Frage & Antwort

Saubermänner gegen Hygienemuffel Wie viel Duschen ist gesund?

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Zu warme und zu lange Duschen sowie aggressive Reinigungsprodukte können der Haut schaden.

(Foto: picture alliance / Zoonar)

Ein heißes Bad am Abend oder eine kalte Dusche direkt nach dem Aufstehen: In Sachen Körperhygiene haben Menschen ganz unterschiedliche Vorlieben. Ein aktueller Trend ist, gar nicht mehr zu duschen. Doch ist das wirklich besser für unsere Haut? Dermatologen erklären die Gefahren von zu viel, aber auch zu wenig Körperhygiene.

Manche tun es mehrmals täglich, andere nur alle paar Tage: Duschen. Hollywoodstar Dwayne Johnson verriet vor Kurzem auf Twitter, dass er dreimal am Tag duscht. Schauspielkollege Ashton Kutcher gehört hingegen eher zu den Hygienemuffeln: "Ich wasche mir täglich die Achseln und den Schritt und sonst nichts", erklärte er in einem Podcast. Doch wer macht es nun richtig? Wie viel Körperpflege ist nötig - und gesund?

"Prinzipiell ist unsere Haut nicht auf die ständige Reinigung angewiesen und aus Evolutionssicht ist regelmäßiges Duschen und Baden nicht vorgesehen", sagt Dermatologin Michaela Axt-Gadermann der Nachrichtenagentur Spot. Noch vor 50 Jahren habe es in vielen Familien nur einen "Badetag" pro Woche gegeben, der meistens samstags war. Unsere Haut komme daher mit selteneren Reinigungen in der Regel besser zurecht als mit zu häufigem Duschen.

Auf der Haut befindet sich ein dünner Film aus Schweiß, Hauttalg und gesunden Bakterien, der sie pflegt, vor dem Austrocknen schützt und sie geschmeidig hält. Dieser "Säureschutzmantel" ist - wie der Name vermuten lässt - leicht sauer und hat einen pH-Wert von 4,8 bis 5,5. Dadurch werden nicht nur unerwünschte Keime abgehalten. Der Säureschutzmantel sorgt auch für eine gute Feuchtigkeitsversorgung und kann sogar die Hautalterung verzögern.

"Wenn wir täglich mehrmals mit viel Schaum und heißem Wasser unter der Dusche stehen, schädigen wir diesen dünnen Schutzfilm", sagt Axt-Gadermann. Der saure pH-Wert gehe verloren. Denn Seifen und manche Duschgele seien alkalisch und haben einen pH-Wert von 8 bis 11. Waschaktive Substanzen im Schaum lösten zudem den Hauttalg heraus und trockneten die Haut aus, erklärt die Dermatologin weiter. "Gleichzeitig spülen wir rund ein Drittel der wichtigen Bakterien des Hautmikrobioms mit jeder Dusche ab."

Schlechter Geruch durch zu viel Waschen?

Das bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass zu häufiges Duschen krank macht. Denn: "Duschen ist nicht gleich Duschen", sagt Axt-Gadermann. Bei einem schnellen Abduschen mit klarem Wasser und ohne Reinigungsprodukte trockne die Haut nur wenig aus. Zwar werden auch dadurch wichtige Bakterien abgespült und ein bisschen Talg entfernt, aber das kann die Haut meistens gut regenerieren.

Durch sehr häufiges, langes und sehr warmes Duschen kann die Haut aber austrocknen und anfällig für Ekzeme und Allergien werden. Hinzu kommt ein weiterer unangenehmer Effekt: "Das klingt zunächst paradox, aber die Haut riecht dann auch immer stärker", so Axt-Gadermann. Normalerweise bekämpfen die gesunden Hautbakterien, das sogenannte Hautmikrobiom, geruchsbildende Bakterien auf natürliche Weise. Wenn das Hautmikrobiom zerstört wird, dann vermehren sich gerade solche Keime, die unangenehmen Körpergeruch verstärken. "Dadurch bekommt man das Gefühl, dass man noch öfter duschen sollte - ein Teufelskreis."

Bei der Körperhygiene ist weniger also mehr. Sogar die Wissenschaft gibt den Waschmuffeln recht: Forscherinnen und Forscher der LMU München konnten kürzlich anhand der Daten von mehr als 2700 Teenagern belegen, dass diejenigen, die höchstens einmal wöchentlich duschten, vor Allergien und Neurodermitis besser geschützt waren. Ihre Hautbarriere war intakt und der pH-Wert niedrig. Die Studie zeigte zudem, dass zu häufiges Waschen die mikrobielle Barriere der Haut schädigt und deren Durchlässigkeit erhöht.

Sollte man also ganz auf Duschen verzichten?

Duschabstinenz ist nicht nur unangenehm für das soziale Umfeld, sondern kann gleichermaßen schädlich sein, sagt Dermatologe Timm Golüke der "Welt" und rät von Nichtwasch-Exzessen ab. Die Haut könne nicht zur Selbstregulation erzogen werden. "Bei längerer Waschabstinenz wird die Haut fettig, später bilden sich Pilze und Bakterien. Diese entstehen vermehrt an Stellen des Körpers, die am meisten Fette produzieren, wie unter den Achseln, hinter den Ohren, am Hals und unter den Brüsten bei Frauen."

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Als Faustregel gilt daher: Nicht zu lange, nicht zu heiß und möglichst seifenfrei duschen. Dann schadet laut Golüke auch der tägliche Gang unter der Wasserstrahl nicht. Schweiß sei wasserlöslich und könne ohne Seife sehr gut entfernt werden, bestätigt auch Dermatologin Axt-Gadermann. Zudem sollte auch das Hautmikrobiom "gepflegt" werden. In einer Studie der Hochschule Coburg konnte nachgewiesen werden, dass Bäder mit aktiven probiotischen Bakterien das gestörte Hautmikrobiom bei Neurodermitis-Patienten regenerieren, schädliche Bakterien verdrängen und die gesunde bakterielle Vielfalt auf der Haut wieder stärken.

Übrigens: Über kürzeres Duschen freut sich nicht nur die Haut, sondern auch die Umwelt. Bei einer zehnminütigen Dusche werden im Schnitt 150 Liter Wasser verbraucht. Das ist etwa eine Badewanne voll. Dabei reicht die Hälfte der Zeit für ein Rundum-sauber-Programm meist vollkommen aus. So entsteht weniger Abwasser. Und das spart Energie, da weniger verschmutztes Wasser in den Klärwerken gereinigt werden muss.

Quelle: ntv.de, mit Spot

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