Frage & Antwort

Frage & Antwort Wer ist eigentlich Adam Riese?

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Einfache Rechnungen kriegt heute dank Adam Ries fast jeder hin - das war nicht immer so.

(Foto: imago/Thomas Eisenhuth)

Bei einfachen Rechnungen sagen viele "nach Adam Riese gibt das ...". Ich frage mich: Warum eigentlich? (fragt Peter S. aus Schönbrunn)

Eins plus eins - nach Adam Riese ergibt das zwei. Nicht nur die Rechnung bekommt schon jedes Kind hin, auch mit dieser Redewendung wächst man hierzulande auf. Was einem jedoch kaum einer erzählt: Wer war eigentlich Adam Riese - und warum wurde sein Name zum geflügelten Wort?

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Adam Ries im 58. Lebensjahr (1550) auf einer zeitgenössischen Abbildung.

(Foto: gemeinfrei/Wikimedia Commons)

Adam Riese hieß eigentlich Adam Ries und lebte vor 500 Jahren. Und er war tatsächlich das, was man heute mit ihm verbindet: ein Rechenmeister. Damit war er zwar nicht alleine, sein Anliegen aber war revolutionär. Ries hatte es sich zur Aufgabe gemacht, das Rechnen dem einfachen Volk zugänglich zu machen. Es war damals nicht üblich, dass jeder rechnen konnte - nicht selten wurden einfache Bürger von Kaufleuten übers Ohr gehauen, schlicht weil sie deren Kalkulationen nicht nachvollziehen konnten.

Deutsche Sprache, arabische Ziffern

Adam Ries schrieb sein erstes Rechenbuch "Rechnung auff der linihen", das fortan auch im Rechenunterricht eingesetzt wurde. Das Besondere daran: Es war auf Deutsch verfasst, anders als viele andere Gelehrtenbücher, die auf Latein veröffentlicht wurden. Ries legte jedoch Wert darauf, dass sein Buch von einer breiten Masse gelesen und verstanden werden konnte. Angesichts des sich zur selben Zeit ausbreitenden mechanischen Buchdrucks hat das auch ganz gut funktioniert.

Ries tat noch ein Weiteres: Der Rechenmeister setzte konsequent auf arabische Ziffern statt auf lateinische, die unhandlich und kompliziert waren. Er trug maßgeblich dazu bei, dass sich diese Ziffern gegenüber den römischen bei uns durchgesetzt haben. Ries kann also getrost als "Vater des modernen Rechnens" bezeichnet werden.

"Nach Adam Riese" wurde zur Redewendung für eine korrekte, nachvollziehbare Rechnung - da Adam Ries es war, der das logische Rechnen vereinfachte und dem Volk zugänglich machte. Bereits im 18. Jahrhundert ist der Ausspruch nachzuweisen. In seinem Buch "Geschichte der Mathematik" schreibt der Mathematiker Abraham Gotthelf Kästner: "Nach Adam Riesen, ist lange Zeit Versicherung der Wahrheit einer Rechnung gewesen, ...". Auch damals war es also schon verbreitet, die Richtigkeit einer Rechnung mit dem Namen des Rechenmeisters zu besiegeln.

Übrigens: Ende 1991 wurde ein Asteroid entdeckt und 1997 nach dem deutschen Rechenmeister benannt. Seitdem fliegt der Felsbrocken mit der offiziellen Bezeichnung "(7655) Adamries" durch das Weltall. Er misst zwischen 3 und 9,4 Kilometer im Durchmesser und braucht für einen Umlauf um die Sonne rund 3,8 Jahre.

Quelle: n-tv.de

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