Ratgeber

Verzicht aufs Darlehen kann lohnen: Bausparen als Geldanlage

Bausparen war lange attraktiv wegen niedriger Darlehenszinsen. Heute sind Banken oft günstiger. Dann kann es sinnvoll sein, sich nur das Guthaben aus dem Bausparvertrag auszahlen zu lassen. Die Entscheidung hängt aber von mehr als dem Zinsvergleich ab.

Auf Nummer sicher: Ein Bausparvertrag soll Verbrauchern niedrige Zinsen sichern. Derzeit sind aber Bankdarlehen oft günstiger.
Auf Nummer sicher: Ein Bausparvertrag soll Verbrauchern niedrige Zinsen sichern. Derzeit sind aber Bankdarlehen oft günstiger.

Viele Bausparer dürften frustriert sein: Weil die Zinsen so niedrig sind, lohnt es sich kaum, das Bauspardarlehen in Anspruch zu nehmen. Das ist ärgerlich: "Für die Aussicht auf ein günstiges Darlehen hat man lange Zeit schlecht gespart", sagt Marlies Hopf von der Verbraucherzentrale Brandenburg in Potsdam.

Bausparen funktioniert in zwei Schritten: Der Kunde vereinbart eine Bausparsumme, einen Teil davon spart er oft zu relativ niedrigen Zinsen. Bei der sogenannten Zuteilung erhält er dieses Geld und nimmt ein Bauspardarlehen auf, um den Rest der Bausparsumme zu finanzieren. Dieses Darlehen wird in einer bestimmten Zeit mit festen Zinsen getilgt. Das Versprechen lautete viele Jahre: Man sichert sich schon bei Vertragsabschluss niedrige Zinsen für den späteren Kredit.

"Der Verbraucher wurde mit dem Argument geködert: Diesen Zins habt ihr sicher, selbst wenn die Zinsen am Markt für Bankdarlehen nach oben gehen", erklärt Hopf. Viele wollten im Gegensatz zu einem Bankkredit mit ihrem Bausparvertrag auf Nummer sicher gehen.

Bankdarlehen derzeit oft günstiger

Derzeit haben einige Immobiliendarlehen der Bank aber günstigere Konditionen als das Bauspardarlehen. Wie die Zeitschrift "Finanztest" (Ausgabe Eigenheim-Spezial) vorrechnet, kommen Bausparer manchmal günstiger weg, wenn sie nur das Guthaben aus ihrem Bausparvertrag nutzen und die Anschlussfinanzierung über eine Bank abwickeln. Mit Gebühr liegen die Zinsen für das Bauspardarlehen demnach oft bei fünf bis sechs Prozent, vergleichbare Bankkredite gebe es schon für um die drei Prozent.

"Wir kommen oft zu dem Schluss: Nehmt das Guthaben aus dem Bausparvertrag, und für den Rest suchen wir uns eine Bank, die uns nette Konditionen für ein Darlehen macht", sagt Hopf. Der Rat gilt auch, wenn Bausparer bei Vertragsabschluss ein zusätzliches Vorausdarlehen in Anspruch genommen haben, um ein Bauprojekt sofort finanzieren zu können. Dann löst das Bankdarlehen einen Teil des Vorausdarlehens ab.

Dass Bausparer mit der jüngsten Entwicklung unzufrieden sind, können die Anbieter nachvollziehen. Ein Bausparvertrag biete im Vergleich zu einem Hypothekenkredit häufig einen weniger attraktiven Darlehenszins, räumt Carl Brüning von der Landesbausparkasse West in Münster ein. "Wir stellen fest, dass Bausparer auch weniger oft ihre Bauspardarlehen in Anspruch nehmen."

Dass sich mancher Bausparvertrag aufgrund der Zinsentwicklung im Rückblick kaum gelohnt hat, ist aber nicht nur für die Bausparkassen eine Überraschung. "Hätte man mir vor zehn Jahren gesagt, dass die Zinsen so runtergehen, wie sie jetzt sind, ich hätte jedem den Vogel gezeigt", gibt Hopf zu.

Um entscheiden zu können, ob der Ausstieg aus dem Vertrag lohnt, sollten Bausparer vor allem die Effektivzinsen von Bauspardarlehen und Bankkredit vergleichen. Das ist nicht immer leicht. Wie die "Finanztest" erklärt, ist der ausgewiesene Effektivzins des Bauspardarlehens teils verzerrend, weil etwa Bonuszinsen nicht eingerechnet werden und die Abschlussgebühr zu Unrecht einfließt. Die "Finanztest" hat dafür einen Rechner online gestellt.

Der Effektivzins für das Darlehen ist allerdings nicht das einzige Kriterium, das für Verbraucher zählt. Ein Bankkredit ist nämlich nicht so flexibel wie ein Bauspardarlehen. Wenn Kunden daran besonders gelegen ist, könne das für ein Bauspardarlehen sprechen - trotz der höheren Zinssätze, erläutert Hopf.

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Quelle: n-tv.de

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