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Wäsche, so der Aberglaube, sollte erst wieder nach dem 6. Januar gewaschen und aufgehängt werden.
Wäsche, so der Aberglaube, sollte erst wieder nach dem 6. Januar gewaschen und aufgehängt werden.(Foto: picture alliance / dpa)
Dienstag, 26. Dezember 2017

Frage & Antwort, Nr. 513: Warum soll man bis 6. Januar nicht waschen?

Von Jana Zeh

In der Zeit zwischen den Jahren geht es vielerorts besinnlich zu. Der Alltag wird durchbrochen. Bräuche leben auf. Aber was hat das alles mit Wäschewaschen zu tun? Und welche Rolle spielt Frau Holle?

Tatsächlich gibt es eine Reihe alter Überlieferungen im europäischen Raum, die besagen, dass man zwischen dem 24. Dezember und dem 6. Januar auf das Wäschewaschen besser verzichten sollte. Dieser Zeitraum, in dem die Nächte besonders lang sind, wird auch mit Rauhnächten beschrieben. Insgesamt soll es zwölf davon geben - sechs im alten und sechs im neuen Jahr. In manchen Traditionen beginnt diese besondere Zeit auch schon am Tag der Wintersonnenwende.

Wegen vorherrschender Dunkelheit und Kälte ging man in früheren Zeiten davon aus, dass in dieser Zeit die Pforten zu anderen Welten weit geöffnet sind. Finstere Gestalten und Geistwesen können in den Winternächten in die irdische Welt vordringen, denn sie sind in den Rauhnächten mächtiger als sonst. Hexen, Dämonen und zottige Unholde könnten während dieser Zeit Haus und Hof übernehmen, wenn man nicht vorsichtig genug ist. Es bestand zudem die Gefahr, dass sich die Wesen in der im Freien aufgehängten Wäsche oder auch nur in Wäscheleinen verfangen und so großes Unheil über deren Besitzer bringen, so der auch heute noch verbreitete Aberglaube.

Rauhnächte oder Rauchnächte

Woher genau die Bezeichnung Rauhnächte stammt, ist umstritten. In einer Erklärung geht man davon aus, dass die Bezeichnung rauh vom mittelhochdeutschen ruch abstammt, was so viel wie haarig bedeutet. Viele Unholde sollen pelzige Überwürfe tragen. Es ist aber auch möglich, dass Rauhnächte eine Variante von Rauchnächten ist, denn zu den Ritualen in dieser Zeit gehört auch, dass man Haus und Ställe mit Weihrauch ausräucherte. Auf diese Art und Weise, so glaubten die Menschen, konnte man sich von altem und schlechtem lösen und gleichzeitig Platz für Neues schaffen. In Form von Räuchermännchen oder –häuschen gibt es diesen Brauch auch heute noch.

Frau Holle und Odin sind unterwegs

In manchen Überlieferungen ist auch von einem Heer von Reitern die Rede, die in einer wilden Jagd durch die Luft fliegen. Der Begriff der wilden Jagd stammt wohl ursprünglich aus der germanischen Mythologie. Auch wenn es mehrere verschiedene Geschichten dazu gibt, so wird doch immer wieder erzählt, dass der germanische Gott Odin und Frau Holle dieses Heer anführen. Mit ihnen sind die Seelen der Toten.

Eine Variante besagt, dass sich das Heer der Toten auf den Weltuntergang, in der nordischen Mythologie auch als Ragnarök bekannt, bezieht. Alle diejenigen, die die wilde Jagd sehen, werden von ihr mitgerissen. Bekommt Frau Holle ein Stück der Wäsche zu greifen, dann macht sie es zum Leichentuch und jemand aus dem Haushalt stirbt. Genauso könnte diejenige, die die Wäsche hinhängt, von Odins Heer mitgenommen werden. Frauen waren in den Rauhnächten also besonders gefährdet.

Wegen der vermeintlich vielen Gefahren haben sich die Menschen viele Jahrhunderte zu dieser Zeit in ihre Behausungen zurückgezogen, alltägliche Arbeiten wie Backen, Reinemachen oder Spinnen eingestellt und sich bei Kerzenlicht Geschichten, wahrscheinlich auch die von Frau Holle, erzählt. Um das Risiko zu minimieren, sollten alle wichtigen Dinge deshalb bis zum Tag der Wintersonnenwende erledigt sein. Zog dann ein Wintersturm laut durch die Ritzen der Häuser, hörten die Menschen die wilde Jagd Odins, vor dessen Heer man sich besser in Acht nahm. Weil man nicht viel machen sollte, einerseits wegen des Aberglaubens, andererseits wegen Kälte und Dunkelheit, wurden die Rauhnächte auch zur Zeit des Ausruhens, der Besinnung und innerlichen Einkehr.

Trotz aller Geschichten und Aberglaubens gab es einen Ausweg. Man war den Wesen aus anderen Welten nicht ausgeliefert. Odin und Frau Holle beispielsweise konnten durch Opfergaben wie Brot, Grütze, Gebäck, Erbsen, Milch oder Schnaps gütlich gestimmt werden. Diese Dinge wurden dann entweder vor die Tür oder unter die Obstbäume im Garten abgestellt. Die eigenen Ahnen wurden bedacht, indem man für sie ein Licht in einer Laterne entzündete und ins Fenster stellte.

Übrigens: Die Rauhnächte wurden auch als beste Zeit gesehen, um in die Zukunft zu sehen. Auch diese Tradition des Orakelns hat in abgewandelter Form überlebt. Es wird als Bleigießen am Silvesterabend praktiziert.

Quelle: n-tv.de