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Eine Sitzheizung im Auto bietet viel Komfort, birgt aber auch Gefahren.
Eine Sitzheizung im Auto bietet viel Komfort, birgt aber auch Gefahren.(Foto: imago/Westend61)
Dienstag, 30. Januar 2018

Frage & Antwort, Nr. 518: Lässt die Sitzheizung Spermien schmelzen?

Von Lisa Schwesig

Winterzeit ist Sitzheizungszeit - zumindest für Autobesitzer. Doch die beheizten Polster bringen nicht nur den Hintern ins Schwitzen, sondern auch die Genitalien. Autofahrer sollten sich also genau überlegen, ob sie die Heizung einschalten.

Die meisten Autofahrer schätzen besonders im Winter den Komfort einer Sitzheizung. Kaum etwas ist schöner, als es sich bei Minusgraden in einem warmen Autositz gemütlich zu machen. Dabei hat die wohlige Wärme auch einen negativen Einfluss auf den Körper. Die Fruchtbarkeit und die Gesundheit der Genitalien sind gefährdet - sowohl bei Männern als auch bei Frauen.

Schon längeres Sitzen auf einem Stuhl oder im Auto erhöht die Temperatur der männlichen Hoden und beeinträchtigt damit die Spermienproduktion, zeigen mehrere Studien der Universität Gießen. In einer Doktorarbeit wurde deshalb untersucht, wie sich das zusätzliche Heizen der Sitzfläche auf den Hodensack, auch Skrotum genannt, auswirkt. Die Untersuchungen belegen, dass bereits eine geringe Temperaturerhöhung die Spermienproduktion hemmt - und damit auch die Zeugungsfähigkeit einschränkt.

Der Samenstrang ist von Venen umgeben. Diese führen Blut durch den Körper in Richtung des Herzens, das an dieser Stelle kühler ist als das Blut in den Arterien. Aus diesem Grund ist die Temperatur in den Hoden 2 Grad geringer als im gesamten Körper. Sie liegt bei etwa 35 Grad. Durch permanentes Sitzen oder beheizbare Sitze steigt sie allerdings an.

Die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass die Temperatur des Skrotums beim bloßen Sitzen im Auto nach 90 Minuten Fahrt bereits bei 36,7 Grad liegt. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Körpertemperatur beträgt 37 Grad. Ist zusätzlich die Sitzheizung eingeschaltet, steigt die Hodentemperatur auf bis zu 38,6 Grad. Durch die Wärmezufuhr werden dann nicht nur weniger Spermien produziert, diese sind auch nicht so agil und erreichen daher seltener ihr Ziel.

Auch Frauen sollten darauf achten, nicht zu häufig die Sitzheizung im Auto einzuschalten. Die Wärme begünstigt die Vermehrung von Pilzerregern im Intimbereich, wenn diese die Scheide bereits befallen haben. Hat sich die Pilzinfektion ausgebreitet, sinkt die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft, da die pilzbefallene Körperregion den Spermien den Weg zur Eizelle erschwert.

Männer im Westen haben weniger Spermien

Forscher der Hebrew University in Jerusalem haben außerdem herausgefunden, dass die Spermienanzahl von Männern in westlichen Ländern generell stark gesunken ist. Sie berichten von einem Rückgang um 52,4 Prozent zwischen 1973 und 2011. Pro Samenerguss sind es sogar 59,3 Prozent weniger Spermien. Das sind zwar dramatische Zahlen, die Deutsche Gesellschaft für Urologie gibt aber zu bedenken, dass die israelische Studie nichts über die Beweglichkeit der Spermien aussagt. Diese hat wesentliche Auswirkungen darauf, ob die Spermien die weibliche Eizelle erreichen können oder eben nicht.

Männer mit Kinderwunsch sollten deshalb nicht nur darauf achten, die Sitzheizung zu meiden, sondern heiße Bäder, enge Unterhosen und intensive Saunagänge. Einer der größten Störfaktoren ist aber laut der Gießener Forscher das Rauchen. So kann bei Rauchern ein verändertes Erbgut in den Spermien festgestellt werden, das sich teilweise auf den Embryo überträgt und zu Fehlgeburten führen kann. Ein mäßiger Alkoholkonsum hat hingegen keinen nachweisbaren Einfluss auf die Zeugungsfähigkeit.

Quelle: n-tv.de