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Hase und Fuchs lösen in "Zoomania" als ungleiches Paar einen Kriminalfall.
Hase und Fuchs lösen in "Zoomania" als ungleiches Paar einen Kriminalfall.(Foto: ©2016 Disney)

Pelziger Rassismus und große Träume: Disneys "Zoomania" ist ein tierischer Reinfall

Von Anna Meinecke

Ein kleiner Hase kann in der Vielfalt des Tierreichs kein Polizist sein? Quatsch, denkt sich Mümmelfrau Judy Hobbs und wirft sich in Uniform. Der Disney-Streifen "Zoomania" erzählt mit sirupsüßer Moral von einer Welt voller Möglichkeiten.

Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten? Dass da aus Tellerwäschern nicht unbedingt Millionäre werden - geschenkt. Von dort aber kommt nun wenigstens ein Stadtentwurf, der verspricht, die ganz großen Träume Wirklichkeit werden zu lassen: Zootopia.

In der bunt-beschaulichen Stadt voller Tiere platziert Disney seine jüngste Kindergeschichte "Zoomania". Eine junge Hasenfrau vom Land hat der Rübenzucht den Rücken gekehrt und will stattdessen als Polizistin im Großstadtdschungel ganz groß rauskommen. Dass die groß gewachsenen Herren Kollegen im Stierleder oder im Eisbärenpelz mäßig begeistert von ihrem Vorhaben sind, schüchtert sie nicht ein. Stattdessen verbrüdert sie sich sogar mit einem zwielichtigen Fuchs, um einen verzwickten Kriminalfall zu lösen.

Kulleraugen und Kitsch

Du kannst alles schaffen, wenn du es nur genug willst. Ein Gedanke, der sich in mehr oder minder schmalzigem Gewand seit Generationen durch Kindergeschichten zieht. Zunächst einmal ist das natürlich romantischer Quatsch. Außerdem verkauft "Zoomania" die Botschaft leider auf die ganz simple Tour. Gerade hatte sich doch dank Franchise-Filmen wie "Kung Fu Panda", "Ich - Einfach unverbesserlich" und "Ice Age" das Vertrauen in gleichermaßen kluge wie charmante Animationsfilme gefestigt. Bei "Zoomania" setzt Disney aber leider auf die alte Schule: auf große Kulleraugen und kitschigen Soundtrack.

Und jetzt stellen Sie sich dazu noch den Soundtrack vor!
Und jetzt stellen Sie sich dazu noch den Soundtrack vor!(Foto: ©2016 Disney)

Gekonnt allerdings adressiert der Film Probleme rund um Rassismus, Sexismus und Diskriminierung im Allgemeinen. Wenn sich der Elefanten-Eisverkäufer etwa vorbehält, bestimmten Tierarten das Dessert am Stiel zu verwehren, beweist Hasen-Heldin Judy Hopps Zivilcourage. Besonders hierzulande dürfte die Szene Zuschauer unangenehm daran erinnern, dass die Läden der Großelterngeneration gern mal ein "Juden werden hier nicht bedient"-Schild im Fenster hatten.

Cop-Story mit Gespür für Zeitgeist

Wo es "Zoomania" an Humor fehlt, trumpft der Film mit Gespür für Zeitgeist auf. Er lehrt seine Zuschauer nicht nur, dass es sich stets empfiehlt, einer Mafioso-Tochter das Leben zu retten - sofern sich denn die Gelegenheit dazu ergibt. Er lehrt auch, dass angeborene Fangzähne noch keine Bestie machen. Und dass bissige Ururgroßeltern ihren Nachfahren den eigenen Blutdurst nicht per DNA eingepflanzt haben.

Wer über die jaulende Shakira-Gazelle hinweg sehen kann und es verschmerzt, dass den lustigen Faultieren aus dem Trailer nicht einmal ansatzweise so viel Platz eingeräumt wird wie erhofft, der betrachte "Zoomania" gern als knackige Cop-Geschichte - allerdings mehr für Kinder als für die ganze Familie.

"Zoomania" läuft ab sofort in den deutschen Kinos

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Quelle: n-tv.de

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