegen einen Spezial-Gasgrill entwickelt, der das Problem lösen soll. Im Handumdrehen könne so das perfekte Steak gegrillt werden, verspricht der Hersteller. Der Oberhitze-Gasgrill "Ottos Over-Fried Broiler" erreicht in wenigen Minuten Temperaturen von mehr als 900 Grad Celsius. Die Gründer versprechen in wenigen Minuten Grillzeit eine Steakqualität wie sie es sonst nur in den besten Steakhäusern gibt.

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Julia Wilde

(Foto: Otto Wilde Grills)

Vor zwei Jahren versuchte das Grill-Startup bereits die Investoren in der Vox-Sendung "Die Höhle der Löwen" von ihrem Produkt zu überzeugen - und scheiterte. Die Bewertung ihres Jungunternehmens, die Gründer wollten damals zwei Millionen Euro für zwanzig Prozent des Geschäfts, erschien allen Löwen utopisch. Schließlich hatte das Unternehmen 2016 lediglich 50.000 Euro Gewinn erzielt. Die Düsseldorfer gingen damals zwar ohne Investment nach Hause, inzwischen arbeiten für das Familienunternehmen trotzdem knapp 30 Mitarbeiter. Einer von ihnen sogar in New York.

"Wir haben es damals gar nicht mit aller Macht darauf angelegt, dass ein Löwe investiert. Stattdessen haben wir vielmehr gehofft, von dem PR-Effekt zu profitieren", sagt Gründerin Julia Wilde n-tv.de, die das Unternehmen gemeinsam mit ihrem Schwiegervater Otto Wilde gegründet hat. Diese Rechnung sei auch aufgegangen. Die Aufmerksamkeit, die der TV-Auftritt gebracht hat, sei riesig gewesen. Inwiefern sich das konkret auf Umsatz und Gewinn ausgewirkt hat, will die 33-Jährige allerdings nicht sagen.

Premium-Grill hat seinen Preis

Nur so viel: Die Teilnahme bei "Die Höhle der Löwen" habe nicht gleich am selben Abend zu einem Anstieg der Umsätze geführt. "Unser Produkt ist mit 895 Euro teuer. Sich für so viel Geld einen Grill zu kaufen, entscheidet niemand mal eben so nebenbei", sagt Wilde. Den Preis rechtfertige das hochwertige Material, denn der Grill sei komplett aus Edelstahl, und das Produkt werde in Deutschland gefertigt. "Unsere Grills sind so gebaut, dass sie nicht nur eine hohe Leistung erbringen, sondern auch lange halten. Aber ja, wir bewegen uns im Premium-Segment", sagt Wilde.

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Ottos Over-Fired Broiler erreicht Temperaturen von über 900 Grad Celsius.

(Foto: Otto Wilde Grills)

Der Markt für Grillgeräte und Zubehör verzeichnete 2018 mit einem mageren Plus von 1,1 Prozent einen leichten Umsatzgewinn. Damit bestätigte sich die Entwicklung, die sich bereits in den vergangenen beiden Jahren mit überschaubaren Zuwachsraten von 1,7 und 1,9 Prozent abgezeichnet hat, wie Zahlen des aktuellen "Branchenfokus Grillen im Garten" des IFH Köln zeigen.

Neben der erstmaligen schlechteren Umsatzentwicklung offenbart die Studie allerdings auch: Noch nie entwickelten sich verschiedenen Grillgeräte so unterschiedlich. Denn während Holzkohlegeräte ein deutliches Minus verzeichnen und Elektrogrills stagnieren,  erfreuen sich gasbetriebene Produkte eines außergewöhnlich hohen Zuwachses.

Die Kunden von Familie Wilde sind fast ausschließlich Männer, ihr Anteil liegt bei 95 Prozent. "Viele von ihnen sind einerseits echte Hardcore-Griller, die leidenschaftlich gern grillen." Anderseits lege ein großer Teil der Kunden sehr viel Wert auf gute Produkte und Qualität, sowohl beim Fleisch als auch der Zubereitung.

Kooperation mit Amerikas bekanntestem Metzger

*Datenschutz

Schon als das Unternehmen 2016 mit einer Crowdfunding-Kampagne gestartet ist, zeichnete sich ab, dass die Oberhitze-Gasgrills in den USA gut ankommen. Die Produktkategorie haben zwar weder Otto Wilde Grillers noch Wettbewerber wie Beefer oder Weber erfunden. "Anders als in Deutschland gibt es in den USA aber noch kein vergleichbares Produkt für den privaten Gebrauch. Das haben wir für uns als Chance erkannt", sagt Wilde.  Inzwischen macht das Unternehmen die Hälfte seines Umsatzes in den USA.

In Deutschland sind Oberhitzegrills allerdings viel bekannter als in den USA. Das mache es dem Unternehmen in Übersee etwas schwieriger. In den USA müssen Otto Wilde Grillers ihren potenziellen Kunden, das Produkt erst noch erklären. Das erfordere auch eine ganz andere Art der Kommunikation. "Wenn es um die Marktreife geht, hinken wir in den USA im Vergleich zu Deutschland noch hinterher."

Um ihr Produkt an den Mann zu bringen, hat sich das Startup Amerikas bekanntesten Metzger, Pat LaFrieda, in Boot geholt. Nach etlichen unbeantworteten Kooperations-Anfragen willigte "Amerikas König des Fleisches" ein. Als Mittelsmann zwischen den Schlachthöfen und der Gastronomie beliefert der 47-Jährige Premium-Restaurants und Steakhäuser in den USA.

"Im Laufe der Jahre wurde ich von fast jeder Grillfirma angesprochen, die Ihnen einfällt, um meinen Namen auf etwas zu kleben", zitiert Bloomberg den Metzger. Ein Modell, das er mochte, habe er allerdings nicht gefunden. Doch dann wurde er doch fündig. LaFriedas erster Namensgrill mit Otto Wilde Grillers kam im Mai vergangenen Jahres in den USA in den Handel. "Dass sich jemand wie er hinter unser Produkt stellt, schenkt uns natürlich eine enorme Glaubwürdigkeit."

Quelle: n-tv.de

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