Frage & Antwort

Pfefferminzduft und Qualmgestank Können Menschen im Schlaf riechen?

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Kann uns Kaffeeduft aufwecken?

(Foto: imago images / Panthermedia)

Ist es zu laut oder zu hell, können viele Menschen nicht schlafen. Doch wie ist es mit Gerüchen? Können auch sie wecken? Eine Frage, die auch die Wissenschaft schon gestellt und dafür Düfte und Gestank versprüht hat.

Es ist ein beliebtes, etwas kitschiges Bild, das Werbeindustrie und TV-Formate gerne verwenden: Es ist morgens, Sonnenstrahlen bahnen sich langsam ihren Weg durchs Fenster, Vögel zwitschern und im Bett schläft eine junge Frau. Erst als der Kaffeegeruch aus der Küche sie erreicht und sie diesen tief eingeatmet hat, wacht sie auf, streckt sich, steht auf und startet mit einem Lächeln in den Tag.

Eine realistische Szene? Können Gerüche den Menschen tatsächlich wecken? Klar ist, dass ein anderer unserer sieben Sinne auch während des Schlafes gut funktioniert: der Gehörsinn. Laute Geräusche bedeuten in der Regel Alarm, deswegen wird der Mensch von ihnen wach. Somit wäre es nur sinnvoll, wenn auch Gerüche wecken, denn auch sie können auf eine Gefahr hindeuten: Riecht es beispielsweise nach Rauch, kann das nur bedeuten, dass es brennt und man sich in Sicherheit bringen sollte.

Ein Ansatz, den 2004 auch zwei US-amerikanische Wissenschaftlerinnen der Brown-Universität in Providence für eine Studie verfolgten. Sie setzten ihre sechs schlafenden Probanden dem Duft von Pfefferminz und stechend riechendem Pyridin aus, das bei Bränden entsteht. Vom Pfefferminzaroma wurde keine der Testpersonen wach. Vom aggressiven Rauchgeruch dagegen erwachten die Versuchspersonen manchmal, aber nur, wenn sie ohnehin nur leicht geschlummert hatten. Im Tiefschlaf nahm indes niemand den beißenden Geruch wahr. Mäßig laute Töne störten den Schlaf dagegen in allen untersuchten Schlafstadien.

Rauchmelder dringend empfohlen

Der menschliche Geruchssinn scheint also nicht empfindlich genug zu sein, um vor Gefahren wie einem Brand warnen zu können, schlossen die beiden Forscherinnen Mary Carskadon und Rachel Herz aus ihrem Versuch. Dies ist übrigens auch der Grund, warum Rauchmelder in Schlafräumen dringend empfohlen werden: Qualmgeruch weckt uns nicht, das laute Schrillen eines Rauchmelders indes schon.

Auch Schlafforscher Ingo Fietze von der Berliner Charité bestätigt auf Nachfrage von ntv.de: "Man nimmt im Schlaf eher Lärm, dann Licht und erst danach Gerüche wahr." Gesunde Schläfer könnten zudem auch nur Gerüche bemerken, wenn sie sich in einem leichten Schlaf befänden. "Im Tiefschlaf nehmen wir keine Gerüche wahr und im mitteltiefen Schlaf sowie Traumschlaf auch kaum, zumindest wenn wir gesunde Schläfer sind", so der Schlafforscher. "Sensible Schläfer oder Schlafgestörte werden Gerüche eher wahrnehmen." Das heiße aber nicht, dass die Riechwahrnehmung - auch olfaktorisches System genannt - nachts ruhe. "Es braucht die Nacht für das Geruchsgedächtnis. Wir wollen uns ja angenehme Gerüche im Gedächtnis erhalten."

Das romantische Bild von der Frau, die vom Kaffeeduft wach wird, ist also ein Märchen: Der Mensch wacht erst auf und riecht dann den Kaffee. Nicht umgekehrt.

Quelle: ntv.de