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Frage & Antwort, Nr. 242 Sterben Fische bei Blitzeinschlag?

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Gewitter über Magdeburg an der Elbe. Was passiert eigentlich mit Fischen, wenn der Blitz mal ins Wasser einschlägt?

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Bei Gewitter heißt es doch immer: Nichts wie raus aus dem Wasser! Aber was passiert denn mit den Fischen? Können sie vom Blitzeinschlag sterben? (fragt Rosa K. aus München)

Da kann man noch so gern planschen, bei Gewitter zieht es menschliche Wasserratten sofort an Land. Der aus dem Wasser herausragende Kopf eines Schwimmers kann dem Blitz nämlich geradezu als Ableiter dienen. Doch auch, wenn der Blitz "nur" in der Nähe eines Schwimmers ins Wasser einschlägt, reagiert der Körper sehr empfindlich auf den Strom. Verkrampfungen und Bewusstlosigkeit können zum Ertrinken des Schwimmers führen.

Dass sich auch Fische keiner Immunität gegen elektrische Spannung erfreuen, macht sich die Elektrofischerei zunutze. Die Tiere werden dabei durch die sogenannte Elektronarkose gelähmt, um beispielsweise Fischartenvorkommen zu analysieren. Und auch der südamerikanische Zitteraal – sein lateinischer Name Electrophorus electricus verrät es bereits – tötet seine Beute mit Hilfe elektrischer Stöße. Was passiert also mit den Tieren, wenn ein Blitz mit einer durchschnittlichen Stromstärke von 20.000 Ampere aufs Wasser trifft?

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Süßwasser oder Salzwasser? Kurzer oder langer Fisch? Für das Überleben der Tiere bei Blitzeinschlag spielen viele Faktoren eine Rolle.

(Foto: picture alliance / dpa)

"Tatsächlich werden Fische, die sich in unmittelbarer Nähe des Blitzeinschlags befinden, in Mitleidenschaft gezogen", erklärt Diplom-Meteorologe Bernhard Mühr vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Denn das Gebiet um den Einschlagort weise eine hohe elektrische Feldstärke auf, auch entstehe durch die explosionsartige Verdampfung des Wassers am Einschlagort eine Druckwelle, die sich im Wasser ausbreite. Ob ein Blitzeinschlag zum direkten Tod oder zu Verletzungen führt, zum Beispiel zu Störungen des Nervensystems, hängt von mehreren Faktoren ab: der Länge des Fisches, der Entfernung, der Art des Gewässers und dem Winkel des Fisches zum Einschlagort.

Je kürzer der Fisch, umso besser

Glück haben kleine beziehungsweise kurze Fische. In einem elektrischen Feld besteht am Körper eines Fisches zwischen Kopf und Schwanz eine Spannungsdifferenz. Je größer das Tier, umso größer ist die Spannungsdifferenz. Das heißt, umso mehr Strom fließt durch den Körper. Demnach wird den meisten Fischarten – dank ihrer geringen Länge – auch erst eine sehr viel höhere Strommenge gefährlich als dem Menschen.

Entscheidend ist natürlich, wie weit ein Fisch vom Einschlagort entfernt schwimmt. Die elektrische Feldstärke, die sich bei einem Blitzeinschlag aufbaut, nimmt mit dem Quadrat der Entfernung ab, also sehr rasch. Die Spannungsdifferenz, die beispielsweise an einem Körper von einem Meter Länge anliegt, ist am Einschlagort sehr viel größer als in 50 Metern Entfernung. Daher hat bereits ein Fisch, der sich in einem solchen Abstand befindet, eine sehr viel höhere Chance zu überleben als ein Fisch nahe der Einschlagstelle.

Von Bedeutung ist außerdem, ob ein Fisch parallel oder quer zu den elektrischen Feldlinien schwimmt, die vom Einschlagort ausgehen. "Befindet sich der Fisch parallel zu den Feldlinien, passiert ihm eher nichts, denn dann besteht entlang des Fischkörpers kein oder nur ein kleiner Spannungsunterschied", sagt Mühr.

Salzwasser leitet anders

Auch die Art des Wassers spielt bei den Auswirkungen eines Blitzeinschlags eine Rolle. Salzwasser leitet anders als Süßwasser. "Salzwasser ist durch das gelöste Salz ein guter Leiter", erklärt Mühr. Dadurch wird die elektrische Ladung schnell abtransportiert. Hingegen leitet reines oder destilliertes Wasser den Strom nur schlecht. "Die elektrische Leitfähigkeit von Meerwasser ist rund 100 Mal höher als die von Trinkwasser", so der Experte.

Ob ein Salzwasserfisch deshalb eine höhere oder niedrigere Überlebenschance hat, ist Mühr zu spekulativ zu sagen. Sicher ist, dass Fische in Meeren und auch in großen Seen gegenüber Teichbewohnern einen entscheidenden Vorteil haben: Sie können bei Gewitter in die Tiefen ihres Gewässers abtauchen.

Gartenteiche allerdings sind normalerweise von vielen höheren Objekten umgeben. "Daher ist es unwahrscheinlich, dass der Blitz ausgerechnet dort einschlägt", sagt Mühr. Stolze Besitzer eines Goldfischteichs brauchen sich also keine Sorgen zu machen. Ihre Lieblinge werden nicht vom Blitz "gekocht".

Quelle: n-tv.de

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