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Abspecken und gleichzeitig aufrüsten lautete das Gebot der Stunde bei der Entwicklung des neuen Audi A3.
Abspecken und gleichzeitig aufrüsten lautete das Gebot der Stunde bei der Entwicklung des neuen Audi A3.(Foto: Holger Preiss)

Audi A3 - Klasse aufgerüstet: Premium-Golf aus Ingolstadt

Von Holger Preiss

Als Kompakter geht der Audi A3 ordentlich aufgerüstet in den Klassenkampf. Elektronische Helferlein, ein potenter Motor und ein sportliches Fahrwerk bringen den Ingolstädter in eine gute Ausgangsposition. Wie sich das in der Summe anfühlt, soll ein Praxistest herausfinden.

Keine Experimente. Auch von hinten bleibt der A3 ein Audi.
Keine Experimente. Auch von hinten bleibt der A3 ein Audi.(Foto: Holger Preiss)

Er ist klein und er ist fein, der Testwagen aus Ingolstadt. Entsprechend den Ansprüchen des bayerischen Herstellers hat der erste auf dem modularen Querbaukasten aus Wolfsburg ruhende Wagen, der Audi A3, alles, was den Premium-Charakter der Marke ausmacht. Feine Linien an der Außenhaut, die Gewohntes nicht infrage stellen. Ausgezeichnete Materialien und natürlich eine entsprechende Verarbeitung. Nun gut, mit einer kleinen Einschränkung: Die Heckklappe des Testwagens bewegte sich nicht entsprechend ihrer Aufgabe in lichte Höhen, sonder versagte auf halbem Weg ihren Dienst, was dazu führte, dass sich der Autor dieses Textes mehrfach den Kopf an dem hartnäckig "hängenden" Kofferraumdeckel rammelte.

Keine lästigen Fingerübungen

Davon abgesehen, gibt es aber in puncto Verarbeitung an diesem Auto nichts zu mäkeln. Im Innenraum des Testwagens ist feines Leder nicht nur um die ausgesprochen angenehm geformten Sportsitze gespannt, sondern säumt auch die Mittelkonsole, die Türinnenverkleidungen und natürlich den Hebel zur Gangwahl und das Steuerrad. Fein gebürstete und strukturierte Aluminium-Applikationen in der Armatur geben dem A3 im Innenraum, auch dank der Luftauslässe im Jet-Design, einen extrem sportlichen Charakter.

Die Hinterleuchtung der Bedienelemente ist für Audi typisch in Rot gehalten. Der Fußraum wird zart beleuchtet. Sanft umstrahlt werden die Türöffner, und auch der Cupholder in der Mittelkonsole bekommt einen Lichtkranz. Alles unaufdringlich schick. Immer wieder erfreulich ist das ergonomische Verständnis der Ingenieure in Ingolstadt. Alle Bedienelemente, angefangen vom Blinkgeber, über den Hebel zur Aktivierung des Scheibenwischers, bis hin zum Schalter für Tempomat und Speedlimiter sind so gelegen, dass sie ohne Probleme, wahrlich nur durch einen Fingerzeig, zu erreichen sind. Dem Piloten bleiben also lästige Fingerübungen erspart.

Sportlicher Kehrenmeister

Fünf Fahrmodi stehen zur Verfügung.
Fünf Fahrmodi stehen zur Verfügung.

Dem Testwagen hat Audi den neuen Zwei-Liter-Diesel eingepflanzt, der satte 150 PS leistet und 320 Newtonmeter auf die Kurbelwelle wuchtet. Um dem Fahrspaß Vorschub zu leisten, hat Audi den A3 mit einem Fahrwerk ausgestattet, das vor allem eins ist: sportlich. In schnell gefahrenen Kurven arbeitet die Stabilisierungskontrolle ESC mit integrierter elektronischer Quersperre und sorgt dafür, dass sich der Fahrer ständig über die mutmaßlichen Kurvenkriecher vor sich ärgern muss. Denn in der Summe vermittelt der A3 ein solch sicheres Gefühl, dass man jede Kehre im Schnelldurchlauf absolvierten möchte. Die Sportlichkeit hat aber auch ihre Schattenseiten. Während das straff abgestimmte Fahrwerk Unebenheiten auf Kopfsteinpflaster geflissentlich wegbügelt, wirkt es bei einzelnen Bodenwellen etwas sehr fest und gibt über die Beschaffenheit der Straße klare Information an die Passagiere weiter.

Ab der Ausstattungslinie Ambition wird der A3 zusätzlich mit einem Fahrmodi-Schalter bestückt: Comfort, Efficiency, Dynamic, Auto und Individuell stehen zur Wahl. Auf Knopfdruck kann der Pilot nun die Arbeitsweise des Motormanagements, der Servolenkung und der S tronic variieren. Eigentlich sind die fünf angebotenen Fahrstufen selbsterklärend, aber zwei sollen hier doch herausgegriffen werden.

Die eine, weil sie Spaß macht, die andere, weil sie überrascht. Wer seinen Audi sportlich durch die urbanen Schluchten steuern oder wild über die offenen Strecken der Autobahnen jagen will, der findet im Dynamic-Modus die entsprechenden Vorgaben dafür. Der Sound wird knackig, der nächsthöhere Gang wird im oberen Drehzahlbereich eingeworfen, und in nur 8,6 Sekunden jagt der nur 1280 Kilogramm leichte A3 auf Tempo 100. Wem das als Marke zu wenig ist und wer glaubt, er könne die Elektronik überlisten, der kann natürlich die Gänge über die Schaltwippe hinter dem Lenkrad einlegen. Ein wie immer unsinniges Unterfangen, denn das Sechs-Gang-Automatikgetriebe schaltet butterweich und präzise. Aber hier ist es wie mit dem olympischen Gedanken: Dabei sein ist alles.

Die Krux mit der Ökologie

Nun bietet sich der sportliche Fahrspaß allerdings nicht immer an. Wenn die Rushhour droht, dann möchte man einfach nur sanft dahin gleiten und möglichst wenig Sprit verbrauchen. Ein klarer Fall für den Efficiency-Modus. Doch gerade im lästigen Stopp and Go gibt der A3 sich dann erstaunlich ruppig. Trotz der fast untertourigen Fahrweise ruckelt und reißt es mächtig an den Vorderrädern. Das mag auch dem Umstand geschuldet sein, dass sich durch die Start-Stopp-Automatik bei jedem Bremsvorgang der Motor ausschaltet und beim Lösen der Bremse wieder startet. Ärgerlich ist, dass, wenn der Motor aus ist, ein schneller Spurwechsel unmöglich wird.

Die Audi "design selection capriorange" schlägt mit 1798 Euro zu Buche und soll vor allem junge Käufer ansprechen.
Die Audi "design selection capriorange" schlägt mit 1798 Euro zu Buche und soll vor allem junge Käufer ansprechen.(Foto: Abdruck fuer Pressezwecke honora)

Eh sich das Fahrzeug wieder bewegungsfähig gemacht hat, die Maschine gestartet ist und die Lenkunterstützung arbeitet, ist der nachrollende Verkehr auch schon da. Insofern sieht man sich gezwungen, will man im Stadtverkehr schnell und manövrierfähig bleiben, den Eco-Modus außer Gefecht zu setzen. Sicher, wer einen sehr sensiblen Bremsfuß hat, kann die Start-Stopp-Automatik austricksen. Kurz und fest Bremsen, dann den Fuß sofort wieder lösen, um anschließend sanft auf dem Pedal zu verharren. Aber mal ehrlich: Wer kann im Dschungel der Stadt, noch dazu im Berufsverkehr, so fahren?

Dafür kann man dem Zwei-Liter-Dieseltriebwerk attestieren: Egal, in welchem Fahrmodus der A3 durch die Straßen gesteuert wird, er bleibt extrem leise und im Verbrauch genügsam. Im Schnitt genehmigte sich der Testwagen 6,4 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Gemessen an den vielen Stadtfahrten und schnell gefahrenen Autobahnkilometern - die dem A3 auf offener Strecke eine Maximalgeschwindigkeit von 216 km/h erlauben - ein durchaus ordentlicher Wert. Audi gibt den Durchschnittsverbrauch kombiniert mit 4,9 Liter an. Das bleibt dann aber doch nur blanke Theorie.

Viel Raum für Zwei

Mit 365 Liter Kofferraumvolumen ist der A3 kein Lademeister.
Mit 365 Liter Kofferraumvolumen ist der A3 kein Lademeister.(Foto: Holger Preiss)

Im Innenraum gibt sich der A3 geräumiger, als es die Außenansicht vermuten lässt. Selbst wer beim Dreitürer in den Fond klettert, muss nicht über gedrückte Kniescheiben klagen. Auch in Richtung Himmel ist für normal große Erwachsene ausreichend Kopffreiheit vorhanden. Schwerer haben es Kinder auf ihren Zusatzsitzen. Die jammern schon mal, dass die Füße an den Rückenlehnen abknicken - und zwingen Reisende auf den vorderen Plätzen, das Gestühl zu verschieben. Dann löst sich die eben beschriebene Platzfülle schnell in Luft auf. Wer also mit einem A3 als Familienauto liebäugelt, sollte unbedingt auf einen Sportback zurückgreifen.

Zumal der sich hinter der Heckklappe verbergende Kofferraum mit seinen 365 Litern sicher für zwei Reisende ausreichend ist, bei drei oder vier Personen aber einiges an logistischem Geschick erfordert, um alle Utensilien zu verstauen. Golf 7 und Seat Leon bieten hier mit 380 Litern deutlich mehr an Stauraum. Klappt man im Audi die Rückenlehne der hinteren Sitze um, so wächst der Laderaum auf 1100 Liter. Optional bietet Audi eine Durchladeeinrichtung, eine Ski- und Snowboardtasche. Sehr praktisch, kostet aber 200 Euro zusätzlich.

Infotainment mit Fingerstrich

Dank Pad wird die Eingabe von Telefonnummern und Fahrzielen kinderleicht.
Dank Pad wird die Eingabe von Telefonnummern und Fahrzielen kinderleicht.

Was in neuen Audi-Modellen für ungebremste Freude sorgt, sind die Infotainment-Bausteine. Serie ist das Radio mit CD-Laufwerk, das auch in der Lage ist, MP3- und WMA-Dateien abzuspielen. Immer wieder hübsch anzusehen ist das sieben Zoll große Display, das beim Start des Fahrzeuges aus der Konsole des Mitteltunnels auftaucht. Im Testwagen war das Standard-Radio mit einer MMI-Einheit aufgerüstet. Die kostet mit 2290 Euro auch gleich mal richtig Geld, beinhaltet aber auch ein Navigationssystem, Connectivity-Paket, eine Bluetooth-Schnittstelle und das Audi Music Interface (AMI) zum komfortablen Anschluss von mobilen Playern. Das zieht sogar die Albumcover aus dem Smartphone auf den Bildschirm. Mit dem MMI Radio böllert auch ein Sechskanal-Verstärker mit zehn Lautsprechern inklusive Centerspeaker und Subwoofer die Höhe und Bässe in den Innenraum.

Zur Steuerung der Funktionen im neuen Audi A3 dient das MMI-Terminal. Seine zentrale Komponente ist ein Touchpad, das auch als Dreh-/Drück-Steller fungiert. Doch der Clou ist, dass das Touchpad in der Lage ist, Handschriften zu erkennen. Der Fahrer schreibt die Buchstaben oder Ziffern, die er zum Navigieren oder Telefonieren eingeben möchte, mit dem Finger auf das Pad und die Elektronik übersetzt präzise. Funktioniert tatsächlich wie in der Werbung, nur, dass der Autor keine fremde Schönheit in den A3 locken konnte, die dann ihre Telefonnummer auf dem Pad hinterlassen hat. Letztlich ist die Bedienung wirklich intuitiv.

Wer so viel Ablenkung durch die Unterhaltungssysteme bekommt, fährt nicht schlecht, wenn er sich einige Sicherheitssysteme zum A3 hinzu bucht. Aber Obacht, auch das hat seinen Preis. Die Einparkhilfe plus mit selektiver Anzeige kostet zusätzlich 655 Euro. Empfehlenswert ist die adaptive cruise control (ACC) für 470 Euro. Hier sorgt ein Sensor dafür, dass im Geschwindigkeitsbereich von 30 bis 150 km/h der gewünschte Abstand zu vorausfahrenden Fahrzeugen gehalten wird, indem er innerhalb bestimmter Grenzen selbst Gas gibt und verzögert. Ein ausgesprochen angenehmer Helfer, der längere Autobahnfahrten extrem entspannt. Aber selbst im flüssigen Stadtverkehr lässt sich das ACC einsetzen.

Fazit: Der A3 ist und bleibt der Premium-Golf aus Ingolstadt. Allein dieser Umstand betätigt, dass, wer sich standesgemäß über die Straßen schaukeln möchte, selbst bei diesem kompakten Gefährt ein gut gefülltes Porte­monnaie haben sollte. Denn bereits in der Grundausstattung schlägt der 2.0 TDI mit 25.294 Euro zu Buche. Und hier sind die ganzen  Annehmlichkeiten noch nicht enthalten, die den Preis des Testwagens auf 43.740 Euro treiben. Ein für einen Kompaktwagen fast gigantischer Preis, den wahrscheinlich nur gut betuchte Singles oder Paare aufbringen.

DATENBLATTAudi A3 2.0 TDI
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,23/ 1,77/ 1,42 m
Radstand2,60 m
Leergewicht (DIN)1280 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen365 Liter/ 1100 Liter
EmissionsklasseEU 5+
Motor/Hubraum2,0-Liter Vierzylinder-Turbodiesel mit Direkteinspritzung
Getriebe6-Gang-Automatikgetriebe
Leistung150 PS (110 kW) bei 3500 - 4000 U/min
KraftstoffartDiesel
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit216 km/h
max. Drehmoment320 Nm bei 1750 bis 3000 U/min
Tankinhalt50 l
Beschleunigung 0-100 km/h8,6 s
Normverbrauch (innerorts/außerorts/kombiniert)4,9/ 3,6/ 4,1
Testverbrauch6,4 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
128 g/km
Grundpreis25.294,12 Euro
Preis des Testwagens43.740,01 Euro

Quelle: n-tv.de

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