Fundsache

Fundsache, Nr. 1382 Älteste Zeichnung der Menschheit in Südafrika

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Den Stein mit der Ocker-Zeichnung wurde in der Blombos-Höhle in Südafrika gefunden.

(Foto: Craig Foster/dpa)

In einer Höhle in Südafrika finden Forscher die älteste Kunst des modernen Menschen: Die Ockerzeichnung auf einem Stein entstand vor etwa 73.000 Jahren. Sie ist damit Zehntausende Jahre älter als die früheste bislang bekannte Kunst des Homo sapiens.

Einem nicht geschulten Auge könnte das Kunstwerk glatt entgehen - doch Forscher sehen in den roten, sich überkreuzenden Linien die möglicherweise älteste menschliche Zeichnung überhaupt. Demnach zeichneten Steinzeit-Menschen vor etwa 73.000 Jahren das Hashtag-ähnliche Muster mit Ockerfarbe auf einen Stein. Das in einer Höhle im heutigen Südafrika gefundene Stück sei mindestens 30.000 Jahre älter als die älteste bisher gefundene Zeichenkunst des modernen Menschen. Die Wissenschaftler vermuten, dass Homo sapiens womöglich sogar noch früher mit künstlerischen Ambitionen zum Ockerstift griff.

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Die Blombos-Höhle ist eine Fundgrube für Archäologen.

(Foto: Magnus M. Haaland)

Das Team um Christopher Henshilwood von der Universität Bergen (Norwegen) hatte das Objekt in der Blombos-Höhle gefunden. Sie liegt in Südafrika, etwa 300 Kilometer östlich von Kapstadt in der Nähe der Küste, und stellt eine wahre Fundgrube für Archäologen dar. Bereits seit 1991 wird sie wissenschaftlich erkundet. Die Höhle wurde 1961 von Henshilwoods Großvater gekauft. Der Forscher selbst verbrachte dort wiederholt seine Ferien und sammelte bei der Gelegenheit Steinwerkzeuge und andere Artefakte, was seine spätere Entscheidung für ein Archäologie-Studium angeblich mitbegründet hat.

Neun sich teils durchkreuzende Linien

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Eingraviertes Muster auf einem Stein, der in der Blombos-Höhle in der gleichen archäologischen Schicht gefunden wurde.

(Foto: D'Errico/Henshilwood/Nature/dpa)

Die vertikalen Fundhorizonte in der Höhle teilen Wissenschaftler in drei Zeitabschnitte (M1 bis M3) ein, die insgesamt einen Zeitraum von vor 140.000 Jahren bis heute umfassen. Aus den unterschiedlichen Horizonten bargen Fachleute bereits zahlreiche Zeugnisse der Kultur früher Menschen, etwa eingeritzte Steine oder durchbohrte Muschelschalen. Das nun untersuchte Fundstück "L13" stammt aus dem M1-Horizont und wurde auf ein Alter von etwa 73.000 Jahre datiert. Es handelt sich um ein knapp vier Zentimeter langes Stück Stein, auf dem insgesamt neun sich teils durchkreuzende Linien zu sehen sind.

Um herauszufinden, wie die Linien auf den Stein gekommen sind, probierten die Forscher verschiedene Techniken aus. Aus den Experimenten folgern sie, dass sie mit einer Art gespitztem Ockerstift gezielt aufgebracht worden waren und es sich folglich bei dem Kunstwerk um eine Zeichnung handelt. Vermutlich war das Bruchstück Teil eines größeren Steins, vermuten die Forscher aufgrund der an den Rändern abrupt abbrechenden Linien.

"Zeichnen gehörte zum Verhaltensrepertoire"

Mit einem Alter von etwa 73.000 Jahren handele es sich womöglich um die älteste bisher gefundene Zeichnung, schreiben die Forscher. Sie sei mindestens 30.000 Jahre älter als die bisher bekannten Nachweise von Zeichenkunst moderner Menschen. Zeichnen habe in Südafrika zum Verhaltensrepertoire des frühen Homo sapiens gehört, folgern die Wissenschaftler.

Sie vermuten, dass die Technik sogar noch älter sein könnte. Aus der Blombos-Höhle seien aus älteren Schichten etwa Gravierungen mit ähnlichen Mustern bekannt. Auch ein mit Farbresten gefülltes Schneckenhaus deute darauf hin, dass Zeichnungen oder Malereien schon viel früher angefertigt wurden, möglicherweise bereits vor 100.000 Jahren.

Die bisher ältesten Zeichnungen von Homo sapiens - etwa aus der französischen Höhle Chauvet oder der spanischen Höhle El Castillo - haben ein Alter von weniger als 42.000 Jahren und stammen somit aus deutlich jüngerer Zeit, schreiben die Forscher.

Beabsichtigte Zeichnung oder Nebenprodukt?

Die Studie zeige recht solide, dass die damaligen Homo-sapiens-Vertreter in irgendeiner Form mit Ocker gearbeitet hätten, sagt Dirk Hoffmann vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. "Ob das eine beabsichtigte Zeichnung war oder das Nebenprodukt einer anderen Nutzung - das lässt sich wohl nicht mit letzter Eindeutigkeit zeigen, da wäre ich etwas zurückhaltender in der Bewertung."

Hoffmann hatte mit einem internationalen Forscherteam Anfang dieses Jahres ähnlich alte Höhlenkunst im Fachblatt "Science" vorgestellt. Sie wurde allerdings von Neandertalern angefertigt. In drei spanischen Höhlen hatten die Wissenschaftler mindestens 64.000 Jahre alte bildliche Darstellungen wie den Umriss einer Hand und geometrische Formen gefunden. Sie waren somit gut 20.000 Jahre vor Ankunft des Homo sapiens in Europa entstanden. Daraus schloss das Team, dass der Neandertaler dem modernen Menschen geistig ebenbürtig gewesen sei.

Dass nun in Südafrika vermeintliche Zeichenkunstwerke vom Homo sapiens gefunden wurden, sei zu erwarten gewesen. "Die Kapazität dazu hatte er, das ist von daher grundsätzlich keine Überraschung", sagt Hoffmann. "Aber es ist gut, nun einen direkten Nachweis davon zu haben."

Quelle: n-tv.de, Anja Garms, dpa

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