Frage & Antwort

Vor allem in der Schnupfensaison Was schädigt die Nasenscheidewand?

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Eine Frau mit Piercing in der Nasenscheidewand.

(Foto: imago images/ingimage)

Mit dem Winter beginnt auch die Erkältungszeit. Es wird geniest und gehustet. Mancher greift dann zum abschwellenden Nasenspray und riskiert bei längerer Anwendung nicht nur eine Abhängigkeit, sondern auch die klare Trennung zwischen den beiden Nasenhälften.

Die Nasenscheidewand trennt die Nase in eine linke und eine rechte Hälfte. Sie bildet die Begrenzung zwischen den Nasenlöchern und besteht aus Schleimhaut, Knorpel und knöchernen Strukturen. Rund ein Prozent der Deutschen hat ein Loch darin. Die meisten stört das nicht. Ein Drittel der Betroffenen hat jedoch störende Symptome und leidet an der in der Fachsprache als Septumperforation bezeichneten Läsion.

Die Ursachen für die Entstehung solcher Löcher sind vielfältig. Kokainkonsum, Autoimmunerkrankungen oder auch Geschlechtskrankheiten können Auslöser sein. Auch Gewalteinwirkungen, zu starkes Popeln, Piercings oder eine zu lange Anwendung von abschwellendem Nasenspray oder -tropfen können zu Löchern in der Nasenscheidewand führen. Das ist den meisten Anwendern nicht bewusst.

Nasenspray mit abschwellender Wirkung

Bekannt ist, dass schon eine zweiwöchige Einnahme zu einer Abhängigkeit führen kann. Auch die sensible Schleimhaut in der Nase kann durch die freiverkäuflichen Sprays nachhaltig geschädigt werden. Um zu verstehen, wie es zu solchen irreversiblen Schädigungen in der Nase kommt, lohnt sich zunächst der Blick auf Wirkstoffe und -weise abschwellender Nasensprays.

Bei Schnupfen kommt es zu einer Entzündungsreaktion in der Nasenschleimhaut. Sie schwillt an, die Atemwege verkleinern sich und in der Nase wird mehr Schleim gebildet. Die Nase kribbelt und läuft und man kann nicht gut durch sie atmen.

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Wer zu lange auf abschwellende Nasensprays oder -tropfen setzt, riskiert davon abhängig zu werden.

(Foto: imago stock&people)

In abschwellenden Sprays befinden sich sogenannte Alpha-Sympathomimetika, also Substanzen, die die Blutgefäße in der Nasenschleimhaut dazu bringen, sich zusammenziehen. Sie docken an den Alpha-Rezeptoren in der Nasenschleimhaut an und geben die Signale zur Verengung. Diese führt dazu, dass man wieder besser durch die Nase ein- und ausatmen kann. Es ist also eine Linderung von Schnupfensymptomen spürbar.

Allerdings nur kurzzeitig, denn der Effekt hält nur ein paar Stunden an. Also wird wieder gesprüht und mit der Zeit gewöhnen sich die sensiblen Rezeptoren der Nasenschleimhaut an diese Art der Aktivierung von außen. Der Körper lernt durch die Dauerstimulation, dass er die zum Abschwellen nötigen Botenstoffe nicht mehr selbst produzieren muss. Bei längerer Anwendung nimmt also die Dichte der Alpha-Rezeptoren in der Nasenschleimhaut ab. Betroffene greifen dann zu höher dosierten Sprays oder benutzen diese öfter, um eine freie Nase zu bekommen, obwohl sie gar keinen Schnupfen mehr haben. Ein Teufelskreis entsteht, bei dem im schlimmsten Fall der Geruchssinn verloren geht.

Selbstreinigung entfällt

Die abschwellende Wirkung führt zu einer verminderten Durchblutung der Nasenschleimhaut und das wiederum dazu, dass die Selbstreinigung der Nase nicht mehr funktioniert. Eine sehr trockene Nase, kleine Risse und Verkrustungen darin sind Anzeichen, die Betroffene spüren oder in Form von Blut im Taschentuch sehen. Eine trockene Nasenschleimhaut ist zudem der ideale Platz für Bakterien. Können sich diese vermehren, entstehen neue Entzündungen, die wiederum chronisch werden können.

Wird in diesem Prozess nicht durch eine Entwöhnung vom Nasenspray gegengesteuert, kann es tatsächlich dazu kommen, dass bakterielle Entzündungsprozesse den Knorpel der Nasenscheidewand angreifen und dort entweder mehrere kleine Löcher entstehen oder sogar ein großes Loch. Die Septumperforation wird vom Facharzt festgestellt. Fühlt sich der Patient dadurch eingeschränkt, kann das Loch operativ geschlossen werden.

In extremen Fällen verlieren Patienten, die Nasensprays missbrauchen, sogar ihren Geruchssinn. Auch dafür sind wieder Bakterien verantwortlich. Sie können die Riechzellen in der Nasenschleimhaut angreifen und zerstören. Denkbar ist auch, dass sich die in manchen Nasensprays enthaltenen Konservierungsmittel negativ auf den Geruchssinn auswirken. Aus diesem Grund sollte man eher konservierungsmittelfreie Präparate wählen.

Anwendungsdauer im Blick

Trotz der Risiken ist die Anwendung von abschwellendem Nasenspray wie bei jedem anderen Medikament auch ein Abwägen zwischen Nutzen und Nebenwirkungen. Wer beispielsweise mit einer Erkältung in ein Flugzeug steigt, sollte vorher ein abschwellendes Nasenspray benutzen, um die Zugänge zu den Nasennebenhöhlen und die Ohren zu schützen. Prinzipiell raten Hals-Nasen-Ohren-Ärzte aber dazu, solche Präparate nicht länger als eine Woche durchgehend anzuwenden. Nur so kann einer Abhängigkeit vorgebeugt werden. Zudem wird gefordert, gut sichtbare Warnhinweise auf die Präparate zu drucken.

Verbraucher, die sich unsicher sind, ob auch in ihrem Mittel suchtmachende Wirkstoffe enthalten sind, können sich beim Arzt oder in der Apotheke erkundigen oder sollten selbst einen Blick auf die Inhaltsstoffe werfen. Xylometazolin, Oxymetazolin und Tramazolin sind die gängigsten drei Substanzen, die hierzulande in den abschwellenden Nasensprays und -tropfen zu finden sind und zu Abhängigkeiten und den beschriebenen Schäden in der Nase führen können.

Übrigens: Bei allergischem Schnupfen raten Mediziner von der Anwendung abschwellender Nasensprays ab. Diese Präparate sind zur Behandlung von Allergien nicht geeignet.

Quelle: ntv.de