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Black im Video zu "Wonderful Life" - der Clip passte zu dem Song wie die Faust aufs Auge.
Black im Video zu "Wonderful Life" - der Clip passte zu dem Song wie die Faust aufs Auge.(Foto: Screenshot Youtube / nev6363)

"No need to run and hide": Black, nicht irgendein One-Hit-Wonder

Von Volker Probst

Nein, Black alias Colin Vearncombe war kein Musikgigant wie etwa David Bowie. Doch er war auch mehr als "nur" ein weiteres One-Hit Wonder. Mit "Wonderful Life" schuf er schließlich eine der schönsten bittersüßen Hymnen an das Leben überhaupt.

"Ich konnte das Lied noch nie leiden", meint meine Kollegin. Und so sehr ich sie sonst schätze, denke ich mir: "Du hast ja wohl einen an der Waffel." Sonst hat sie schließlich bereits Pipi in den Augen, wenn Heidi und der Alm-Öhi auf der Kinoleinwand streiten, Howard Carpendale "Hello Again" winselt oder Stefan Raab zu seinem Abschied aus ein paar Fipsi-Büchern vorliest. Wie bitte kann man da bei "Wonderful Life" nicht sofort in Tränen aufgelöst sein und sogar die Impertinenz besitzen, das Lied als doof zu betiteln?!?

Hätten Sie ihn erkannt? Black im Jahr 2004.
Hätten Sie ihn erkannt? Black im Jahr 2004.(Foto: imago/HRSchulz)

Nein, nein, nein. Holzweg, meine Liebe. Und ganz dünnes Eis. Wer die 80er auch nur irgendwie mitgekriegt und am rechten Fleck wenigstens irgend so etwas wie ein Herz hat, kann gar nicht anders, als bei dem Song in Wehmut zu verfallen. Das betrifft sogar ansonsten selbstredend stahlharte, stoische und stumpfe Kerle wie mich. Und Kerle, die sonst eigentlich ganz und gar nicht auf so schleimig-geleckte Typen mit Popper-Tolle, Bundfalten-Hose, Streber-Sakko und Jammer-Falsett in der Stimme stehen, wie sich Sänger Colin Vearncombe unter dem Pseudonym Black seinerzeit präsentiert hat.

Distinguiert? Na, okay!

Okay, er hatte den Look nicht erfunden. Den scheinbaren Gegensatz, Popstar zu sein und sich dennoch abgehoben-distinguiert zu geben, hatten zuvor schon Bands wie Roxy Music, Spandau Ballet oder Heaven 17 erfolgreich zelebriert. Und eine Gruppe wie Hurts - die ironischerweise auch mit einem Song namens "Wonderful Life" den Durchbruch schaffte, ohne dazu angeblich von Black inspiriert worden zu sein - tut dies noch heute. Auch ihnen sah und sieht man das nach, obwohl man selbst früher vielleicht eher in Lederjacke, zerrissenen Jeans und DocMartens durch die Gegend stiefelte. Von daher: Sein Auftreten Mitte der 80er sei Colin Vearncombe verziehen, der Wirkungsmacht von "Wonderful Life" tut das keinen Abbruch. Noch dazu, da sich der Sänger in späteren Jahren vom Pomaden-Pinscher eher zum Zausel mit Dreitagebart wandelte.

Ja, Vearncombe erging es wie so vielen. Bis zuletzt tingelte er mehr als 30 Jahre durch das Musikgeschäft. Doch mit "Wonderful Life" gelang ihm schon kurz nach Beginn seiner Karriere 1987 nur der eine große Hit, mit dem er immer verbunden sein sollte. Mit "Everything's Coming Up Roses", "Sweetest Smile" oder "The Big One" glückten ihm im unmittelbaren zeitlichen Umfeld zudem noch ein paar kleinere Chart-Erfolge, an die sich jedoch fast nur noch Experten für nutzloses Wissen erinnern.

Es war nicht alles schlecht

Trotzdem ist "Wonderful Life" mehr als nur ein One-Hit-Wonder der Marke "Ice, Ice, Baby", "U Can't Touch This" oder "Macarena". Früher und sogar in den 80ern war eben auch nicht alles schlecht. Mit dem im Text mit einigem Sarkasmus und in der Melodie mit reichlich Melancholie vorgetragenen Kommentar über die Schönheit des Lebens schuf Black eine der vielleicht schönsten bittersüßen Hymnen an das Leben überhaupt. Das zugehörige, von dem Werbefilmer Gerard de Thame realisierte Musikvideo tat sein Übriges, um die Botschaft zu unterstreichen. Aufgenommen in einem Seebad im Nordwesten Englands, in Schwarzweiß, mit langsamen Kamerafahrten, Zeitlupen-Effekten und Gesichts-Studien zu Textzeilen wie "Sun's in your eyes, the heat is in your hair, they seem to hate you", stimmte es ebenso nachdenklich wie es 1987 aus den Hupfdohlen-Clips von anderen Eintagsfliegen der Marke Rick Astley, Mel & Kim oder Sabrina herausstach.

Nun hat dieses wundervolle Leben ausgerechnet für Colin Vearncombe ein jähes und viel zu frühes Ende gefunden. Bei einem Autounfall am 10. Januar zog er sich eine schwere Kopfverletzung zu. So schwer, dass sich die Ärzte schließlich sogar genötigt sahen, ihn in ein künstliches Koma zu versetzen. Ohne Erfolg. Am 26. Januar, 16 Tage nach dem Unglück, ist der Sänger mit nur 53 Jahren im Kreise seiner Familie im Krankenhaus gestorben. Seine Frau und seine drei Söhne hätten zum Abschied für ihn gesungen, heißt es auf der Facebook-Seite des gebürtigen Liverpoolers. Der Post endet mit der Textzeile: "No need to laugh or cry, it's a wonderful, wonderful life." Wie wahr.

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Quelle: n-tv.de

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