Fundsache

Fundsache, Nr. 1387 Wikingerschiff in Grabhügel aufgespürt

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So könnte ein Wikingerschiff ausgesehen haben.

(Foto: Corey Ford/Stocktrek Images / Imago)

Wikinger waren besonders mit ihren Schiffen und dem Meer verbunden. Die Historie der berühmt-berüchtigten Seekrieger aus dem Norden ist allerdings lückenhaft. Der jüngste Fund könnte ein wichtiges Puzzle-Teil sein.

Wikinger haben keinerlei schriftlichen Aufzeichnungen über ihr Leben hinterlassen. Ihre Geschichte kann deshalb nur aus materiellen Hinterlassenschaften rekonstruiert werden. Eine solche spüren Archäologen mit Hilfe eines hochauflösenden Bodenradars nun im Südosten Norwegens auf.

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Ein eher unscheinbarer Hügel wird zum archäologischen Glücksfall.

(Foto: LBI ArchPro)

"Wir sind sicher, dass hier ein Schiff bestattet ist. Wie viel tatsächlich noch erhalten ist, ist vor weiteren Untersuchungen schwer zu sagen", sagt Morten Hanisch, Landeskonservator von Østfold. Der Experte für Wikingerschiffe Knut Paasche ergänzt: "Dieser Befund ist ausgesprochen aufregend, da wir bisher nur drei gut erhaltene Wikingerschiffe in Norwegen kennen, alle vor über 100 Jahren ausgegraben. Dieses Schiff ist von großer historischer Bedeutung, da wir es mit den modernsten Mitteln der Archäologie untersuchen können."

Die Reste des rund 20 Meter langen Wikingerschiffes liegen in Viksletta, also unweit vom monumentalen Grabhügel von Jelle in Østfold. Sie befinden sich rund 50 Zentimeter unter der Bodenoberfläche. Der größte Teil des Grabhügels wurde bereits von landwirtschaftlichen Geräten abgetragen. Die Daten weisen darauf hin, dass der Kiel und der untere Teil des Schiffes noch gut erhalten sind.

Schiffe als Grabzugabe

Neben den Schiffsresten spürten die Forscher die Überreste von insgesamt acht Grabhügeln und fünf sogenannten Langhäusern auf. Damit ist der Fund des Wikingerschiffes ein Teil eines Gräberfeldes, das zu Lebzeiten der Wikinger Macht und Einfluss nach außen repräsentieren sollte. Besonders einflussreiche Wikinger wurden nach ihrem Tod mit einem Schiff bestattet. Die archäologischen Entdeckungen könnten ähnlich spektakulär sein, wie die von Borre in Vestfold. Diese gelten als eine der umfangreichsten Ansammlungen von Königsgräbern der Wikinger in Skandinavien.

Die Entdeckung wurde von Forschern vom norwegischen Institut für Kulturgüterforschung (NIKU) gemacht. Sie nutzten dafür das Bodenradar des Ludwig Boltzmann Institut für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie (LBI ArchPro), das in Wien und Niederösterreich entwickelt wurde. Die Forscher planen, zunächst weitere zerstörungsfreie Untersuchungen ohne Bodeneingriff vorzunehmen. Sie halten jedoch auch archäologische Ausgrabungen zur Sicherung der Befunde für notwendig.

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Quelle: n-tv.de, jaz

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