Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 430 Warum ist die englische Billion keine Billion?

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Million, Milliarde, Billion? Große Zahlen können über Sprachgrenzen hinweg für Verwirrung sorgen.

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Warum ist die Billion aus dem Angelsächsischen nicht identisch mit der Billion in unserem Sprachgebiet? Was ist der Grund für diesen Unterschied und seit wann besteht er? (fragt Bernd H. aus Langen)

Wer häufiger mit englischsprachigen Texten zu tun hat, stößt früher oder später auf große Zahlenangaben. Und dann wird es knifflig - zumindest beim Übersetzen. Denn "billion" im Englischen ist nicht mit unserer Billion identisch, sondern mit unserer Milliarde. Ein erheblicher Unterschied, wenn es zum Beispiel um Staats- oder Unternehmensfinanzen geht. Aber wie kommt es eigentlich, dass es unterschiedliche Bezeichnungen für Zahlen mit gleich vielen Nullen gibt?

Machen Sie sich auf ein paar Knoten in Ihren Gehirnwindungen gefasst. Ohne ein wenig Mathematik ist die Erklärung nämlich nicht nachvollziehbar. Grund für die Unterschiede in der Benennung großer Zahlen ist, dass sich zwei unterschiedliche Konventionen durchgesetzt haben, wie Zahlen benannt werden, die größer sind als eine Million: die lange und die kurze Skala.

Die lange Skala

Die lange Skala arbeitet mit Potenzen der Zahl 1.000.000. Das heißt: die Einteilung wird in Schritten unternommen, in denen jeweils sechs Nullen angefügt werden. Im 15. Jahrhundert tauchte im Französischen der Gebrauch des Wortes "Billion" für 1.000.000² auf. Das sieht dann folgendermaßen aus:

  • 1.000.0000 = Eins
  • 1.000.0001 = 1.000.000 (106)= Million
  • 1.000.0002 = 1.000.000.000.000 (1012) = Billion
  • 1.000.0003 = 1.000.000.000.000.000.000 (1018) = Trillion
  • 1.000.0004 = 1.000.000.000.000.000.000.000.000 (1024) = Quadrillion
  • ...

Unschwer zu erkennen, dass bei diesem System alles seine Ordnung hat: Vorsilben und Potenzen passen zusammen. "Bi-" bedeutet "zwei", steht also für eine Million hoch zwei. "Tri-" bedeutet "drei" - also: eine Million hoch drei.  So geht es immer weiter, klar strukturiert und ohne Ausnahme. Eine "Nonillion" wäre eine Million hoch neun ("Non-" = "neun"), eine Zentillion eine Million hoch hundert ("Zent-" = "hundert").

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Rot markierte Länder benutzen die kurze Skala, blau markierte die lange. Lila steht für die Benutzung beider Skalen und gelb für die Nutzung komplett anderer Systeme.

Dadurch, dass die Million als Ausgangsbasis verwendet wird, gibt es in diesem System zunächst keine eigenständige Bezeichnung für "Tausend Millionen", da eine Billion bereits "eine Million Millionen" ist. Hier kommt - vermutlich erst seit dem späten 19. Jahrhundert - die "Milliarde" ins Spiel: Man behilft sich mit Zwischenschritten. Diese enden jeweils auf "-lliarde" statt auf "-llion". Eine Milliarde sind Tausend Millionen, eine Billiarde Tausend Billionen - und so weiter.

Die kurze Skala

Die kurze Skala entstand im 17. Jahrhundert, lange nach der langen Skala, aber - und das ist der Clou - vor der Verbreitung des Begriffes "Milliarde". Der kurzen Skala liegen nicht Potenzen der Million, sondern der Zahl 1000 zugrunde. Die Einteilung wird also in Schritten unternommen, in denen jeweils drei Nullen angefügt werden:

  • 10000 = Eins
  • 10001 = 1000 (103) = Tausend
  • 10002 = 1.000.000 (106)= Million
  • 10003 = 1.000.000.000 (109)= Billion
  • 10004 = 1.000.000.000.000 (1012)= Trillion
  • 10005 = 1.000.000.000.000.000 (1015)= Quadrillion
  • ...

Eine Million sind Tausend mal Tausend, eine Billion sind Tausend Millionen, eine Trillion sind Tausend Billionen - und so weiter. Die Begriffe wurden dabei von der langen Skala übernommen, ohne die Zwischenschritte - denn die wären bei dieser Skala ohnehin hinfällig. Daraus folgt jedoch, dass die Vorsilben der Bezeichnungen nicht mehr zu den Potenzen passen. "Bi-" sieht sich nun einer drei gegenüber, "Tri-" einer vier. Ästheten bevorzugen deshalb die lange Skala - da passt es einfach.

England wechselte 1975 die Seiten

Die beiden Systeme verbreiteten sich unterschiedlich. Großbritannien etwa nutzte bis 1975 das lange System, wie der größte Teil Europas. Unter transatlantischem Einfluss - in den USA wurde und wird bis heute das kurze System verwendet - adaptierte auch die Insel das kurze System. Im Englischen gibt es also durchaus den Begriff "milliard" - er findet nur kaum Verwendung.

Es gibt auch Länder, in denen beide Konventionen verbreitet sind. Kanada zum Beispiel: Im kanadischen Englisch wird die kurze Skala benutzt, im kanadischen Französisch die lange. Viele Länder der Erde, vor allem im asiatischen Raum, haben jedoch gänzlich andere Systeme, große Zahlen zu bezeichnen.

Übrigens: Es gab auch eine Zeit vor der "Million". Noch im frühen 16. Jahrhundert finden sich Hinweise darauf, dass etwa 86.000.000.000 nicht sechsundachtzig Milliarden oder sechsundachtzig Tausend Millionen ausgesprochen wurde, sondern sechsundachtzig Tausend Tausend mal Tausend.

Quelle: n-tv.de

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