Startup

Verkehrsrevolution mit Rollern? Startup bringt E-Scooter auf die Straßen

Ein Mensch steht mit einem Fuß auf einem Elektroroller. Foto: Herbert Neubauer/APA/Archivbild

Soll in den nächsten zehn Jahren das Auto ein bisschen aus der Stadt verdrängen - der E-Scooter.

(Foto: Herbert Neubauer/APA/dpa)

Noch sind E-Scooter eine Randerscheinung im Verkehr, doch schon bald sollen sie zum Alltag gehören. Bislang fehlt die gesetzliche Grundlage. Das könnte sich bereits im Mai ändern. Viele Startups versuchen bereits mit Apps, den Verleih der Roller anzutreiben.

Ab Sommer könnte sich der Verkehr in deutschen Innenstädten enorm verändern. Weniger Autolärm, keine zugeparkten Radwege, sauberere Luft. Das ist zumindest der Wunsch von Lawrence Leuschner. Der 36-Jährige ist Geschäftsführer des Berliner Startups Tier Mobility, das über seine App Elektro-Tretroller verleiht. In 20 europäischen Städten ist die App bereits nutzbar, unter anderem in Wien, Madrid, Brüssel und Lissabon. Wer die App Tier in Deutschland öffnet, entdeckt in seiner näheren Umgebung aber noch keinen E-Scooter - denn noch gibt es hier keine gesetzliche Grundlage für die elektrischen Tretroller.

Ändern soll dies die sogenannte Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung, die das Bundeskabinett Anfang April beschloss und der der Bundesrat bereits im Mai zustimmen könnte. Darin sind alle Rahmenbedingungen für die Nutzung von E-Scootern auf deutschen Straßen geregelt. Demnach dürfen die Fahrzeuge maximal eine Höchstgeschwindigkeit von 20 Stundenkilometern erreichen, E-Scooter zwischen 12 und 20 Stundenkilometern müssen auf Radwegen fahren, das Mindestalter liegt bei 14 Jahren. Wenn die Elektro-Tretroller langsamer als zwölf Stundenkilometer sind, dürfen sie laut der Verordnung auf dem Gehweg fahren und sind bereits ab zwölf Jahren freigegeben.

"In den nächsten zehn Jahren wird das Auto ein bisschen aus der Stadt verdrängt - hoffentlich", sagt Leuschner. Im Oktober 2018 startete seine App Tier in Wien. Inzwischen gibt es europaweit bereits rund 160 Mitarbeiter, mehr als hundert davon arbeiten in einem Berliner Coworking-Space im Stadtteil Tempelhof. Leuschners Vision ist es, dass Nutzer auf die E-Scooter statt auf Autos zurückgreifen, wenn sie kurze Strecken zurücklegen müssen. "Wir sehen uns als sehr starke Ergänzung für den öffentlichen Nahverkehr, für die erste und letzte Meile", beschreibt es der 36-Jährige.

"Neue Mobilität bedarf einer gewissen Gewöhnungszeit"

Wer etwa mit der Bahn zur Arbeit fährt, soll mithilfe eines E-Scooters den Weg von der Haltestelle bis zum Büro zurücklegen können. Daher sollen perspektivisch an allen wichtigen Knotenpunkten der Stadt E-Scooter zur Verfügung stehen. In den anderen Städten, in denen Tier vertreten ist, gibt es jeweils etwa 500 bis tausend Leihfahrzeuge, wie Leuschner erläutert. Seine Firma ist nicht alleine auf dem europäischen Markt. Auch das Berliner Startup Flash verleiht unter anderem bereits in Frankreich, Spanien und Portugal per App E-Scooter und hat in Deutschland knapp 150 neue Jobs ausgeschrieben. Ähnlich sieht es beim schwedischen E-Scooter-Verleiher Voi aus, der Dutzende Stellen in Deutschland besetzen will.

Es gibt vor dem Start der E-Scooter in Deutschland allerdings auch Sicherheitsbedenken. Der Fußgängerverband Fuß e.V. befürchtet, dass sich dadurch die Zahl der Unfälle erhöhen könnte. Tier-Geschäftsführer Leuschner hält dem entgegen, dass seine Firma bislang nur einzelne kleinere Unfälle mit ihren Fahrzeugen registriert habe. "Etwas Neues in der Mobilität, was man jeden Tag sieht, bedarf erstmal einer gewissen Gewöhnungszeit", gibt er sich gelassen. Genauso wie Menschen sich an Autostaus gewöhnt hätten, könnten sie sich auch daran gewöhnen, "dass mal ein Scooter vorbeifährt".

Quelle: n-tv.de, mba/AFP