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Ein bisschen Gelände, ein bisschen Kleinwagen: Mit dem Crossover SX4 ist Suzuki ein recht erfolgreicher Wurf gelungen.
Ein bisschen Gelände, ein bisschen Kleinwagen: Mit dem Crossover SX4 ist Suzuki ein recht erfolgreicher Wurf gelungen.

Schneepflug Suzuki SX4: Der Kleine wühlt sich durch

von Markus Mechnich

Viele denken, dass bei schwierigen Straßenbedingungen große SUVs die optimale Wahl wären. Weit gefehlt: Allrad muss sein, aber je kleiner ein Auto ist, desto besser kommt es durch. Der Suzuki SX4 beweist das.

Bei Geländegängern stellt man sich meist große, schwere Autos vor. Als Klassiker unter den Offroadern gelten beispielsweise ein Toyota Land Cruiser, ein Range Rover oder eine G-Klasse von Mercedes. Natürlich haben diese Autos unbestritten ihre Offroadqualitäten, aber große, schwere Autos sind nicht unbedingt optimal für das Gelände. In den Alpen kraxeln meistens allradgetriebene Panda die Berge hoch, wo schwere SUVs stecken bleiben. Deshalb ist zum Beispiel der Jimny von Suzuki einer der beliebtesten Geländegänger. Das Auto ist klein und leicht, ausreichend motorisiert und mit guter Allradtechnik ausgestattet. Wer wirklich was fürs Gelände braucht, ist mit einem Jimny gut bedient.

Von außen ist dem SX4 nicht anzusehen, dass er es doch auf stattliche 4,15 Meter Länge bringt.
Von außen ist dem SX4 nicht anzusehen, dass er es doch auf stattliche 4,15 Meter Länge bringt.

Nur lebt der Offroad-Evergreen von Suzuki wirklich in einer Nische, die sehr selten gepflegt wird. Das Modell wurde 1998 letztmals aufgefrischt, ist optisch eher unattraktiv und zeigt sich bei den Motorisierungen ausgesprochen monothematisch. Einen 86-PS-Otto-Motor gibt es, keinen Diesel. So lässt sich in Europa keine erhebliche Zahl an Autos verkaufen. Also haben die Japaner den Plan entwickelt, über ein kleines SUV offroadtaugliche Technik in ein hübscheres Kleid zu verpacken, um sie so besser an den Mann oder die Frau bringen zu können.

Start 2006

Der erste Anlauf war der Suzuki Ignis, der sich ab dem Jahr 2000 seine Wege bahnte. Ein Mini-SUV mit dann doch zu wenig Nutzwert, aber optionaler Allradtechnik. Er machte sich vor allem im Rallyesport einen Namen. Die zweite Generation wurde an diverse Konkurrenten, darunter Chevrolet und Mazda, abgegeben, die den Ignis unter ihrem Namen und Modellbezeichnung verkauften. Denn der Kleinwagenspezialist Suzuki hatte 2003 schon den SX4 in der Pipeline, der stärker, schneller und vor allem schöner wurde und damit die Basis für eine eigene Modellreihe bilden sollte.

Im Innenraum findet sich viel Hartplastik. Die Verarbeitung ist aber sehr ordentlich.
Im Innenraum findet sich viel Hartplastik. Die Verarbeitung ist aber sehr ordentlich.

In dem relativ kurzen Lebenszyklus seit 2006 hat sich der SX4 als feste Größe in der überschaubaren Modellpalette von Suzuki etabliert. In diesem Jahr war das Klein-SUV das Auto mit den zweibesten Verkaufszahlen hinter dem Swift, der für fast ein Drittel der Verkäufe steht. Beim SX4 sind es bis Ende November mehr als 20 Prozent der Zulassungen der Japaner hierzulande. Im Jahr 2009 hat man dem Crossover-Modell, das von Fiat auch als Sedici angeboten wird, ein Facelift angedeihen lassen. Kern der Überarbeitungen waren die Antriebe, die auf mehr Sparsamkeit getrimmt wurden.

Kompakter Auftritt

In unserem Test sind wir den Zwei-Liter-Diesel mit Allradantrieb gefahren. Das Auto ist mit seinen 135 PS die stärkste Option einen SX4 zu bewegen. Gleichzeitig verspricht Suzuki einen Verbrauch von 5,5 Liter auf 100 Kilometern. Keine schlechte Vorgabe erst mal. Wir haben unseren SX4 2.0 DDiS 4x4 über gut 900 Kilometer Autobahn bewegt und ihm noch einen Ausritt über verschneite Feldwege zugemutet.

Mit dem 135-PS-Diesel ist der Suzuki SX4 gut motorisiert. Besonders das üppige Drehmoment von 320 Newtonmeter macht sich positiv bemerkbar.
Mit dem 135-PS-Diesel ist der Suzuki SX4 gut motorisiert. Besonders das üppige Drehmoment von 320 Newtonmeter macht sich positiv bemerkbar.

Der Erstkontakt mit dem Auto hat Kleinwagencharakter. Die Länge von 4,15 Metern sieht man dem Auto nicht unbedingt an. Mit einer Bauhöhe von 1,73 Metern hebt er sich aber wohltuend von den Polos und Swifts auf den Straßen ab und ermöglicht gleichzeitig eine hohe Sitzposition. Das Armaturenbrett, das einen nach dem Einsteigen empfängt, ist geprägt von relativ viel Hartplastik, lässt aber grundsätzlich nichts vermissen. Schnell lässt es sich auf dem Fahrersitz zurecht finden.

Unbesorgt auf der linken Spur

Ungewöhnlich sind nur die beiden Schalter zwischen den Sitzen. Für die Fahrt abseits der befestigten Straßen allerdings umso wichtiger. Denn hier wird das ESP ab- und der Allradantrieb angestellt. Der zuschaltbare, vierrädrige Antrieb ist eine feine Sache gegenüber den sonst gängigen permanenten Systemen. Das stellt sich auf der langen Autobahnfahrt heraus, die zunächst ansteht. Die rechte Spur ist frei von Schnee und lässt sich mit dem reinen Frontantrieb gut befahren. Auf der mittleren und linken Spur hat der strenge Winter jedoch eine feste Schneedecke hingelegt, die auch die Räumfahrzeuge bisher nicht beseitigt haben. Hier trauen sich nur wenige Autos hin. Mit zugeschaltetem Allrad ist das für den SX4 aber kein Problem. Bei gemäßigter Geschwindigkeit, versteht sich.

Der zuschaltbare Allradantrieb verrichtet auch in schwierigem Gelände gute Arbeit.
Der zuschaltbare Allradantrieb verrichtet auch in schwierigem Gelände gute Arbeit.

Das Abschalten des Allradantriebs bringt vor allem in Sachen Spritkonsum Vorteile. Mit einem gemessenen Verbrauch von 6,1 Litern schlägt sich der SX4 auf der Autobahnetappe richtig gut. Der 50 Liter große Tank reicht so bis ans Ziel der rund 650 Kilometer langen Etappe. Dabei geht es mit dem 135 PS starken Vierzylinder auch gut nach vorne. Das ist beim Beschleunigen schon zu merken, das gefühlt schneller vonstatten geht, als die angegebenen 11,2 Sekunden. Freilich verhindert das harte Winterwetter höhere Geschwindigkeiten, was einem geringen Spritkonsum durchaus zuträglich ist.

Kofferraum überschaubar

Was die Gepäckfrage so bietet der Suzuki ausreichend Platz, wenn auch nicht im Übermaß. Die Ladekante für die 270 Liter im Kofferraum ist relativ hoch und der Wert an sich einem Kleinwagen gemäß. Besserung gibt es nach dem Umklappen der Rückbank, die dann bis zu 1045 Liter Gepäck zulässt. Ebenfalls wie ein Kleinwagen zeigt sich der SX4 bei den Platzverhältnissen auf der Rückbank. Erwachsene können dort zwar sitzen, aber für lange Fahrten ist es schon anstrengend. Der fünfte Platz in der Mitte der Rückbank ist nur für Kinder zu empfehlen. Zumal die Zuladung von 430 Kilogramm bei vier Erwachsenen und Gepäck schon ziemlich ausgeschöpft sein dürfte.

Für den kleinen Ausritt ins Gelände ist der SX4 gut gerüstet. Allzu tief sollte es bei einer Bodenfreiheit von 19 Zentimetern aber nicht werden.
Für den kleinen Ausritt ins Gelände ist der SX4 gut gerüstet. Allzu tief sollte es bei einer Bodenfreiheit von 19 Zentimetern aber nicht werden.

Nach der Ankunft geht es am nächsten Tag zum Offroadausflug. Hinein in den Pfälzer Wald zur Fahrt über die verschneiten Feldwege. Mit ausgeschaltetem ESP und eingeschaltetem Allradantrieb schlägt sich der SX4 hier sehr wacker. Egal ob am steileren Hang oder in engen Kurven, der Suzuki zieht mit seiner bewährten Allrad-Technik souverän seine Kreise. Durch die überschaubare Bodenfreiheit von 19 Zentimetern jagen wir den Japaner aber auch nicht zu tief ins pfälzische Unterholz. Das üppige Drehmoment erlaubt es dem Auto, sich auch aus schwierigeren Passagen wieder zu befreien.

Am Ende des Tages gibt der Suzuki SX4 ein ordentliches Bild ab. In Sachen Nutzwert und Raumgefühl ist er ganz Kleinwagen. Ein Polo oder ein Corsa bringen ähnliche Werte und vielleicht noch einen Tick mehr Platz. Aber mit diesen lässt es sich eben nicht so gut im Gelände umher fahren. Das kann der SX4 gut, da ist er ganz Crossover. Mit einem Preis von 20.100 Euro liegt der Diesel mit Allrad allerdings auch über dem Niveau eines Kleinwagens. Dafür kostet die ziemlich umfassende "Comfort"-Ausstattung zusammen mit dem 2.0 DDiS nur 21.400 Euro. Ein guter Kompromiss, dieser Crossover, aber eben immer noch ein Kompromiss. Für die Landpartie aber allemal eine Überlegung wert.

Datenblatt

Suzuki SX-4

Abmessungen LxBxH
4,15 / 1,73 / 1,59 m
Leergewicht
1475 kg
Sitzplätze
5
Ladevolumen
normal / Rückbank umgeklappt
270 l / 1094 l
Maximale Zuladung
430 kg
Motor
4-Zylinder Diesel-Motor
mit 1.956 ccm Hubraum
und Turboaufladung
Getriebe
6-Gang manuell, vollsynchronisiert
Leistung
135 PS (99 kW)
Kraftstoffart
Diesel
Antrieb
Vorderachse oder Allrad
Höchstgeschwindigkeit
180 km/h
max. Drehmoment
320 Nm
Beschleunigung 0 - 100 km/h
 11,2 sek
Normverbrauch (Mittel/Innerorts/Außerorts)
Testverbrauch
5,5 l /7,0l / 4,6l
6,1l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
143 g/km
Grundpreis
Preis des Testwagens
20.400 Euro
21.400 Euro

 

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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